Gut gerüstet im Sattel: Die essenzielle Ausrüstung für Reiter und Reiterinnen
Egal, ob man gerade die ersten Runden an der Longe dreht oder als erfahrener Profi über die Hindernisse fliegt: Die richtige Ausrüstung ist das A und O im Reitsport. Dabei geht es um weit mehr als nur um die klassisch-elegante Optik. Im Vordergrund stehen Sicherheit, Komfort und eine präzise Hilfengebung. Da das Pferd als Fluchttier unvorhersehbar reagieren kann, schützt ein gutes Equipment vor schweren Verletzungen und unterstützt den Reiter in seiner Balance.
Die fünf wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für Reiter und Reiterinnen erfüllen jeweils eine ganz spezifische Funktion.
Reithelm: Lebensretter Nr. 1
Der Reithelm ist das unumstritten wichtigste Utensil auf dem Pferd. Bei Stürzen schützt er die empfindlichste Stelle des Körpers vor gravierenden Kopfverletzungen.
- Sicherheitsstandards: Ein moderner Helm sollte den aktuellen Prüfnormen entsprechen. Seit Kurzem gilt die verschärfte europäische Norm EN 1384:2023 (die die ältere Übergangsnorm VG1 schrittweise ablöst). Helme nach dieser neuen Norm bieten eine noch höhere Stoßdämpfung und eine verbesserte Seitensteifigkeit gegen Quetschungen.
- Die Passform: Ein Helm schützt nur, wenn er perfekt sitzt. Er darf bei geöffnetem Kinnriemen und Kopfbewegen weder wackeln noch drücken.
- Wichtige Regel: Nach jedem härteren Sturz oder Schlag muss der Helm ausgetauscht werden, da unsichtbare Haarrisse im inneren EPS-Schaum die Schutzwirkung bei einem erneuten Aufprall zunichte machen.
Schutzwesten: Airbag für die Wirbelsäule
Besonders beim Springreiten, im Gelände oder bei der Ausbildung junger Pferde greifen immer mehr Reiter zu Schutzwesten. Sie mindern das Risiko von Rippenbrüchen und Verletzungen an den inneren Organen sowie der Wirbelsäule.
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Typen:
- Klassische Protektorenwesten: Sie bestehen aus dicken, flexiblen Schaumstoffplatten, die dauerhaft getragen werden. Sie bieten konstanten Schutz vor Schlägen und Huftritten.
- Airbag-Westen: Diese Westen werden mit einer Reißleine am Sattel befestigt. Stürzt der Reiter, löst der Zug die Reißleine, eine CO₂-Kartusche wird angestochen, und die Weste bläst sich in Millisekunden vor dem Aufprall wie ein Airbag auf. Sie bietet maximalen Schutz im Nacken- und Steißbeinbereich, ist im Alltag aber luftiger und flexibler zu tragen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeReithose: Halt und Schutz vor Scheuerstellen
Wer schon einmal in einer normalen Jeans geritten ist, kennt das Problem: Dicke Nähte an den Innenseiten der Beine führen schnell zu schmerzhaften Scheuerstellen und Blasen. Reithosen sind deshalb völlig nahtlos an den Innenseiten verarbeitet, hochelastisch und eng anliegend.
Das Herzstück der Reithose ist der Besatz:
- Vollbesatz: Der Besatz zieht sich vom Gesäß bis hinunter zum Wadenansatz. Er bietet maximalen Halt und Ruhe im Sattel (besonders beliebt in der Dressur).
- Kniebesatz: Nur die Innenseiten der Knie sind verstärkt. Das lässt dem Reiter mehr Bewegungsfreiheit, was vor allem beim Springreiten im leichten Sitz geschätzt wird.
- Moderne Hosen nutzen statt Lederimitat meist einen Grip-Besatz aus rutschfestem Silikon, der direkt auf den Stoff gedruckt ist.
Reitstiefel und Stiefeletten: Fester Stand im Bügel
Normale Turnschuhe haben im Steigbügel nichts zu suchen. Die Gefahr, dass der Fuß bei einem Sturz durchrutscht und der Reiter mitgezogen wird, ist zu groß.
Gutes Reitschuhwerk zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Eine durchgehende Sohle mit einem ausgeprägten Absatz und einen hohen Schaft.
- Lederreitstiefel: Der Klassiker. Sie stabilisieren das Reiterbein, schützen die Wade vor dem Einklemmen durch die Steigbügelriemen und ermöglichen eine sehr feine, ruhige Hilfengebung.
- Stiefeletten mit Chaps: Eine beliebte Alternative. Hier kombiniert man knöchelhohe Schuhe (Stiefeletten) mit elastischen Ledergamaschen (Chaps) für die Waden. Das ist oft bequemer beim Laufen im Stall und flexibler in der Passform.
Reitgerte: Verlängerter Arm, kein Schlagwerkzeug
Die Gerte wird von Laien oft missverstanden. Sie dient im modernen Reitsport niemals als Instrument der Bestrafung, sondern als feines Hilfsmittel zur Verdeutlichung von Signalen. Sie ist quasi die Verlängerung des Reiterarms.
Je nach Disziplin unterscheidet man:
- Springgerte: Sie ist kurz (ca. 50–70 cm) und dick, oft mit einer breiten Klatsche am Ende. Sie wird am Pferdehals oder an der Schulter eingesetzt, um die Aufmerksamkeit kurz vor dem Sprung zu erhöhen.
- Dressurgerte: Sie ist lang und dünn (ca. 110–130 cm). Durch ihre Länge kann der Reiter das Pferd direkt hinter dem Reiterbein an der Flanke antippen, um die Hinterhand zu aktivieren, ohne die Zügelführung aufgeben zu müssen.
Der richtige Einsatz: Eine Gerte sollte immer nur "touchieren" – also sanft antippen. Ein gut ausgebildetes Pferd reagiert bereits auf das bloße Zeigen oder ein minimales Anlegen der Gerte.
Die Investition in eine hochwertige, passende Ausrüstung lohnt sich ab der ersten Reitstunde. Sie schützt die Gesundheit des Reiters und sorgt dafür, dass die Kommunikation mit dem Partner Pferd von Anfang an harmonisch und schmerzfrei verläuft.
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