Perfekter Start und ewige Basis: Reitunterricht an der Longe
Der Weg in den Sattel führt fast immer über die Longe. Eine rund acht Meter lange Leine, die das Pferd mit dem Reitlehrer in der Bahnmitte verbindet. Doch der Longenunterricht ist weit mehr als nur ein „Auffangnetz“ für die ersten Reitstunden von Anfängern. Er ist ein fundamentales Ausbildungswerkzeug, das selbst von Grand-Prix-Reitern ein Leben lang genutzt wird, um an der Perfektion des eigenen Sitzes zu arbeiten.
Keine Sorge daran verschwenden: Der Reitunterricht an der Longe brandmarkt niemanden als Anfängerin oder Anfänger - denn auch fortgeschrittene Reiterinnen und Reiter nutzen den Reitunterricht an der Longe für wichtige Lektionen und Korrekturen. Die Longe selbst ist kein Anfängerinstrument, sondern für alle Erfahrungsklassen gedacht und wird von aufmerksamen Reiterinnen und Reitern daher auch wirklich geschätzt.
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R. Vidmar (echonet)Sinn der Longe: Warum fängt man so an?
Für einen Reitanfänger ist die Koordination hochkomplex: Man muss das Gleichgewicht auf einem sich bewegenden Tier halten, gleichzeitig treiben, lenken und die Hände ruhig halten. Das überfordert das Gehirn verständlicherweise.
Hier setzt der Sinn der Longe an: Die Kontrolle über das Pferd wird komplett an den Reitlehrer abgegeben.
- Sicherheit: Der Anfänger muss sich weder um das Tempo noch um die Richtung des Pferdes kümmern. Das Pferd läuft auf einer Kreisbahn (dem Zirkel) um den Trainer herum.
- Fokus auf den eigenen Körper: Da die Lenkung wegfällt, kann sich der Schüler zu $100\%$ auf seine eigene Balance, seinen Sitz und das Erspüren der Pferdebewegung konzentrieren.
- Vertrauensaufbau: Ängste werden abgebaut, da das Pferd unter konstanter, professioneller Kontrolle von unten steht.
Wie funktioniert Reitunterricht an der Longe?
Die Longe (ein langer Gurt aus Nylon oder Gurtband) wird meist an einem speziellen Halfter, dem Kappzaum, oder direkt am Trensenring des Pferdes befestigt. Der Reitlehrer steht im Zentrum des Zirkels und bildet mit der Longe in der einen Hand und einer langen Longierpeitsche in der anderen Hand ein optisches Dreieck zum Pferd.
Durch feine Impulse an der Longe, den Einsatz der Peitsche als treibende Hilfe und vor allem durch die eigene Körpersprache und Stimme reguliert der Trainer Gangart, Tempo und Richtung des Pferdes.
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Online-Werbung Reiten & PferdeWas müssen Reitlehrerinnen und Reitlehrer beachten?
Der Unterricht an der Longe erfordert vom Trainer höchste Konzentration, da er zwei Lebewesen gleichzeitig im Blick behalten muss:
- Das passende Pferd wählen: Ein Longenpferd muss absolut gelassen, stimmsicher und unempfindlich gegenüber unbalancierten Bewegungen auf seinem Rücken sein.
- Häufige Handwechsel: Das permanente Laufen auf einer gebogenen Linie belastet die Gelenke und Sehnen des Pferdes einseitig. Der Trainer muss daher spätestens alle 10 bis 15 Minuten die Richtung wechseln.
- Konstantes Feedback: Der Trainer muss den Schüler korrigieren, bevor sich Fehler verfestigen, ihn aber gleichzeitig ermutigen. Loben ist hier der Schlüssel zum Erfolg.
- Überforderung vermeiden: Da der Reiter an der Longe Muskeln beansprucht, die er im Alltag nie nutzt, sollte eine reine Sitzschulung an der Longe selten länger als 20 bis 30 Minuten dauern.
Lektionen an der Longe für Newbies am Pferd
In den ersten Reitstunden geht es nicht darum, starr im Sattel zu sitzen, sondern beweglich zu werden. Typische spielerische Übungen und Lektionen sind:
- Die „Freihand-Übung“: Die Arme werden seitlich ausgestreckt, kreisen gelassen vorwärts und rückwärts oder tippen abwechselnd an die Fußspitzen. Das schult die Balance im Schritt und Trab, ohne sich am Sattel festzuhalten.
- Der Entlastungssitz im Trab: Der Anfänger lernt, sich leicht nach vorne zu neigen und das Gesäß anzuheben, um die Bewegung des Pferdes in den Knien abzufedern.
- Gurt- und Schweif-Tippen: Der Reiter beugt sich nach vorne, um den Pferdehals oder den Sattelgurt zu berühren, und streckt sich danach nach hinten, um Richtung Schweifrübe zu fassen. Das dehnt die Wirbelsäule und nimmt die Angst vor Höhenunterschieden.
- Reiten mit geschlossenen Augen: Im sicheren Schritt die Augen zu schließen, schärft das fühlende Bewusstsein für die Bewegung des Pferderückens enorm.
Fortgeschrittene Reiterinnen und Reiter an der Longe
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man die Longe irgendwann „hinter sich lässt“. Im Gegenteil: Je weiter ein Reiter fortschreitet, desto wertvoller wird das regelmäßige Longentraining.
- Fehlerkorrektur bei Sitzproblemen: Haben sich im Alltag Fehler eingeschlichen (z. B. ein hochgezogenes Knie, ein Einknicken in der Hüfte oder eine unruhige Hand), lassen sich diese an der Longe isoliert korrigieren.
- Erlernen des Aussitzens: Den schwungvollen Trab eines Pferdes auszusitzen, ohne zu blockieren, erfordert eine extrem lockere Mittelpositur. Das lässt sich ohne Zügel in der Hand am besten trainieren.
- Verfeinerung der Hilfengebung: Fortgeschrittene können an der Longe üben, das Pferd allein durch die Veränderung der eigenen Körperspannung oder minimale Gewichtsverlagerungen langsamer oder schneller werden zu lassen.
- Trockenübung für schwierige Lektionen: Der Übergang zum Galopp oder das Vorbereiten von fliegenden Wechseln kann an der Longe gymnastisch perfektioniert werden.
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