Die kaputte Brücke

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„Nanu? Was ist denn hier los?“ fragt sie.
Sophia, die hinter ihr reitet, blickt auf. „Was?“
„Naja, schau mal. Die Brücke ist kaputt.“, erklärt Lisa und deutet auf die kleine Holzbrücke, die normalerweise den Seitenweg der Straße mit dem Waldweg verbindet. Zwischen dem Waldstück und der Wiese verläuft hier ein kleiner Bach. Über die Brücke, das wissen die beiden, sollte man getrennt reiten, denn die Tragkraft der Brücke ist nur etwas mehr als eine Tonne und mit zwei Pferden könnte das schon sehr kritisch werden. Das ist im Reitstall auch bekannt. Als die Brücke damals von Herrn von Sanftleben, von Viktorias Vater, beauftragt wurde, ging es ihm eigentlich darum bei der Jagd über die Brücke gehen zu können. Darum hatte er die Brücke eigentlich auch viel schmäler geplant gehabt. Es war seine Tochter Viktoria, die Turnierreiterin, die ihren Vater schließlich dazu überredet hat, die Brücke doch so breit zu bauen, dass man mit den Pferden problemlos drüber reiten kann. Daher hatte er dann die Brücke auf eine Breite etwas mehr als zwei Metern errichten lassen.
Ratlos schaut Lisa auf die Brücke, das Brückengeländer ist offenbar einfach weggebrochen und die Brücke selbst hängt geknickt über dem Bach.
„Das sieht aus, als wäre da jemand mit einem Auto drüber gefahren und hätte das Geländer einfach weggedrückt und die Brücke mit dem Gewicht geknickt.“, wundert sich Sophia, „Aber dass das noch niemandem aufgefallen ist, ist echt seltsam.“
„Stimmt!“, ergänzt Lisa, „Das muss irgendwie erst vor kurzer Zeit passiert sein. So oft wie man Herrn von Senftenberg hier herumwandern sieht, hätte der das längst bemerkt und wahrscheinlich schon Arbeiter herangeschafft um das zu reparieren.“
Sophia treibt ihre Stute näher an die zerstörte Brücke heran, Neela wirkt ein wenig ängstlich, die Brücke kommt auch Neela etwas seltsam vor. Sophia blickt auf den Weg, der von der Brücke hinüber zur Straße führt an der die beiden vorhin außen um den Wald herum entlang geritten sind. „Herr von Senftenberg wird fluchen, wenn er das sieht. Die Brücke hat er doch erst voriges Jahr erneuern lassen, wenn ich mich richtig erinnere.“ murmelt Sophia. Lisa zuckt mit den Achseln. „Keine Ahnung, wann da zuletzt was gemacht wurde, ich habe davon nichts mitbekommen.“ erwidert sie.
Sophia streift sich die Haare, die ihr der sanfte Wind ins Gesicht bläst, zur Seite und lässt ihren Blick von der kaputten Brücke über den Weg hinüber zu Straße schweifen und wieder retour über den Weg zur Brücke.
„Wenn du mich fragst“, erklärt Sophia, „dann ist da tatsächlich jemand mit einem Auto über die Holzbrücke drüber.“ Sie sieht Lisa an. „Aber wer ist so dumm über so eine Brücke, die man schon mit dem Pferd nur einzeln betreten darf, mit einem Auto das womöglich 2 oder 3 mal so viel wiegt wie ein Pferd, drüber zu fahren?“
Wieder zuckt Lisa ratlos mit den Schultern, lässt ihren Blick auch über den Weg streifen und zeigt auf den Anfang des Weges kurz nach der Brücke. „Da sind jedenfalls Reifenspuren, da muss jemand ordentlich Gas gegeben haben.“ Die beiden blicken etwas ratlos auf die Reifenspuren, die sich hier in den Schotterweg gegraben haben. „Ich weiß.“ erwidert Sophia. So etwas muss eine angehende Polizistin erkennen. „Ich tippe, dass die Brücke beim Überfahren gebrochen ist und der Fahrer dann Gas geben musste um mit dem Vorderradantrieb noch wegzukommen und nicht mit der Brücke runter zu kippen.“
Lisa blickt auf den Graben, der etwa einen Meter tief ist. Unten plätschert ein kleiner Bach entlang, das Wasser steht ein wenig höher als sonst, das hat mit dem Regen der vergangenen Tage zu tun. Aber es ist trotzdem ein harmloser Bach, der die beiden nun vom Rückweg zum Reiterhof abschneidet.
