Westernsattel: Robustes Handwerkszeug mit Couch-Komfort
Wer an das Westernreiten denkt, hat sofort das Bild von unendlicher Weite, staubigen Ranches und wendigen Pferden vor Augen. Untrennbar mit dieser Reitweise verbunden ist das wohl markanteste Ausrüstungsstück: der Westernsattel. Ursprünglich wurde er nicht als Sportgerät für die Arena, sondern als unermüdliches Arbeitswerkzeug für Cowboys entwickelt, die oft zehn bis zwölf Stunden am Stück im Sattel verbringen mussten.
Heute ist der Westernsattel im Freizeitsport ebenso zu Hause wie in hochkarätigen Turnierdisziplinen. Doch was macht ihn so besonders, welche spezialisierten Varianten gibt es und wie schlägt er sich im direkten Vergleich zum klassischen englischen Vielseitigkeitssattel?
Wichtigste Kennzeichen eines Westernsattels
Ein Westernsattel unterscheidet sich fundamental von den Sätteln der englischen Reitweise. Er ist deutlich größer, schwerer (oft zwischen 10 und 15 kg) und besitzt eine völlig andere Anatomie:
- Das Sattelhorn (Horn): Das optische Markenzeichen an der Vorderzwiesel. Ursprünglich diente es dem Cowboy dazu, das Lasso nach dem Fang eines Rindes daran festzuhalten (zu „dallyn“).
- Breite Auflagefläche (Bars): Das Skelett des Westernsattels (der Sattelbaum) liegt über zwei breite Holz- oder Kunststoffstege (die Bars) auf dem Pferderücken auf. Da der Sattel keine weichen Polsterkissen hat, verteilen diese breiten Stege das Gewicht extrem großflächig.
- Die Fendering (Fender & Steigbügel): Statt dünner Steigbügelriemen hat der Westernsattel breite Lederlaschen (Fender), die das Reiterbein vor dem Schweiß des Pferdes schützen. Die Steigbügel selbst sind breit und massiv, oft aus Holz oder Aluminium.
- Cinch (Der Sattelgurt): Der Westernsattel wird nicht über klassische Schnallen, sondern über ein spezielles Gurtsystem mit einem breiten Bauchgurt (Cinch) fixiert. Traditionell wird dieser mit dem sogenannten Tie-Strap und dem Off-Billet verknotet.
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Bailey Alexander / Unsplash QuelleVerschiedene Arten: Varianten beim Westernsattel
Je nach Disziplin im modernen Westernsportsport haben sich stark spezialisierte Sattelformen entwickelt:
Reining-Sattel - Westernsattel zum Reining
Die Formel 1 des Westernsattels. Da Reining eine sehr dynamische Disziplin mit schnellen Spins (Drehungen) und Sliding Stops (Vollbremsungen aus dem Galopp) ist, muss der Sattel den Reiter optimal unterstützen.
- Merkmale: Ein flacher Sitz und ein tiefer Schwerpunkt. Das Horn ist meist recht niedrig, damit sich die Zügelhände des Reiters bei schnellen Manövern nicht darin verfangen.
Festhalten am Horn beim Cutting-Sattel
Beim Cutting muss das Pferd eigenständig ein Rind von der Herde trennen und dessen Rückweg blockieren. Das Pferd bewegt sich dabei extrem tief, blitzschnell und katzenartig.
- Merkmale: Der Sattel hat einen sehr flachen, weiten Sitz und ein langes, dünnes Horn. Der Reiter hält sich während der rasanten Bewegungen des Pferdes oft mit einer Hand am Horn fest, um nicht den Halt zu verlieren.
Pleasure- und Show-Sattel - Glanz und Glamour
Hier steht die Optik im Vordergrund der Turnierpräsentation.
- Merkmale: Technisch basiert er oft auf dem Allround- oder Reining-Sattel, ist jedoch über und über mit aufwendigen Silberbeschlägen (Silver Equipment) verziert und aus edelstem, punziertem Leder gefertigt. Er besitzt meist einen tieferen Sitz, um den Reiter ruhig und elegant wirken zu lassen.
