Schutzwesten und Rückenprotektoren im Reitsport
Ganz egal, ob beim rasanten Ritt über die Geländestrecke, beim Überwinden von bunten Stangen im Parcours oder beim Ausritt im Wald: Der Reitsport birgt Risiken. Während der Reithelm für die meisten Reiter mittlerweile zum absoluten Standard gehört, rückt der Schutz des Rumpfes, der Wirbelsäule und der inneren Organe immer mehr in den Fokus.
Heute hat sich auf dem Markt eine Vielfalt an Sicherheitsbekleidung etabliert – von der klassischen, dicken Schutzweste über flexible Rückenprotektoren bis hin zu High-Tech-Airbag-Systemen. Wie funktionieren diese Systeme, welche Materialien kommen zum Einsatz und wie findest du die perfekte Größe für dich?
Herzstück des Breitensports: Der Rückenprotektor
Im Gegensatz zu einer vollumfänglichen Schutzweste, die den gesamten Oberkörper (inklusive Rippen und Schlüsselbein) umschließt, konzentriert sich der Rückenprotektor gezielt auf den Schutz der Wirbelsäule und des Steißbeins.
Welchen Zweck erfüllt der Protektor wirklich beim Reiten?
Bei einem Sturz vom Pferd landet der Reiter häufig auf dem Rücken oder prallt gegen Hindernisse wie Stangen, Steine oder im schlimmsten Fall gegen die Hufe des Pferdes. Der Rückenprotektor erfüllt hierbei zwei lebenswichtige Aufgaben:
- Schlagdämpfung: Er absorbiert die kinetische Energie des Aufpralls und verteilt die punktuelle Wucht auf eine deutlich größere Fläche.
- Verhindern von Überstreckung: Er stabilisiert die Wirbelsäule und mindert das Risiko, dass die Wirbel beim Aufprall gefährlich überdehnt oder gestaucht werden.
Da er vorne meist nur durch elastische Gurte oder einen dünnen Reißverschluss geschlossen wird, bietet er dem Reiter im Sattel deutlich mehr Bewegungsfreiheit und Flexibilität beim Atmen als eine klobige Sicherheitsweste.
Material: Woraus besteht der Protektor?
Moderne Protektoren haben das Zeitalter der starren, unbeugsamen Plastikpanzer längst hinter sich gelassen. Heute dominieren intelligente High-Tech-Materialien:
- Viskoelastischer Soft-Schaum (z. B. SAS-TEC oder D3O): Das faszinierende Merkmal dieses Materials ist seine Anpassungsfähigkeit. Im normalen Zustand ist der Schaumstoff weich, flexibel und biegsam. Er schmiegt sich durch die Körperwärme perfekt an den Rücken an. Im Moment eines abrupten, harten Aufpralls verhärten sich die Moleküle blitzschnell. Der Protektor wird steinhart, schluckt die Energie und wird danach sofort wieder weich.
- Mehrschichtige Schaumstoff-Segmente: Hier werden mehrere dünne Lagen aus stoßabsorbierendem Nitrilgummi oder EVA-Schaum übereinandergelegt. Sie gleiten bei Bewegung leicht übereinander, was dem Reiter maximale Agilität im Sattel erlaubt.
High-Tech im Parcours: Die Airbag-Westen
Ein riesiger Trend der letzten Jahre sind die sogenannten Airbag-Westen. Sie stammen ursprünglich aus dem Motorradrennsport und erfreuen sich vor allem im Spring- und Vielseitigkeitsreiten enormer Beliebtheit. Weil die Airbag-Westen beim Reiten so beliebt sind, haben wir dazu noch eine gesonderte Seite gemacht - lies mehr über die Airbag-Schutzwesten beim Reiten hier.
Weg zur passenden Größe: Wie misst du richtig?
Ein Protektor oder eine Schutzweste kann dich nur dann vor schweren Verletzungen schützen, wenn die Passform millimetergenau stimmt. Ein falsch sitzender Protektor ist im Ernstfall wirkungslos oder schränkt dich so stark ein, dass du nicht mehr ausbalanciert reiten kannst.
Um im Fachgeschäft deine Größe zu ermitteln, solltest du vorab mit einem flexiblen Maßband folgende Maße nehmen (am besten über einem dünnen T-Shirt):
- Der Brustumfang: Einmal horizontal um die breiteste Stelle der Brust messen.
- Der Taillenumfang: Gemessen wird an der schmalsten Stelle des Rumpfes, kurz oberhalb des Bauchnabels.
- Die Torsolänge (Rückenlänge): Das ist das wichtigste Maß für den Rückenprotektor. Gemessen wird auf der Rückseite vom leicht vorstehenden Halswirbel (C7, am Übergang vom Nacken zum Rücken) gerade hinunter bis zum Steißbein.
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Online-Werbung Reiten & PferdeCheckliste für die Anprobe der Reit-Schutzweste
- Der Kniekehlen- und Satteltest: Setze dich im Laden unbedingt auf einen Sattel oder einen Holzbock und nimm die Reitposition ein. Der Protektor darf oben nicht an den Helm stoßen (wenn du den Kopf in den Nacken nimmst) und darf unten niemals auf dem Sattelkranz aufsitzen. Würde er unten aufschlagen, hebelt sich der Protektor bei jedem Trab- oder Galoppsprung nach oben und schiebt sich dir schmerzhaft unters Kinn.
- Die Abdeckung: Die Wirbelsäule muss vom Nackenansatz bis zum Steißbein komplett abgedeckt sein. Der untere Rand des Protektors sollte etwa 3 bis 5 Zentimeter oberhalb der Sattelfläche enden, wenn du einsitzt.
- Der feste Sitz: Der Protektor muss eng am Körper anliegen, ohne dich beim tiefen Einatmen einzuschnüren. Er darf sich bei schnellen Bewegungen oder beim Schütteln des Oberkörpers nicht verschieben.
Fix ist: Ob du dich für die maximale Flexibilität eines modernen Soft-Schaum-Rückenprotektors entscheidest oder in die High-Tech-Sicherheit einer Airbag-Weste investierst – jeder Schutz ist besser als kein Schutz. Nimm dir im Fachgeschäft ausgiebig Zeit für die Anprobe, denn nur ein Protektor, den du im Sattel nach wenigen Minuten komplett vergisst, ist der perfekte Begleiter für deine Sicherheit.
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