Schritt: Das unaufgeregte Fundament der Pferdebewegung
Unter den Gangarten des Pferdes wird der Schritt im Alltag oft unterschätzt. Weil er die langsamste und unaufgeregteste Fortgebungsart ist, gilt er fälschlicherweise manchmal als bloße „Pause“ zwischen Trab und Galopp. In Wahrheit ist der Schritt jedoch die wichtigste Gangart für die mentale Entspannung des Pferdes, den behutsamen Muskelaufbau und die präzise Überprüfung der reiterlichen Hilfen.
Biomechanik des Schritts: Die vier Phasen des Hufschlags
Der Schritt ist als Gleichmaß-Viertakt definiert. Das bedeutet, dass jeder der vier Hufe einzeln nacheinander abfußt und zu hören ist. Im Gegensatz zu Trab und Galopp gibt es im Schritt keine Schwebephase – das Pferd hat immer abwechselnd zwei oder drei Hufe gleichzeitig am Boden. Dadurch ist die Bewegung für den Reiterrücken extrem schonend und weich auszusitzen.
Die exakte Fußfolge (Phasenabfolge) läuft in einer kontinuierlichen Kette ab:
- Phase 1: Das Hinterbein links fußt ab und landet auf dem Boden.
- Phase 2: Das Vorderbein links hebt ab und landet auf dem Boden.
- Phase 3: Das Hinterbein rechts fußt ab und landet auf dem Boden.
- Phase 4: Das Vorderbein rechts hebt ab und landet auf dem Boden.
Man hört im Schritt ein gleichmäßiges, rhythmisches 1 – 2 – 3 – 4. Geht dieser Takt verloren – fußen also beispielsweise Vorder- und Hinterbein derselben Seite fast gleichzeitig ab – spricht man von einem fehlerhaften „Pass“ oder „Passgang“.
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R. Vidmar (echonet)Geschwindigkeit beim Reiten im Schritt
Pferde bewegen sich im Schritt in einem energiesparenden, aber fleißigen Tempo.
- Die durchschnittliche Geschwindigkeit im Schritt liegt beim Reiten zwischen 4 und 7 km/h.
- Große Pferderassen mit viel Raumgriff (wie Warmblüter) bewegen sich naturgemäß am oberen Ende dieser Skala, während kleinere Ponys etwas langsamer unterwegs sind.
- Im Distanzreiten oder bei langen Ausritten ist ein zügiger, marschierender Schritt die wichtigste Gangart, um weite Strecken ohne vorzeitige Erschöpfung des Pferdes zurückzulegen.
Unterschiedliche Schritt-Varianten beim Reiten
Je nachdem, wie viel Raum das Pferd mit seinen Hufen greift und wie stark es sich konzentriert, unterscheidet die Reitlehre vier Varianten:
- Mittelschritt: Das normale Reittempo. Das Pferd geht gelassen, aber fleißig vorwärts. Die Hinterhufe fußen knapp vor oder genau in die Abdrücke der Vorderhufe.
- Starker Schritt: Das Pferd dehnt seinen Hals nach vorne-unten und greift maximal Raum. Die Schritte werden so lang wie möglich, und die Hinterhufe fußen deutlich über die Abdrücke der Vorderhufe hinaus.
- Versammelter Schritt: Die Schritte werden kürzer, erhabener und fleißiger. Das Pferd nimmt mehr Gewicht mit der Hinterhand auf, der Hals richtet sich auf, und die Hufe treten exakt in- oder kurz hinter die Spur der Vorderhufe.
- Am langen Zügel: Dies ist der Entspannungsschritt vor, nach oder zwischen den Arbeitsphasen. Der Reiter lässt die Zügel ganz lang, das Pferd darf sich komplett strecken und einfach „bummeln“.
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Online-Werbung Reiten & PferdeKorrekte reiterliche Hilfen im Schritt
Weil im Schritt der schwungvolle Vorwärtsdrang fehlt, schleichen sich hier am schnellsten Reiterfehler ein. Richtiges Schrittreiten erfordert ein hohes Maß an passivem Mitschwingen und feinen Impulsen.
Dem Kopfnicken folgen (Zügelhilfe)
Ein Pferd balanceiert sich im Schritt über seinen Hals aus. Das bedeutet, dass der Pferdekopf bei jedem Schritt deutlich nach vorne und hinten nickt.
Die Hilfe: Die Hände des Reiters dürfen niemals starr fixiert sein. Sie müssen dieser Nickbewegung weich aus dem Ellbogengelenk heraus folgen. Hält der Reiter die Hand fest, blockiert er die gesamte Bewegung des Pferdes bis in den Rücken.
Becken mitschwingen lassen (Gewichtshilfe)
Der Reiter sitzt tief auf beiden Gesäßknochen. Die Bewegung des Pferderückens schiebt das Reiterbecken abwechselnd links und rechts nach vorne. Diese Bewegung muss locker in der Hüfte zugelassen werden.
Wechselseitig treiben (Schenkelhilfe)
Ein häufiger Fehler ist das dauerhafte, beidseitige „Bauchquetschen“ mit den Schenkeln. Das stumpft das Pferd ab.
Hilfe: Der Reiter treibt im Schritt wechselseitig und synchron zur Bewegung. Wenn der Pferdebauch auf der linken Seite durch die Bewegung nach außen schwingt, gibt der linke Schenkel einen kurzen Impuls. Schwingt er nach rechts, treibt der rechte Schenkel.
Man treibt also immer genau dann, wenn das jeweilige Hinterbein des Pferdes gerade abfußt und nach vorne schwingt.
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