Die zweite Haut am Zügel: Gute Reithandschuhe sind unverzichtbar!
Wer schon einmal nach einer intensiven Reitstunde mit schmerzhaften Blasen an den Fingern vom Pferd gestiegen ist, weiß: Reithandschuhe sind weit mehr als ein modisches Accessoire oder reiner Kälteschutz für den Winter. Sie sind das direkte Bindeglied zwischen Reiterhand und Pferdemaul.
Gute Handschuhe schützen nicht nur die empfindliche Haut des Reiters, sondern sorgen vor allem für eine konstant feine, ruhige und rutschfeste Zügelführung – selbst wenn das Pferd einmal kräftig zieht oder die Hände im Sommer zu schwitzen beginnen.
Welche Funktion haben Reithandschuhe?
Die Aufgaben eines Reithandschuhs lassen sich in drei Kernbereiche unterteilen:
- Schutz vor Reibung: Der Zügel läuft im klassischen Faustschluss zwischen dem kleinen und dem Ringfinger hindurch und wird über den Daumen fixiert. Genau an diesen Reibungspunkten entsteht ohne Schutz schnell schmerzhafte Blasenbildung oder Hornhaut.
- Grip und Rutschfestigkeit: Moderne Zügel (ob aus Leder, Gurtband oder Gummi) können bei Regen oder durch Pferdeschweiß am Hals extrem rutschig werden. Ein Reithandschuh sorgt durch spezielle Beschichtungen dafür, dass der Zügel nicht unkontrolliert durch die Hand gleitet.
- Feine Kommunikation: Ein guter Handschuh ist so dünn und elastisch, dass er das Feingefühl in den Fingern nicht einschränkt. Nur so können minimale Paraden und das Nachgeben der Hand präzise an das Gebiss im Pferdemaul übertragen werden.
Material: Von klassisch bis High-Tech
Je nach persönlicher Vorliebe, Jahreszeit und Disziplin kommen beim Reithandschuh verschiedene Materialien zum Einsatz:
Echtes Leder (z.B. Nappaleder oder Ziegenleder)
- Eigenschaften: Der langlebige Klassiker. Leder bietet ein unschlagbar natürliches Tragegefühl, atmet gut und passt sich mit der Zeit wie eine zweite Haut an die individuelle Handform an.
- Nachteil: Leder erfordert Pflege, kann bei Nässe steif werden und trocknet nach intensivem Schweißkontakt aus, wenn es nicht ab und zu mit Lederpflege behandelt wird.
Synthetikleder / Polyurethan (z.B. Roeck-Grip)
- Eigenschaften: Das heute mit Abstand beliebteste Material auf dem Markt. Diese extrem dünnen Funktionstextilien sind hochelastisch, absolut rutschfest und extrem griffig.
- Vorteil: Sie sind im Gegensatz zu echtem Leder meist maschinenwaschbar (bei 30 Grad) und behalten auch nach dem Trocknen ihre geschmeidige Form.
Baumwolle / Textilgewebe
- Eigenschaften: Oft die günstigste Variante, häufig mit kleinen Gumminoppen auf der Innenseite versehen (Noppenhandschuhe).
- Vorteil: Sehr luftig im Sommer und leicht zu reinigen.
- Nachteil: Sie bieten deutlich weniger Feingefühl und nutzen sich an den Zügelverstärkungen zwischen den Fingern sehr schnell ab.
Die Verschlüsse: Halt und Flexibilität am Handgelenk
Ein kritischer Punkt bei der Passform ist der Verschluss am Handgelenk. Er sorgt dafür, dass der Handschuh bei Zug auf den Zügel nicht nach vorne von der Hand rutscht. Es gibt drei gängige Systeme:
- Der Klettverschluss: Der absolute Standard bei den meisten Sport- und Turnierhandschuhen. Er bietet den großen Vorteil, dass er stufenlos und millimetergenau an die Breite des Handgelenks angepasst werden kann. Nachteil: Im Laufe der Zeit können sich Klettverschlüsse mit Haaren, Stroh oder Heu zusetzen, wodurch die Haftkraft nachlässt.
