Paul bringt die Mahlzeit
An der Hauptstraße hat Lisa wieder umgedreht und ist nun schon entlang dem Wald zurückgeritten. Viktoria ist bei der Villa Senftenberg nicht mehr zu sehen, die ist längst wieder im Reitstall. Lisa blickt beim Reiten über die Gartenmauer der Villa auf den ruhigen Pool und die kleinen, stark zurechtgestutzten Pflanzen. „Schönes Haus eigentlich“, denkt Lisa, „Aber ob die den Pool wirklich oft verwenden? Viktoria ist wohl mehr am Pferd als im Wasser…“ Cosmo schnaubt während sie im Schritt reitend wieder in den Wald abbiegt zufrieden vor sich hin. Sie tätschelt seinen Hals.
Dann führt der Weg zurück durch den Wald, Lisa blickt auf ihre silberne Uhr, die sie am linken Handgelenk trägt. „Kurz nach elf“, denkt Lisa zufrieden. Lisa hat noch knappe zwei Stunden Zeit bevor sie in der Apotheke dann an der Theke stehen wird und ihre Kundschaft mit Medikamenten versorgen wird. Sie beschließt nicht den direktesten Weg zurück zum Stall zu nehmen sondern noch eine kleine Extrarunde einzulegen. „Teeerabbb…“ zischt sie, verstärkt die Schenkelhilfen und passt ihren Sitz an. Cosmo gleitet angenehm vom Schritt in den Trab über. Zunächst trabt Lisa ein Stück durch den Wald im leichten Trab, muss also im Takt von Cosmo immer wieder nach oben und wieder runter um den Rücken von Cosmo gut zu entlasten. Wieder muss sie an die fiktive Unterhaltung mit ihrem Pferd über die Frage denken, wann man reiten und wann man frühstücken sollte. „Tja“, lobt sie Cosmo, „Es geht ja auch, wenn ich vorher schon gefrühstückt habe.“
Wieder schnaubt Cosmo und nickt mit dem Kopf als ob er verstanden hätte, was seine Besitzerin gerade gesagt hat. So grundsätzlich hat Lisa schon länger den Verdacht, dass ihr Pferd ihre Sprache versteht, leider ist es umgekehrt nicht so exakt. Im Trab gelangen die beiden dann relativ schnell an die andere Seite des Waldes, vor Lisa werden die Koppeln, der Reitplatz links und das Hauptgebäude sowie die Lagerhalle rechts sichtbar. Lisa macht eine halbe Parade zurück in den Schritt. Gemütlich reitet sie mit Cosmo auf dem Weg zwischen den Koppeln entlang vor bis zum Hauptgebäude, dort geht sie dann aber nicht direkt zum Stall weiter, das ist auch ganz gut für die Erziehung, sondern biegt noch einmal vor dem Hauptgebäude nach rechts ab. Der Weg führt am Hauptgebäude vorbei und dann entlang der Wiesenkoppel bis zum Sand-Reitplatz, der sich neben der Lagerhalle befindet.
Sie hat den geraden weg vor sich, setzt sich tiefer in den Sattel und gibt Cosmo die nötigen Hilfen um anzugaloppieren. Im gemütlichen Arbeitsgalopp reitet sie dann entlang der Koppel und den Weg zwischen dem Reitplatz und der Wiese hinunter bis zur Lagerhalle. Am Ende der Lagerhalle pariert sie wieder durch, lobt ihr Pferd und wechselt in einen gemütlichen Schritt. Sie umkreist die Lagerhalle und kommt auf der Vorderseite wieder heraus. Vor ihr schiebt Paul gerade eine Schubkarre mit einem Heuballen.
„Hallo Paul!“ ruft Lisa und winkt Paul zu. Der lässt den Kopf gesenkt hängen und reagiert nicht, sondern geht einfach schlurfend weiter.
„Na schau!“, spricht Lisa auf Cosmo ein, „Der brave Paul hat schon wieder dein Essen mit, das ist doch genau das Richtige nach einem kleinen Ausritt.“ Nachdem sie das zu Cosmo gesagt hat, muss sie wieder innerlich lachen. „Exakt. Lerne daraus, liebe Lisa. Zuerst reiten, dann essen.“ hätte Cosmo jetzt antworten können, wenn er denn sprechen könnte.
Paul scheint Lisa nicht wahrzunehmen, sondern geht langsam mit seiner Schubkarre und dem Heu in Richtung Stall. Lisa reitet im Schritt hinter ihm her, als die beiden am Stall ankommen, biegt Lisa noch mal zum Gras-Reitplatz ab um dort abzusitzen. Paul dagegen verschwindet mit der Schubkarre in der Stallgasse. Über sein Verhalten wundert sich Lisa ein wenig. Normalerweise, überlegt sie, grüßt er eigentlich immer höflich zurück. Sie befasst sich nicht mehr weiter mit der Frage, hält Cosmo an und schwingt sich aus dem Sattel. Mit der Hand greift sie nach ihrer Seitentasche an der Reithose. Ein Leckerli steckt in der Hosentasche, das bekommt Cosmo als kleine Belohnung sofort, danach lockert sie Zaumzeug und Sattel und marschiert so mit ihm in die Stallgasse hinein.
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Ein Reiterhof-Krimi von Elvira G.
Elvira G. möchte herausfinden, ob ihre Geschichte aus deiner Sicht eine gute Geschichte ist. Wir veröffentlichen hier ihre Geschichte, sie möchte es noch nicht mit ihrem vollständigen Namen veröffentlichen. Sie (und wir) freuen uns über Feedback zu dieser Geschichte von dir.
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