Icaridin als Insektenschutz für Pferde



Hochwirksamer Spray aus dem Labor

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Manche Premium-Insektensprays, die im Reitstall für den Fliegen- und Mückenschutz bei Pferden genutzt werden, haben den Wirkstoff "Icaridin" in der Flasche. Bekannt ist dieser Wirkstoff auch unter der Bezeichnung Picaridin. Was hat es mit dem vom deutschen Chemie-Riesen Bayer entwickelten Wirkstoff auf sich? Wie ist die chemische Zusammensetzung und welche Wirksamkeit kann man davon erwarten? Diese Fragen versuchen wir hier für Reiterinnen und Reiter und alle, die mit Pferden zu tun haben, zu beantworten.

Gewidmet allen Pferdefans und Reitsport-Enthusiasten, wir stellen Informationen über Reiten, Reitsport, Ausrüstung und Reitmethoden zusammen, über die du hier mehr lernen kannst - und wir liefern auch Unterhaltung rund um Pferde-Themen.

Wirkstoff-Guide Icaridin: Der moderne Schutzschild gegen Bremsen und Mücken

Wer im Sommer ungestört reiten oder sein Pferd entspannt auf der Koppel wissen will, kommt an modernen Insektensprays kaum vorbei. Neben dem altbekannten Klassiker DEET hat sich ein Wirkstoff klammheimlich zum Goldstandard im Reitsport entwickelt: Icaridin. Er gilt als hocheffektiv, verklebt das Fell nicht und schont die Ausrüstung.

Doch was steckt chemisch hinter diesem Stoff, wie funktioniert die Abwehr biologisch und welche Kehrseiten hat der vermeintliche Wunder-Wirkstoff? Ein tiefer Blick in das Labor des Insektenschutzes.

Was ist Icaridin und woraus wird es gewonnen?

Icaridin (auch unter dem Namen Picaridin bekannt) ist ein rein synthetischer, also künstlich im Labor hergestellter Wirkstoff. Er wurde in den 1990er Jahren vom deutschen Chemiekonzern Bayer entwickelt mit dem klaren Ziel, eine hautfreundlichere und geruchsneutralere Alternative zu DEET zu schaffen.

Der Ursprung von Icaridin

Die chemische Struktur von Icaridin ist von einem natürlichen Vorbild inspiriert – dem pflanzlichen Stoff Piperin, der für die Schärfe im schwarzen Pfeffer verantwortlich ist. Obwohl der Ursprung im Pfeffer liegt, wird Icaridin heute vollständig synthetisch im Labor produziert und enthält keine pflanzlichen Reste mehr.

Chemische Zusammensetzung von Icaridin

Für die Chemie-Interessierten: Der IUPAC-Name von Icaridin lautet 2-(2-Hydroxyethyl)piperidin-1-carbonsäure-sec-butylester.

Die Summenformel wird als C12H23NO3 dargestellt.

Das Molekül gehört zur Stoffgruppe der Piperidine (daher die strukturelle Verwandtschaft zum Pfeffer-Piperin). Es handelt sich um eine klare, fast geruchlose Flüssigkeit, die sich hervorragend in Alkohol und Ölen lösen lässt, weshalb sie die perfekte Basis für Sprays und Lotionen bildet.

Wie wirkt Icaridin bei Mücken und Bremsen?

Icaridin gehört zur Gruppe der Repellents (Abwehrmittel). Es tötet die Insekten nicht ab, sondern greift in deren Orientierungssystem ein.

Insekten wie Stechmücken, Gnitzen und vor allem Bremsen orientieren sich primär über ihren Geruchs- und Wärmesinn. Sie fliegen auf die Lockstoffe an, die das Pferd (und der Mensch) permanent ausscheiden: Milchsäure, Buttersäure im Schweiß und das ausgeatmete Kohlendioxid (CO2).

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Anwendung: Wie trägt man Icaridin richtig auf?

Damit Icaridin seine volle Wirkung entfalten kann, ist die lückenlose Anwendung entscheidend:

  1. Flächendeckend aufsprühen: Da der Wirkstoff nur dort schützt, wo er aufgetragen wurde, muss das Fell gleichmäßig eingesprüht werden. Unbehandelte Stellen (oft der Bauch oder die Innenseite der Beine) werden von den Insekten sofort als "Sicherheitslücke" erkannt.
  2. Die Schwamm-Methode für sensible Zonen: Am Kopf, rund um die Augen und Nüstern sowie im Genitalbereich sollte das Spray niemals direkt aufgesprüht werden. Sprühe das Mittel auf einen Schwamm oder ein Tuch und reibe die Stellen sanft ein.
  3. Wiederholung nach Schweißausbrüchen: Icaridin hält im Ruhemodus (z. B. Koppel) oft bis zu 8 Stunden gegen Mücken und ca. 4 - 5 Stunden gegen aggressive Bremsen. Arbeitet und schwitzt das Pferd beim Reiten, wird der Film mechanisch weggewaschen. Nach intensivem Training muss daher nachdosiert werden.

Welche Probleme und Nachteile gibt es mit Icaridin?

Trotz seiner hervorragenden Eigenschaften ist Icaridin kein unfehlbares Wundermittel. Folgende Probleme können auftreten:

Kurzer Exkurs zum Vergleich mit DEET

Ein riesiges Plus von Icaridin gegenüber DEET im Reitsport bleibt seine Materialverträglichkeit. Während DEET Kunststoffe und Lacke angreift (und so teure Ledersättel, Reitbursen oder Kunststoffschnallen auflösen kann), verhält sich Icaridin absolut neutral gegenüber Ausrüstung und Textilien.

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