Nervenkitzel: Faszination und Mechanik der Pferdewetten
Das dumpfe Trommeln der Hufe auf dem Rasen, der frenetische Jubel der Menge auf den Tribünen und der feste Griff um einen kleinen Wettschein aus Papier: Pferdewetten sind untrennbar mit dem Rennsport verbunden. Tatsächlich sind sie der wirtschaftliche Motor der gesamten Vollblutzucht, da ein Großteil der Wetteinnahmen direkt wieder in die Rennpreise und den Erhalt der Bahnen fließt.
Wer eine Rennbahn betritt, merkt schnell: Wetten ist hier kein verpöntes Glücksspiel im Hinterzimmer, sondern ein gesellschaftliches Event für die ganze Familie. Doch wie funktionieren die Quoten, welche Wettarten gibt es und wo wird das große Geld bewegt?
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R. Vidmar (echonet)Prinzip des Totalisators: Wetten gegen die Masse
Im Gegensatz zu Sportwetten beim Buchmacher (wie beim Fußball), wo man oft zu einer festen, vom Anbieter vorgegebenen Quote wettet, funktioniert der klassische Rennbahnbetrieb nach dem Totalisator-Prinzip (auch Pari-Mutuel genannt).
Das Totalisator-Prinzip kurz erklärt: Alle Einsätze der Zuschauer für ein bestimmtes Rennen wandern in einen gemeinsamen Topf. Nach Abzug einer gesetzlichen Steuer und der Gebühr für den Rennverein wird der verbleibende Gesamtbetrag zu gleichen Teilen an diejenigen ausgezahlt, die auf das richtige Pferd gesetzt haben.
Die Quote ist also dynamisch. Sie verändert sich bis zum Start des Rennens sekündlich, je nachdem, wie viele Menschen Geld auf welches Pferd setzen. Wird ein Pferd von extrem vielen Besuchern favorisiert, sinkt seine Quote; setzt kaum jemand auf ein Pferd, steigt es zum sogenannten „Außenseiter“ auf.
Wie liest man die Quoten?
In Europa wird die Quote meist im Dezimalsystem angegeben und bezieht sich traditionell auf einen Grundeinsatz von 10 Euro (oder 1 Euro, je nach Rennbahn).
- Beispiel 1 (Der Favorit): Steht die Eventualquote für ein Pferd bei 25:10 (oder 2,5), bedeutet das: Bei 10 Euro Einsatz erhält man im Falle eines Sieges 25 Euro zurück (15 Euro Reingewinn + 10 Euro Einsatz).
- Beispiel 2 (Der Außenseiter): Steht ein Pferd bei 340:10 (oder 34,0), bringt derselbe Einsatz von 10 Euro satte 340 Euro Auszahlung.
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Online-Werbung Reiten & PferdeBeliebte Wettarten beim Pferderennen
Sowohl Einsteiger als auch Profis haben im Wettbüro an der Bahn die Wahl zwischen verschiedenen Risikoklassen:
Basiswetten für den Einstieg
- Siegwette: Die einfachste Wette der Welt. Das ausgewählte Pferd muss als Erstes die Ziellinie überqueren.
- Platzwette: Deutlich sicherer. Das Pferd muss unter den ersten drei (bei kleinen Starterfeldern unter den ersten zwei) Pferden landen. Die Quote ist niedriger als bei der Siegwette, die Gewinnchance aber um ein Vielfaches höher.
Kombinationswetten für Fortgeschrittene
- Zweierwette / Dreierwette: Hier müssen die ersten zwei bzw. drei Pferde in der exakt richtigen Reihenfolge vorhergesagt werden. Da dies mathematisch schwer ist, winken hier oft dreistellige oder vierstellige Quoten für kleine Einsätze.
- Viererwette: Der Jackpot des Renntags. Wer die ersten vier Pferde in der richtigen Reihenfolge tippt, knackt oft garantierte Auszahlungen von 10.000 Euro oder mehr.
Wo die Millionen bewegt werden: Die wichtigsten Rennbahnen vor Ort
Das wahre Wettfieber erlebt man nur live vor Ort. Weltweit gibt es einige Meetings, bei denen die Wettumsätze astronomische Höhen erreichen:
Royal Ascot (Vereinigte Königreich)
Das prestigeträchtige fünftägige Meeting im Juni zieht nicht nur den britischen Hochadel an. Millionen von Pfund werden hier direkt vor Ort an den traditionellen Buchmacher-Ständen (den „Bookies“) direkt vor den Tribünen umgesetzt. Berühmt ist Ascot auch für skurrile Spezialwetten: Traditionell kann man jeden Tag darauf wetten, welche Farbe der Hut von König Charles III. bzw. früher der Queen beim Einzug haben wird.
Prix de l’Arc de Triomphe (Paris-Longchamp, Frankreich)
Am ersten Oktoberwochenende schaut die gesamte Galoppwelt nach Paris. Der „Arc“ ist das wichtigste Rasenrennen Europas. Durch das französische Wettsystem PMU (eines der größten Wettsysteme der Welt) werden an diesem Wochenende Hunderte Millionen Euro bewegt. Die Schlangen an den Wettschaltern vor Ort sind legendär.
Kentucky Derby (Churchill Downs, USA)
Das als „die zwei schnellsten Minuten im Sport“ bekannte Rennen in Louisville bricht jedes Jahr Wettrekorde. Über 150.000 Menschen vor Ort schlürfen den traditionellen „Mint Julep“-Cocktail und setzen innerhalb weniger Stunden weit über 100 Millionen Dollar direkt an den Schaltern der geschichtsträchtigen Rennbahn um.
Hamburg-Horn & Baden-Baden (Deutschland)
Auch in Deutschland wird traditionell gewettet. Die Höhepunkte des Jahres sind das Deutsche Derby in Hamburg-Horn (Anfang Juli) und die Große Woche in Baden-Baden (Iffezheim) im Spätsommer. Hier trifft sich die deutsche Reitsportszene zum traditionellen „Bauerngalopp“ und fordert den Totalisator heraus.
Der Reiz des Expertenwissens
Im Gegensatz zu reinen Glücksspielen wie Roulette oder Lotto kann man sich beim Pferderennen durch Wissen einen echten Vorteil verschaffen. Echte „Turfisten“ (Rennsport-Experten) studieren vor der Wettabgabe stundenlang das Rennprogramm:
- Liebt das Pferd eher weichen (nach Regen) oder guten (trockenen) Boden?
- Passt die Distanz zu den Genen des Pferdes?
- Welche Formkurve zeigt der Jockey in den letzten Wochen?
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