Insektenspray fürs Pferd: Wirkung & Hautschutz



Chemie vs. Natur beim Insektenschutz

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Wie lange halten Fliegensprays wirklich und welche Inhaltsstoffe verträgt die sensible Pferdehaut am besten? Das sind Fragen, die sich unendlich viele Pferdehalterinnen und Pferdehalter. Vor allem herrscht bei vielen ein Gefühl einer Frustration vor, weil die Erfahrung gemacht wird, dass diese Produkte zwar möglicherweise gut sind aber sehr schnell ihre Wirkung verlieren. Was es aktuell nicht gibt: Einen herumtragbaren "Reinraum", also eine abgeschlossene Box, die mit dem Pferd automatisch mitkommt und so das Pferd und die Reiterin absolut vor Insekten schützt. Alle anderen "Lösungen" sind natürlich keine "Lösungen" sondern eher "Verbesserungen". Und hier muss man sich auch die Frage stellen, wenn man denkt, das Spray sei wirkungslos geworden: Wie wäre es denn, wenn ich es nicht verwendet hätte?

Gewidmet allen Pferdefans und Reitsport-Enthusiasten, wir stellen Informationen über Reiten, Reitsport, Ausrüstung und Reitmethoden zusammen, über die du hier mehr lernen kannst - und wir liefern auch Unterhaltung rund um Pferde-Themen.

Fliegensprays und Insektenmittel fürs Pferd

Wenn die Weidesaison ihren Höhepunkt erreicht, fliegen sie wieder Angriffe im Minutentakt: Bremsen, Mücken, Gnitzen und Zecken. Neben mechanischem Schutz wie Decken und Masken greifen fast alle Pferdebesitzer zu flüssigen Abwehrmitteln. Fliegensprays, Gele und Lotionen zum Auftragen versprechen schnelle Linderung. Was steckt hinter den flüssigen "Schutzschildern", die hier angepriesen werden? Welche Wirkstoffe sind hier enthalten? Wo liegen die pflanzlichen Alternativen bzw. was ist eigentlich daran der "chemische" Anteil?

Mythos oder (zumindest gefühlte) Wahrheit: Werden die Insekten gegen die Sprays immun? Jeder Reiter und jede Reiterin können das in irgendeiner Form bestätigen. Allerdings ist es wissenschaftlich wohl nur schwer zu untermauern. Eine Resistenz in genetischer Form können Insekten innerhalb von einem Sommer nicht entwickeln, eine solche genetische Anpassung ist - wie bei allen Lebewesen - nur über viele Generationen möglich. Aber was steckt tatsächlich dahinter?

Doch wie wirken die flüssigen Schutzschilde eigentlich, welche Chemie oder Natur steckt dahinter, und warum hat man oft das Gefühl, dass das teure Spray nach zwei Wochen plötzlich gar nichts mehr bringt? Ein tiefer Blick auf Wirkstoffe, Haut und die Taktiken der Insekten.

Wirkstoffe in Insektensprays - Die häufigsten Lösungen

Flüssiger Insektenschutz basiert in der Regel auf sogenannten Repellents. Das sind Stoffe, die Insekten nicht zwangsläufig töten, sondern deren Geruchsorgane so irritieren oder abstoßen, dass sie das Pferd meiden. Man unterscheidet zwischen synthetischen und pflanzlichen Wirkstoffen:

Icaridin bei Premium-Sprays - auch als »Picaridin« bekannt

DEET (Diethyltoluamid)

IR3535 (Ethylbutylacetylaminopropionat)

Permethrin / Pyrethroide (Insektizide)

Pflanzliche Öle & Extrakte (Citriodiol, Teebaumöl, Neemöl, Knoblauch)

Hautverträglichkeit: Was verträgt die Pferdehaut?

Die Haut des Pferdes ist zwar dick, unter dem Fell aber überraschend sensibel – oft sensibler als die menschliche Haut.

