Das Einmalseins der Pferdeausstattung
Wer sich mit dem Reitsport beschäftigt, merkt schnell: Das Pferd trägt beim Reiten fast so viel Ausstattung wie ein Astronaut beim Weltraumflug. Jedes Teil – im Fachjargon oft gesammelt als "Tack" bezeichnet – erfüllt einen ganz präzisen Zweck. Es geht dabei um weit mehr als nur um Tradition oder Mode. Die richtige Ausstattung schützt die Gesundheit des Tieres und ermöglicht erst die feine, harmonische Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Das ist für deinen ganzen Erfolg beim Reiten natürlich entscheidend, denn Reiten ist eine "Teamsportart" und das Team sind dein Pferd und du. Du bist zwar der Kapitän des Teams, aber wenn dein Team nicht mit dir spielt, ist deine ganze "Macht" irrelevant.
Von der Lenkung über den Sitz bis hin zum Beinschutz: Hier sind die wichtigsten Elemente der Pferdeausstattung im Detail.
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Sergey Makashin / Pexels QuelleZaumzeug bzw. Trense: Dein wichtigstes Kommunikationsmittel zum Pferd
Das Zaumzeug liegt am Kopf des Pferdes und dient primär der Richtungs- und Tempokontrolle. Die klassische Variante ist die Trense. Sie besteht aus einem System aus Lederriemen (Reithalfter, Stirnriemen, Genickstück) und zwei entscheidenden Komponenten:
- Das Gebiss: Ein Mundstück aus Metall (wie Aurigan oder Edelstahl), Kunststoff oder Gummi. Es liegt im Pferdemaul in einer natürlichen Zahnlücke (den sogenannten Laden). Über die Zügel ist die Hand des Reiters direkt mit dem Gebiss verbunden.
- Die Zügel: Die Leder- oder Gurtbänder, die der Reiter in den Händen hält, um Signale an das Pferdemaul zu übertragen.
Wichtig: Ein Gebiss darf niemals Schmerzen verursachen. Es dient im modernen Reitsport als feines Signalwerkzeug, das eine extrem sanfte Reiterhand erfordert. Alternativ gibt es auch gebisslose Zäumungen (z.B. Sidepull oder Hackamore), die Druck auf den Nasenrücken statt auf das Maul ausüben.
Sattel: Deine Brücke zum Pferderücken
Der Sattel ist das Bindeglied zwischen Reiter und Pferd. Seine wichtigste Aufgabe ist es, das Gewicht des Reiters gleichmäßig auf der tragfähigen Muskulatur links und rechts der Wirbelsäule zu verteilen. Die Wirbelsäule selbst und der empfindliche Widerrist müssen komplett frei von Druck bleiben.
Je nach Disziplin unterscheidet sich die Bauart massiv:
- Dressursattel: Hat eine tiefe Sitzfläche und lange, gerade Sattelblätter, um dem Reiter ein langes, gestrecktes Bein zu ermöglichen.
- Springsattel: Ist flacher und hat nach vorne geschnittene Sattelblätter mit dicken Polstern (Pauschen), die dem Reiter in den kurzen Steigbügeln über dem Sprung Halt geben.
- Westernsattel: Groß, schwer und mit einem markanten Horn an der Vorderzwiesel (ursprünglich zum Festmachen des Lassos). Er verteilt das Gewicht über eine besonders große Fläche, ideal für langes Reiten.
Zum Sattel gehört unverzichtbares Zubehör: Der Sattelgurt fixiert den Sattel am Pferdebauch, die Steigbügel geben den Füßen Halt und die Schabracke (Sattelunterlage) schützt das Leder vor Pferdeschweiß.
Wichtig zu beachten: Pferde verändern sich durch Muskelaufbau, Training oder Alter im Körperbau. Ein Sattel muss daher regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) von einem professionellen Sattler kontrolliert und angepasst werden.
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Online-Werbung Reiten & PferdeHalfter und Strick: Alltag und Bodenarbeit
Das Halfter darf nicht mit dem Zaumzeug verwechselt werden. Es wird nicht zum Reiten verwendet, sondern im täglichen Umgang am Boden – zum Führen, Anbinden beim Putzen oder auf der Weide.
Es besteht meist aus robustem Nylon oder weichem Leder und besitzt im Gegensatz zur Trense kein Gebiss. In die Ringe des Halfters wird der Strick (Führstrick) eingeklinkt. Wenn ein Pferd beim Putzen oder Beschlagen fixiert werden muss, wird es stets am Halfter und niemals an der Trense angebunden, um Verletzungen im empfindlichen Maul zu verhindern.
Gamaschen und Hufglocken: Schutz für empfindliche Beine
An den Unterschenkeln des Pferdes liegen die Sehnen und Knochen direkt unter der Haut – es gibt dort kein schützendes Muskelgewebe. Deshalb ist ein mechanischer Schutz beim Sport unerlässlich.
- Gamaschen: Diese Hartschalen- oder Neoprenprotektoren werden um die Vorder- und Hinterbeine gelegt. Sie schützen das Pferd davor, sich selbst zu verletzen – etwa, wenn es sich im Galopp oder beim Springen mit den harten Hufen gegen die eigenen Beine schlägt.
- Hufglocken: Diese glockenförmigen Kappen aus Gummi oder Neopren werden über die Vorderhufe gestülpt. Sie schützen den empfindlichen Ballen an der Rückseite des Hufs und verhindern, dass das Pferd mit den Hinterhufen auf die Eisen der Vorderhufe tritt und diese abreißt.
Hufeisen: Das Schuhwerk des Pferdes
Nicht jedes Pferd benötigt Hufeisen; viele Freizeitpferde laufen „barhuf“. Doch im Reitsport, bei intensiver Nutzung auf harten Böden oder bei bestimmten Fehlstellungen ist ein Hufschutz unumgänglich.
Der klassische Eisenbeschlag wird vom staatlich geprüften Hufschmied etwa alle sechs bis acht Wochen erneuert. Dabei wird das Horn des Hufs wie ein Fingernagel gekürzt bzw. mit einer überdimensionalen "Nagelfeile" abgeschliffen und das glühende oder kalte Eisen passgenau aufgenagelt.
- Funktion: Das Eisen schützt den Huf vor zu starkem Abrieb auf Asphalt oder Sand. Im Turniersport (insbesondere beim Springen oder im Gelände) können zudem Stollen in die Eisen gedreht werden – ähnlich wie die Stollen bei Fußballschuhen –, um dem Pferd Grip auf rutschigem Rasen zu geben.
- Moderne Alternativen: Neben dem klassischen Eisen gibt es heute immer häufiger Hufschutz aus Aluminium, leichten Kunststoffen zum Kleben oder temporäre Hufschuhe, die dem Pferd nur für den Ausritt angezogen werden.
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