- Der Druckknopf: Oft in Kombination mit einem klassischen Lederdesign zu finden. Er wirkt sehr elegant und traditionell. Nachteil: Er bietet keine Flexibilität. Wenn das Handgelenk etwas kräftiger ist, sitzt der Verschluss oft zu stramm, ohne dass man ihn weiter stellen kann.
- Das Gummiband (Elastikbund): Häufig bei leichten Sommerhandschuhen oder einfachen Strickhandschuhen im Einsatz. Man schlupft einfach hinein, ohne etwas schließen zu müssen. Vorteil: Sehr komfortabel und drückt nicht. Nachteil: Leiert mit der Zeit aus und bietet bei starkem Zug weniger festen Halt als ein fixierter Klettverschluss.
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Online-Werbung Reiten & PferdeWorauf muss man beim Reithandschuh-Kauf achten?
Wenn Sie im Reitsportgeschäft Handschuhe anprobieren, sollten Sie folgende Kriterien prüfen:
- Die Zügelverstärkung: Achten Sie darauf, dass der Handschuh an den typischen Reibungspunkten (zwischen dem kleinen und dem Ringfinger sowie am Daumen) über eine doppelte Materialschicht oder eine extra abriebfeste Beschichtung verfügt.
- Die Passform (Größenermittlung): Reithandschuhe werden in französischen Zoll angegeben (gängig sind Größen von 6 bis 11, oft in halben Schritten wie 7,5).
- Der Test: Ballen Sie im Laden die Hand zu einer Zügel-Faust. Der Handschuh darf jetzt an den Fingerkuppen nicht schmerzhaft spannen, aber er darf an den Handinnenflächen auch keine dicken Falten werfen. Wenn Sie die Finger strecken, sollte an den Spitzen maximal 2–3 Millimeter Luft sein.
- Touchscreen-Kompatibilität: Wer im Stall oder bei Schrittpausen im Gelände schnell ein Foto machen oder Nachrichten tippen möchte, sollte darauf achten, dass Daumen und Zeigefinger für Touchscreens geeignet sind – das erspart das ständige Ausziehen.
Richtige Aufbewahrung und Pflege für Reithandschuhe
Damit die Handschuhe lange geschmeidig und griffig bleiben, sollten Sie ein paar einfache Pflegeregeln beachten:
- Niemals feucht in den Schrank: Nach dem Reiten sind Handschuhe durch Schweiß oder Regen oft feucht. Knautschen Sie sie nicht zusammen und stecken Sie sie nicht in die dunkle Putzbox. Lassen Sie sie stattdessen flach ausgebreitet an der Luft trocknen.
- Vorsicht bei Hitze: Legen Sie nasse Handschuhe (besonders solche aus echtem Leder) niemals auf die heiße Heizung oder in die pralle Sonne. Das Material trocknet dadurch extrem schnell aus, wird brüchig und steif wie Pappe.
- Klettverschluss immer schließen: Wenn Sie die Handschuhe lagern oder in die Waschmaschine stecken, schließen Sie den Klettverschluss immer sorgfältig. So verhindern Sie, dass die scharfen Kletthaken andere Textilien (wie Ihre teure Reithose oder das Innenfutter des Handschuhs selbst) beschädigen und Fusseln anziehen.
Zusammenfassung rund um das Thema Reithandschuhe
Ein guter Reithandschuh ist eine lohnende Investition in Ihren Reitkomfort und die Sicherheit. Er schützt Ihre Hände zuverlässig und sorgt dafür, dass Ihre feinen Zügelhilfen genau so sanft beim Pferd ankommen, wie Sie es beabsichtigen. Es geht nicht nur darum, dass die Hände vor der Reibung am Zügel geschützt sind und du keine Brandblasen vom Reiten davonträgst, es geht auch darum, dass du in den Reithandschuhen dein feines Gefühl für den Zügel nicht verlierst.
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