„Wollen wir durch den Graben?“ Lisa blickt hinüber zu Sophia. Die blickt auf den Bach hinunter und begutachtet den Graben. Der Abgang zum Bach ist nicht sehr steil, das könnte mit den Pferden durchaus funktionieren, überlegt sie. „Ja, ich glaube, das sollte gehen.“
Lisa reitet mit Cosmo auf den Graben zu. Cosmo blickt neugierig hinunter zum Bach, macht einen Schritt zurück, noch einen Schritt zurück. Lisa treibt ihr Pferd wieder ein wenig nach vorne, aber kaum am Graben angekommen, lässt sie die Schenkel locker. Cosmo sieht wieder hinunter in den Bach, dann streckt der Schimmel-Wallach den Kopf zur Seite und blickt zur Brücke. „Ja“, spricht Lisa mit ruhiger Stimme zu Cosmo, „Normalerweise gehen wir da über die Brücke. Ich weiß, aber es ist kein Problem. Wir kommen auch durch den Graben durch.“ Cosmo scheut wieder zurück und macht wieder zwei, drei Schritte retour vom Graben weg. Lisa drückt erneut die Schenkel zusammen um ihn ein wenig voran zu treiben. Cosmo weicht aus, nach links, nach rechts, dann wieder nach links. Sophia, die die Szene beobachtet hat, mischt sich ein. „Soll ich voraus reiten? Wenn ich mal durch den Graben durch bin, dann traut sich Cosmo vielleicht eher.“ schlägt sie vor. Lisa nickt. „Ja, gut! Geht ihr zwei mal voraus, wenn Cosmo sieht, dass Neela da durch gehen kann, gewinnt er auch an Sicherheit.“ erwidert Lisa.
Sophia treibt ihre Warmblut-Stute mit den Schenklen ein wenig zum Graben hin. Auch Neela macht zunächst einen neugierigen Blick in den Graben hinunter, der Abgang ist nicht sehr steil, aber eben doch nicht ganz harmlos, das spürt auch Neela. Und zusätzlich hat die Stute natürlich auch wahrgenommen, dass Cosmo vor dem Graben scheute. Sophia treibt noch ein wenig an, Neela macht den ersten Schritt bergab. Sofort lässt Sophia das Antreiben weg und versucht locker und nicht zu tief im Sattel zu sitzen. Neela macht einen weiteren Schritt nach unten, Sophia hat – wie das in dieser Situation immer geraten wird – die Zügel ganz locker gelassen, Neela kann den Kopf bewegen und auch ihre Neugier befriedigen und am Boden schnuppern. Nun zieht Neela den Kopf noch einmal hoch, Sophia blickt auf die andere Seite vom Graben und versucht die Schenkel locker angeschmiegt aber nicht antreibend zu belassen.
Neela macht vier weitere Schritte, der Untergrund ist nicht rutschig. Schließlich steht Neela mit allen vier Hufen im Bach. „Brav, sehr gut“ wird sie von Sophia gelobt, die ihr aus dem Sattel von hinten mit der linken Hand rechts über den Hals streichelt. „Sehr gut gemacht, Neela. Und jetzt gehen wir auf der anderen Seite nach oben.“ spricht sie mit ruhiger, fast bedächtiger Stimme, zu ihrem Pferd.
Lisa und Cosmo stehen noch vor dem Graben, Cosmo beobachtet Neela genau. Der Schimmel-Wallach scheint sich der Situation sicher sein zu wollen und genau zu beobachten, was seine Stallgefährtin Neela hier tut.
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Ein Reiterhof-Krimi von Elvira G.
Elvira G. möchte herausfinden, ob ihre Geschichte aus deiner Sicht eine gute Geschichte ist. Wir veröffentlichen hier ihre Geschichte, sie möchte es noch nicht mit ihrem vollständigen Namen veröffentlichen. Sie (und wir) freuen uns über Feedback zu dieser Geschichte von dir.
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