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Wirkungsdauer: Wie lange hält der Schutz?

Die Hersteller werben gerne mit "Schutz bis zu 24 Stunden". In der Realität des Stallalltags sieht das meist ganz anders aus. Das ist in den meisten Fällen aber nur unter Laborbedingungen möglich, ähnlich wie beworbene Produkte auch im menschlichen Umfeld von der Hautcreme, über das Deodorant (für Personen, denen es wichtig ist auch 72 Stunden ohne Dusche auszukommen) bis hin zu Nahrungsmitteln / Nahrungsergänzungsmitteln.

Phänomen Wirkungslosigkeit der Insektensprays

Viele Reiter kennen diese Frustration: Man kauft ein neues Fliegenspray, in der ersten Woche herrscht absolute Ruhe – doch nach zwei Wochen scheinen die Bremsen das Spray förmlich auszulachen. Haben sich die Insekten darauf eingestellt?

Anpassung der Insekten - ein Mythos

Dass sich Insekten innerhalb weniger Wochen genetisch an ein Repellent anpassen (Resistenzbildung), ist bei rein abwehrenden Düften im Laufe eines Sommers unmöglich. Eine echte Resistenz entwickeln Insekten nur über Generationen hinweg gegen tödliche Gifte (Insektizide). Warum lässt die Wirkung also scheinbar nach?

  1. Der Bremsen-Druck steigt: Im Laufe des Sommers (besonders an schwülen Tagen vor Gewittern) steigt die Anzahl und die Aggressivität der Bremsen exponentiell. Die weibliche Bremse braucht das Blut für ihre Eiablage. Ist der biologische Trieb und der Hunger groß genug, überwinden die Insekten den unangenehmen Geruch des Sprays und stechen trotzdem zu. Das Spray ist nicht schlechter geworden – der Gegner ist einfach verzweifelter.
  2. Gewöhnung der Pferde-Sensorik: Das Pferd schwitzt an unterschiedlichen Tagen anders (abhängig von Futter, Temperatur, Grasqualität). Ändert sich die Schweißzusammensetzung, kann das Spray den Eigengeruch nicht mehr perfekt maskieren.
  3. Die menschliche Wahrnehmung: Wenn ein Spray 90 % der Fliegen abhält, fallen uns die verbleibenden 10 %, die dennoch nerven, extrem auf. Wir nehmen das "Versagen" des Mittels subjektiv stärker wahr als den eigentlichen Schutz.

Tipps für die maximale Wirkung im Alltag

  1. Sprühen auf trockenem Fell: Trage das Spray immer auf das komplett trockene Pferd auf. Auf feuchtem Fell (z.B. nach dem Abspritzen) kann sich der Wirkstofffilm nicht richtig mit den Haaren verbinden und perlt sofort ab.
  2. Wirkstoff-Wechsel (Rotation): Da Insekten auf unterschiedliche Duftreize reagieren (Bremsen reagieren stark auf visuelle Reize und Wärme, Mücken auf CO2), macht es Sinn, zwei verschiedene Sprays mit unterschiedlichen Basis-Wirkstoffen (z. B. eins mit Icaridin und eins auf Basis von Citriodiol) abwechselnd zu nutzen. Das erhöht die Erfolgschancen im Laufe des Sommers.
  3. Die "Schwamm-Methode" am Kopf: Statt das Pferd panisch mit der Sprühflasche im Gesicht zu traktieren, sprühe eine großzügige Menge auf einen weichen Schwamm und fahre damit um die Augen (mit Sicherheitsabstand) und um die Nüstern herum. Das spart Wirkstoff und schont die Pferdenerven.

Einige der Wirkstoffe stellen wir auch gesondert auf unseren Seiten vor, damit ihr einen besseren Einblick über die Hintergründe, Entwicklung und Entstehung und auch über die Wirkung für eure Pferde bekommen könnt.

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