Hindernisse beim Springreiten
Die wichtigste Herausforderung - manchmal neben der Zeit - liegt beim Springreiten naturgemäß in der Überwindung der Hindernisse. Hier kommt die ideale Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiterin bzw. Reiter zum Tragen, denn es geht nicht einfach nur darum möglichst hoch zu hüpfen. Es geht um den richtigen Anreitweg, es geht um die Abschätzung der Galoppsprünge und es geht auch darum bereits zu verstehen, wie es nach dem Hindernis weitergehen muss.
Die Anatomie des Parcours: Hindernisarten und ihre tückischen Herausforderungen
Wer einen Springparcours betritt, sieht auf den ersten Blick oft nur eine bunte Sammlung aus Stangen, Planken und Blumenkästen. Für den Parcourschef ist das Viereck jedoch eine architektonische Leinwand. Jedes einzelne Hindernis ist ein psychologischer und physischer Test, der gezielt die Schwachstellen von Pferd und Reiter offenbart.
Um im Parcours fehlerfrei zu bleiben, müssen Reiter genau wissen, welche optischen und biomechanischen Tücken die verschiedenen Hindernisarten bergen – und wie unbarmherzig das Fehlersystem bei jedem einzelnen Sprung zuschlägt.

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R. Vidmar (echonet)Steilsprung (Das Höhenhindernis)
Der Steilsprung ist die puristische Form des Springens. Alle Stangen und Planken sind in einer einzigen, vertikalen Ebene direkt übereinander angeordnet.
Die spezifische Herausforderung
Da das Hindernis keine Tiefe besitzt, fehlt Pferd und Reiter die optische Orientierung für den optimalen Absprungpunkt (die Taxierung).
- Springt das Pferd zu früh ab, fliegt es in einer zu flachen Kurve und reißt die Stange in der Abwärtsbewegung mit den Hinterbeinen.
- Kommt das Pferd zu nah an den Sprung, reicht der Platz nicht aus, um die Vorderbeine rechtzeitig hochzureißen.
- Die Optik-Falle: Besonders schwer sind „luftige“ Steilsprünge, die beispielsweise nur aus einer einzigen obersten Stange bestehen. Pferde können die Höhe hierbei extrem schlecht einschätzen.
Die Punktevergabe am Steilsprung
- 4 Strafpunkte: Fällt die oberste Stange (oder ein anderes Element wie eine Planke) durch Berührung von Hufen oder Reiterkörper zu Boden.
- 4 Strafpunkte: Verweigert das Pferd vor dem Steilsprung (Stoppen oder Vorbeilaufen).
- 0 Strafpunkte: Berührt das Pferd die Stange, diese wackelt heftig in der Auflage, bleibt aber liegen, wird dies nicht bestraft (Glück gehabt!).
Oxer / Triplebarre: Das Hochweite Hindernis
Im Gegensatz zum Steilsprung fordert ein hochweites Hindernis das Pferd in der Dimension der Länge. Es besteht aus mindestens zwei Stangenreihen hintereinander.
Die spezifische Herausforderung
- Der Oxer: Hierbei sind die vorderen Stangen meist etwas niedriger oder auf exakt derselben Höhe wie die hinteren Stangen (Karree-Oxer). Das Pferd muss seinen Körper in der Luft maximal dehnen und den Rücken aufwölben (das sogenannte „Basculieren“). Die größte Herausforderung ist die hintere Stange: Da das Pferd sie in der Flugphase nicht mehr sieht, neigen unkonzentrierte Pferde dazu, die Hinterbeine zu früh hängen zu lassen, was zum Abwurf führt.
- Die Triplebarre: Sie besteht aus drei hintereinanderliegenden Stangenreihen, die treppenartig ansteigen. Sie ist für das Pferd optisch leicht einzuschätzen, erfordert aber enorm viel Grundtempo, um die enorme Weite (oft bis zu zwei Meter) zu überspringen.
Die Punktevergabe am hochweiten Hindernis
- 4 Strafpunkte: Für das Herunterschlagen einer Stange. Dabei ist es völlig egal, ob das Pferd die vordere oder die hintere Stange des Oxers reißt – es gibt pauschal 4 Fehlerpunkte.
