Ein Schubladentest ohne Möbel
Sophia, die noch nichts von dem mitbekommen hat, was sich gerade beim Reitstall abspielt, ist nach etwas Wartezeit in der Arztpraxis schließlich dran genommen worden. Am Tresen hatte sie sich zuvor angemeldet. Es ist schon länger her, dass Sophia einmal bei diesem Arzt war, aber sie ist noch in der Kartei zu finden gewesen. Im Wartezimmer waren vor ihr noch eine Mutter mit ihrem Sohn und ein älterer Mann mit einem Gehstock, der im Wartezimmer durchgehend gehustet hat. Sophia hatte sich zum Warten so weit wie möglich von dem Mann weggesetzt.
Nun sitzt sie im Behandlungsraum von Dr. Walther, zieht ihre Reitstiefel aus. Der Arzt hilft beim schmerzenden Bein den Stiefel loszuwerden. Die Stiefel stellt sie unter dem Krankenbett ab, noch die Socken ausziehen. Dr. Walther schaut sich ihre Beine genau an, der Fuß ist leicht angeschwollen. Er tastet den Knöchel ab, Sophia zuckt zusammen.
„Nein, gebrochen ist da nichts.“ beruhigt Dr. Walther sie. Er seufzt, richtet sich seine Brille und lehnt sich in dem schwarzen Lederstuhl zurück. „Aber sie haben definitiv die Bänder beleidigt. Ich mache mit ihnen einen Schubladentest.“
Sophia schaut verdutzt.
„Was ist ein Schubladentest?“
„Legen Sie sich bitte hier flach auf dem Rücken auf das Bett.“ weist Dr. Walther an.
Sophia dreht sich zur Seite, zieht die Beine auf das Krankenbett auf dem sie sitzt und legt sich zurück. Der Arzt fixiert mit einer Hand die Ferse und drückt mit der anderen Hand vorne gegen das Schienbein. Sophia beißt die Zähne zusammen, es schmerzt.
Der Arzt lässt ihren Fuß los und hält mit der Hand die Ferse am anderen Fuß.
„Der andere Fuß tut nicht weh.“ erklärt sie.
Der Arzt schüttelt den Kopf und lächelt. „Das dachte ich schon“, erklärt er, „aber der Test besteht unter anderem auch darin, dass ich die Verschiebung des Fußes mit dem anderen – gesunden – Fuß vergleiche.“
„Aha“, murmelt Sophia.
„Gerissen sind die Bänder wohl nicht, aber sicher überdehnt und das ist sehr schmerzhaft.“
„Was kann ich tun?“
„Die Pech-Regel anwenden“, sagt der Arzt und richtet sich erneut seine Brille. Sophia sieht ihn verdutzt an. Pech war es definitiv, dass sie gestürzt ist, aber dass das gleich eine Regel werden soll, leuchtet ihr nicht ein.
„Klingt komisch“, erläutert der Arzt und steht auf. „Sie können sich schon wieder aufsetzen. Die Pech-Regel ist eine Abkürzung. Pe E Ce und Ha stehen für Pause, E für Eiskühlung, Ce für Compression mit einem Verband und Ha für Hochlagern. Ich verpasse Ihnen einen Kompressionsverband, aber die anderen drei Sachen müssen Sie selbst machen. Pausieren Sie, nicht mehr auftreten, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Kühlen Sie das Bein, legen Sie ein Handtuch in die Gefriertruhe und wickeln Sie es dann um das Sprunggelenk oder benutzen Sie Eisbeutel. Wenn sie beides gerade noch nicht haben, geht auch ein Sack mit gefrorenem Gemüse vorerst einmal.“
Sophia nickt zustimmend. „Verstanden.“
Der Arzt beginnt ihr den Kompressionsverband anzulegen und verpackt ihren Fuß darin. Der Verband drückt kräftig auf das Bein, aber das Gefühl ist eigentlich angenehm, wie Sophia findet. Sie bedankt sich beim Arzt und macht sich leicht humpelnd wieder auf den Weg aus der Arztpraxis. Im Wartezimmer ist inzwischen ihr Freund Lucas.
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Ein Reiterhof-Krimi von Elvira G.
Elvira G. möchte herausfinden, ob ihre Geschichte aus deiner Sicht eine gute Geschichte ist. Wir veröffentlichen hier ihre Geschichte, sie möchte es noch nicht mit ihrem vollständigen Namen veröffentlichen. Sie (und wir) freuen uns über Feedback zu dieser Geschichte von dir.
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