Ab in die Ferne? Der Trail- und Wanderreitsattel im Western-Stil
Der direkte Nachfahre des ursprünglichen Arbeitssattels – gebaut für maximalen Komfort auf langen Strecken.
- Merkmale: Ein weich gepolsterter Sitz, ein stabiles Horn und zahlreiche Lederbändchen (Strings), an denen Packtaschen, Regenmäntel oder Feldflaschen für den Ritt im Gelände befestigt werden können.
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Online-Werbung Reiten & PferdeWesternsattel vs. Vielseitigkeitssattel: Vor- und Nachteile
Der englische Vielseitigkeitssattel (VS) ist der geborene Allrounder: leicht, kompakt und ein Kompromiss aus Dressur und Springen. Stellt man den Westernsattel daneben, ergeben sich klare Vor- und Nachteile für beide Systeme.
Vorteile des Westernsattels gegenüber dem Vielseitigkeits-Sattel
- Überragende Gewichtsverteilung: Durch die enorm große Auflagefläche der Bars wird das Reitergewicht auf dem Pferderücken optimal verteilt. Punktuelle Druckspitzen, wie sie bei schlecht gepolsterten englischen Sätteln vorkommen, sind bei einem passenden Westernsattel seltener.
- Unschlagbarer Sitzkomfort: Für den Reiter bietet der Westernsattel durch seine breite Sitzfläche und die bequeme Passform einen extremen „Couch-Effekt“. Lange Ausritte über Stunden sind deutlich ermüdungsfreier.
- Sicherheit und Halt: Der tiefe Sitz und das Horn bieten enormen Halt im Sattel, wenn das Pferd im Gelände einmal scheut, stolpert oder einen unvorhersehbaren Haken schlägt.
- Langlebigkeit: Ein hochwertiger Westernsattel aus dickem Leder und solidem Sattelbaum hält bei guter Pflege oft ein Leben lang – er ist nahezu unverwüstlich.
Nachteile des Westernsattels gegenüber demVielseitigkeits-Sattel
- Das enorme Eigengewicht: Mit bis zu 15 kg ist das Auflegen des Sattels für zierliche Personen oder Jugendliche ein echter Kraftakt. Auch das Pferd muss dieses zusätzliche Grundgewicht permanent tragen.
- Schwierige Anpassbarkeit: Während ein Vielseitigkeitssattel vom Sattler durch das Austauschen des Kopfeisens oder das Verändern der Wollpolsterung schnell an ein sich veränderndes Pferd angepasst werden kann, ist ein Westernsattel starr. Passt der Baum nicht mehr (z. B. weil das Pferd Muskeln abbaut), muss meist ein komplett neuer Sattel gekauft werden.
- Eingeschränkte Hilfengebung: Durch das dicke Leder der Fender und die große Bauweise ist der Kontakt zwischen Reiterbein und Pferdeflanke weniger direkt als beim VS-Sattel. Feine, subtile Hilfen erfordern im Westernsattel mehr Übung.
- Unflexibel bei Disziplinen: Mit einem Vielseitigkeitssattel kann man problemlos kleine Sprünge absolvieren. Mit einem Westernsattel ist das Springen aufgrund des Horns lebensgefährlich (Verletzungsgefahr für den Oberkörper des Reiters) und aufgrund der starren Bauart für das Pferd ungesund.
Kurzfassung - der Westernsattel in wenigen Worten
Der Westernsattel ist der unangefochtene König des Langstrecken- und Freizeitkomforts. Er schützt den Pferderücken durch seine enorme Auflagefläche und bettet den Reiter sicher ein. Wer jedoch maximale Flexibilität sucht, auch mal einen kleinen Sprung wagen möchte oder ein Pferd besitzt, das sich im Körperbau häufig verändert, ist mit dem klassischen Vielseitigkeitssattel oft flexibler aufgestellt.
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