- 4 Strafpunkte: Wenn das Pferd den Sprung verweigert oder durch den Oxer hindurchläuft (ein sogenannter Durchbruch), ohne abzufußen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeKombination (Zweifach und Dreifach)
Kombinationen sind die unangefochtenen Klippen eines jeden Parcours. Es handelt sich um zwei oder drei eigenständige Hindernisse (gekennzeichnet mit den Buchstaben A, B und C), die in einem sehr engen Abstand zueinander stehen.
Die spezifische Herausforderung
Zwischen den Elementen liegt meist nur Platz für einen oder zwei Galoppsprünge des Pferdes. Der Reiter hat zwischen den Sprüngen keine Zeit, das Tempo großartig zu korrigieren.
- Macht das Paar am ersten Element (A) einen Fehler – springt beispielsweise zu groß ab oder landet zu ungestüm –, stimmt der physikalisch vorgegebene Abstand zum nächsten Element (B) nicht mehr. Das Pferd gerät aus dem Rhythmus und ein Folgefehler ist fast unvermeidlich.
Die Punktevergabe bei Kombinationen (Die Sonderregel!)
- 4 Strafpunkte: Für jeden einzelnen Abwurf innerhalb der Kombination. Reißt ein Pferd also Element A und Element B, summiert sich das auf 8 Strafpunkte.
- Verweigerungs-Falle: Verweigert das Pferd an Element B oder C, greift eine harte Regel: Der Reiter muss die gesamte Kombination noch einmal von vorne reiten. Er muss also erneut über Element A springen (das für diesen Neustart vom Bahnpersonal blitzschnell wieder aufgebaut wird, falls es zuvor abgeworfen wurde). Für die Verweigerung selbst gibt es natürlich 4 Strafpunkte. Passiert an Element B eine zweite Verweigerung, folgt die Disqualifikation.
Mauer
Die Mauer ist ein optisch komplett geschlossenes Hindernis, das aus leichten, hohlen Holz- oder Kunststoffklötzen besteht.
Die spezifische Herausforderung
Pferde sind Fluchttiere und springen ungern gegen eine „feste Wand“, durch die sie nicht hindurchsehen können. Die Mauer ist daher ein reiner Test für das Vertrauen und den Mut des Pferdes. Zudem unterschätzen Pferde durch die wuchtige Optik oft den Absprungpunkt und treten zu nah an das Hindernis heran.
Die Punktevergabe an der Mauer
- 4 Strafpunkte: Die Klötze der Mauer liegen absichtlich lose aufeinander. Berührt das Pferd die obere Reihe zu stark und reißt einen oder mehrere Steine herunter, gibt es sofort 4 Fehlerpunkte.
- 4 Strafpunkte: Für das Verweigern. Viele Pferde scheuen vor der massiven Optik und brechen im letzten Moment seitlich aus.
Offener Wassergraben
Der Wassergraben ist das einzige reine Weitsprung-Hindernis im Parcours und kommt meist erst ab der schweren Klasse (Klasse M / S) zum Einsatz.
Die spezifische Herausforderung
Der Graben ist bis zu 4,50 Meter breit und komplett in den Boden eingelassen. Es gibt keine Stange darüber, an der sich das Pferd orientieren kann.
- Die Spiegelung: Das Wasser reflektiert das Scheinwerferlicht oder die Sonne, was Pferde extrem irritiert.
- Der flache Flug: Das Pferd darf hier nicht hoch in die Luft steigen, sondern muss flach und weit nach vorne schnellen. Der Reiter muss das Pferd mit maximalem Vorwärtsdrang und hohem Tempo anreiten.
Die Punktevergabe am Wassergraben (Der Fuß-Fehler)
Am Ende des Wassergrabens liegt eine weiße Plastik- oder Holzleiste, die oft mit einer dünnen Schicht Knetmasse oder Kreide präpariert ist. Am Wassergraben sitzt ein eigener Grabenrichter, der die Landung genau beobachtet.
- 4 Strafpunkte: Wenn das Pferd bei der Landung mit auch nur einem einzigen Huf ins Wasser patscht oder das weiße Band berührt (was am Hufabdruck in der Knetmasse, die dort bei den Turnieren angebracht wird, unbestechlich bewiesen wird).
- 4 Strafpunkte: Wenn das Pferd das Wasser komplett verweigert (oft stoppen Pferde abrupt direkt vor der Wasserkante).
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