Adrenalin auf der Bahn und der Mythos von Ascot
Das dumpfe Grollen von Dutzenden Hufen, das Aufwirbeln von Rasenstücken, der bunte Blitz der Jockey-Seiden und ein Aufschrei auf den Tribünen, wenn das Feld auf die Zielgerade einbiegt: Pferderennen gehören zu den ältesten, schnellsten und faszinierendsten Sportarten der Welt. Seit Jahrhunderten zieht der „Sport der Könige“ Millionen Menschen in seinen Bann – vom einfachen Wetter bis zum Hochadel.
Pferderennen sind eine hochprofessionelle Milliardenindustrie, ein Fest der Pferdezucht und ein gesellschaftliches Ereignis der Extraklasse. Im Pferderennen, bei dem typischerweise mehr als in vielen anderen Sportarten auch gewettet wird - das ist traditionell bedingt - gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Rennen: Galopp-Rennen und Trab-Rennen. Geritten wird aber nur beim Galopp-Pferderennen.
Die zwei Welten des Rennsports: Galopp und Trab
Im modernen Rennsport wird grundsätzlich zwischen zwei völlig unterschiedlichen Disziplinen unterschieden:
Galopprennen (Flach- und Hindernisrennen)
Der klassische Galopprennsport ist die Formel 1 des Pferdesports. Geritten werden fast ausschließlich Englische Vollblüter – Pferde, die über Jahrhunderte rein auf Schnelligkeit, Härte und Leistung selektiert wurden.
- Flachrennen: Die Pferde starten aus Startboxen und sprinten über Distanzen von meist 1.000 bis 3.200 Metern. Die prestigeträchtigsten Rennen sind die sogenannten „Klassiker“ für dreijährige Pferde, allen voran das legendäre Derby.
- Hindernisrennen (Steeplechase): Hier müssen die Pferde auf längeren Distanzen zusätzlich schwere Hecken, Gräben und Zäune überwinden. Das berühmteste und härteste Hindernisrennen der Welt ist das Grand National in Liverpool.
Trabrennen
Beim Trabrennen sitzen die Jockeys (hier Fahrer genannt) nicht auf dem Pferd, sondern in einem leichten, zweirädrigen Wagen, dem Sully, direkt hinter dem Tier. Die Pferde (Traber) dürfen unter keinen Umständen in den Galopp verfallen – wer galoppiert, wird disqualifiziert.

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Keith Luke / Unsplash QuelleRoyal Ascot: Das unumstrittene Mekka des Rennsports
Wer über Pferderennen spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Ascot. Die Rennbahn in der englischen Grafschaft Berkshire, nur einen Steinwurf von Windsor Castle entfernt, wurde bereits 1711 von Königin Anne gegründet.
Das absolute Highlight des weltweiten Rennkalenders ist das fünftägige Royal Ascot-Meeting im Juni. Es ist die perfekte Symbiose aus absolutem Spitzensport und royalem Gesellschaftsereignis.
Sportliche Höhepunkte und der "Gold Cup"
Sportlich gesehen ist Royal Ascot ein Gradmesser für die besten Pferde der Welt. Das absolute Herzstück des Meetings ist der Ascot Gold Cup, ein Flachrennen über die extreme Langdistanz von rund 4.000 Metern. Nur die ausdauerndsten Vollblüter haben hier eine Chance.
Tradition, Royals und der Dresscode
In Ascot ist der Sport untrennbar mit strenger Tradition verbunden:
- Die königliche Prozession: Jeden Renntag eröffneten früher Queen Elizabeth II. und heute König Charles III. zusammen mit der königlichen Familie, indem sie in offenen Kutschen die Rennbahn entlangfahren.
- Der "Royal Enclosure" Dresscode: Im exklusivsten Bereich der Rennbahn gelten eiserne Regeln. Herren müssen einen schwarzen oder grauen Cutaway (Morgenanzug) mit Top Hat (Zylinder) tragen. Für Damen sind Kleider vorgeschrieben, die die Knie bedecken, und – das Markenzeichen von Ascot – ein Hut mit einer Basis von mindestens 10 Zentimetern. Der „Ladies Day“ am Donnerstag ist ein weltweites Medienspektakel für die skurrilsten und elegantesten Hutkreationen.
Weitere monumentale Rennen auf der Welt
Neben Ascot gibt es einige Rennen, die aufgrund ihrer Geschichte und ihres Preisgeldes epischen Status genießen:
- Das Kentucky Derby (USA): Bekannt als „die zwei schnellsten Minuten im Sport“. Es ist das erste Rennen der amerikanischen Triple Crown und zieht jährlich über 150.000 Zuschauer nach Louisville.
- Prix de l’Arc de Triomphe (Frankreich): Das wichtigste und am besten dotierte Rasenrennen Europas. Jeden Oktober trifft sich die Weltelite auf der Rennbahn in Paris-Longchamp.
- Melbourne Cup (Australien): Ein Langstreckenrennen, das eine ganze Nation zum Stillstand bringt. Der Tag des Rennens ist im Bundesstaat Victoria sogar ein gesetzlicher Feiertag.
Digitale Plakatwand

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Ein Rennpferd ist ein Hochleistungssportler. Die Zucht von Englischen Vollblütern ist ein mathematisches und genetisches Meisterwerk. Erfolgreiche Rennpferde (besonders Hengste) sind nach ihrer aktiven Karriere als Deckhengste oft viele Millionen Euro wert, da ihre Gene heiß begehrt sind.
Funfact: Nicht ganz abgesichert, aber vermutet ist, dass der Begriff "Außenseiter" aus dem Pferderennsport kommt. Gewinnt ein Pferd mit extrem hohen Wettquoten, was bedeutet, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit als extrem gering eingeschätzt wird, so spricht man von einem "Außenseitersieg".
Finanziert wird der gesamte Sport zu einem großen Teil durch den Rennwettbetrieb. Das Wetten auf der Rennbahn gehört zum guten Ton: Ob man aus reinem Bauchgefühl auf den schönsten Namen setzt oder vorab akribisch die Formkurven, Bodenverhältnisse und Jockey-Statistiken im Rennprogramm studiert – der Nervenkitzel auf den letzten Metern ist für jeden gleich.
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