Stallmädchen oder Kellnerin?

Das Telefon hat noch nicht geklingelt, Lisa und Sophia dürften also noch ihren Ausritte genießen. Die beiden Jungs sitzen im Gastgarten vom Central-Café und beschließen noch eine Runde zu bestellen. Bei der Gelegenheit will Lucas von der Kellnerin wissen, ob Sie zufällig etwas mit dem Reitstall oben beim Wald zu tun hat. „Ja“, antwortet die Kellnerin auf seine Frage, „Ich arbeite manchmal dort und helfe im Stall aus. Wieso fragt ihr?“
„Weil meine Freundin und seine Freundin“, Lucas deutet auf Marc, „dort oben Pferde stehen haben und ich dachte irgendwie, dass du mir bekannt vorkommst. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich dich von dort kenne.“
„Ja, ich bin Sarah. Ich arbeite hier immer von Donnerstag bis Samstag im Café und am Sonntag und am Mittwoch helfe ich oben beim Reiterhof im Stall aus.“
Lucas nickt zustimmend. „Siehst du?“ wendet er sich an Marc, „Ich wußte, dass ich sie schon mal gesehen habe.“ Dann dreht er sich wieder zu Sarah, der Kellnerin im Café. „Hast du auch ein Pferd da oben?“.
„Nein!“ lacht Sarah, „Das kann ich mir nicht leisten. Ich bin halt eine Freundin von Viktoria, ihren Eltern gehört der Betrieb und ich verdiene mir ein wenig Geld mit Stallarbeiten dazu und kann dann auch ab und zu mit einem von den Pferden von der Familie reiten gehen, aber ein eigenes Pferd habe ich nicht. Wer sind denn eure beiden Freundinnen?“
„Meine ist Lisa“ antwortet Marc.
„Lisa?“ Sarah überlegt und runzelt die Stirn.
„Cosmo heißt der Schimmel-Wallach von Lisa.“, wirft Lucas dazwischen.
„Ah, die mit den plantinblonden langen Haaren! Die kann gut reiten, finde ich. Aber ich glaube nicht, dass sie es sehr auf den Sport anlegt, ich schätze mal, dass sie sich eher mit Freizeitreiterei wohl fühlt, weil richtig hart trainieren hab ich sie beim Springen noch nicht gesehen.“ stimmt Sarah zu.
Marc ist verwundert.
„Wundere dich nicht, wenn du länger mit Lisa zusammen bist, wirst du merken, dass Leute in einem Reitstall einander am besten daran erkennen, welches Pferd wem gehört. Die kennen immer die Pferde besser als die Menschen.“ erklärt Lucas seinem Freund Marc.
„Ich bringe euch mal eure Getränke.“ spricht Sarah und macht am Absatz kehrt zurück ins Lokal hinein bevor sie schon nach wenigen Augenblicken wieder herauskommt und zu den beiden zum Tisch hingeht. „Von der Hauslimonade haben wir gerade nichts mehr.“ erklärt sie Lucas, „Darf es etwas anderes sein? Möchtest du ein Bier?“
„Na, wenn“ erwidert Lucas, „dann nur ein alkoholfreies Bier. Ich bin mit dem Auto unterwegs.“
„Okay, und du?“ wendet sich Sarah Marc zu, der ebenfalls die Hauslimonade bestellt hatte.
„Ich freue mich über einen doppelten Espresso genauso wie über die Limonade, also der wäre es dann bitte.“ antwortet Marc. Sarah zischt wieder ab und es dauert nicht lange, bis sie den beiden die Getränke zum Tisch bringt.
„Verrätst du mir noch, wer deine Freundin ist?“ fragt Sarah, während sie den beiden die Getränke auf den Tisch stellt.
„Sophia heißt sie, ihr Pferd ist die dunkelbraune Stute Neela.“ antwortet Lucas.
„Ah, die mit den schulterlangen schwarzen Haaren, die immer eher stärker geschminkt ist?“ fragt Sarah zurück. Lucas nickt.
„Ja, das Pferd ist super, die Stute ist auch total angenehm im Stall, die mag ich. Die geht auch auf Turniere, hab ich mitbekommen. Deine Freundin hat total witzige Reithandschuhe, also eigentlich sind das ja keine Reithandschuhe, aber sie benutzt sie halt dafür, wenn sie nicht am Turnier ist. Bei den Handschuhen sind ja die Fingerkuppen abgeschnitten. Aber sie hat immer schwarz lackierte Fingernägel, da schaut das irgendwie cool aus, finde ich. Na gut, ich lasse euch jetzt mal in Ruhe trinken, ich hab ja zu tun.“
Sarah schwirrt wieder ab.
Die beiden genießen ihre Getränke und Marc lässt sich noch von Lucas, der mit Sophia doch schon ein paar Jahre zusammen ist, ein wenig über den Reitstall und die Leute dort erzählen. Die Besitzer sieht man anscheinend nicht sehr oft, es gibt noch einen Stallburschen, den Lucas schon länger kennt und offenbar eben auch die Sarah, die hier im Lokal noch als Kellnerin arbeitet, wie Marc im Laufe des Gespräches lernt. Die Tochter der Stallbesitzer dürfte aber sehr oft dort sein, die Viktoria geht so wie Sophia auch auf Turniere. „Ja, die ist aber ziemlich ehrgeizig, die ist jedes mal extrem ausgezuckt, wenn ihr beim Turnier irgendwelche Fehler passieren oder ihr Pferd eine Stange abwirft.“
„Ist Sophia nicht ehrgeizig?“ fragt Marc.
„Nein, Sophia weiß, dass ihr Pferd zwar gut ist, aber wenn du bei großen Turnieren was gewinnen willst, dann hängt das davon ab ob du dir wirklich ein Top-Pferd leisten kannst und einen Top-Trainer bezahlen kannst. Sophia mag die Turniere, sie geht gern hin und startet gern dort, aber sie weiß auch, dass sie gegen solche Leute, die sich das ganze Umfeld einfach zusammenkaufen können, wenig Chancen hat.“ erklärt Lucas.
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Ein Reiterhof-Krimi von Elvira G.
Elvira G. möchte herausfinden, ob ihre Geschichte aus deiner Sicht eine gute Geschichte ist. Wir veröffentlichen hier ihre Geschichte, sie möchte es noch nicht mit ihrem vollständigen Namen veröffentlichen. Sie (und wir) freuen uns über Feedback zu dieser Geschichte von dir.
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