Springreiten: Die Balance zwischen Adrenalin, Athletik und Tierschutz
Springreiten ist ein faszinierender Sport, der auf absolutem Vertrauen basieren muss – denn ein Pferd kann nicht gezwungen werden, über ein zwei Meter hohes Hindernis zu springen, wenn es das nicht will. Die Zukunft des Sports hängt jedoch davon ab, wie konsequent Verbände und Reiter schwarze Schafe aussortieren, um das Wohl des Pferdes über den finanziellen Erfolg und die Jagd nach Schleifen zu stellen.
Es ist der absolute Publikumsmagnet auf großen Reitturnieren: Beim Springreiten fliegen Pferd und Reiter in atemberaubendem Tempo über meterhohe Hindernisse und meistern enge Wendungen in Sekundenbruchteilen. Diese Disziplin fordert wie kaum eine andere Mut, Präzision, ein extrem gutes Auge für Distanzen und eine makellose Athletik von Mensch und Tier. Doch der Weg über die Stangen steht heute mehr denn je unter scharfer Beobachtung durch den Tierschutz.
Um die Distanzen besser abschätzen zu können, wird vor dem Turnier oft von den Reiterinnen und Reitern der Platz ohne Pferd besichtigt. Wenn man die Reiter dann zwischen den Hindernissen herumgehen sieht, testen sie eher nicht die Festigkeit des Bodens, sondern zumeist die Entfernung zwischen den Hindernissen in Schritten um diese dann für sich in Galoppsprünge umrechnen zu können.
Klassen, Kategorien und wichtige Wettbewerbe
Im Turniersport ist das Springreiten streng reglementiert und in verschiedene Leistungsklassen unterteilt. In Deutschland reichen diese von E (Einsteiger) über A (Anfänger), L (Leicht) und M (Mittelschwer) bis zur Königsklasse S (Schwer). Mit steigender Klasse wachsen die Höhe der Hindernisse (von ca. 0,85 Meter in Klasse E bis über 1,60 Meter im internationalen S***-Bereich) sowie die technische Komplexität des Parcours.
Die wichtigsten Wettbewerbsformen
Ein Parcours besteht in der Regel aus 10 bis 15 Hindernissen. Darunter befinden sich Steilsprünge (Höhenhindernisse), Oxer (Breitenhindernisse) und Kombinationen (zwei oder drei Sprünge in engem Abstand). Gewertet wird nach Fehlern (Abwürfe der Stangen oder Verweigerungen des Pferdes bringen je 4 Strafpunkte) und meistens auch nach Zeit.
- Fehler/Zeit-Springen: Der Klassiker. Es gewinnt das Paar mit den wenigsten Strafpunkten und der schnellsten Zeit.
- Springprüfung mit Stechen: Alle Reiter, die den ersten Umlauf fehlerfrei absolvieren, treten in einem verkürzten, oft rasanteren Parcours (dem Stechen) gegeneinander an, um den Sieger zu ermitteln.
- Mächtigkeitsspringen: Ein spektakulärer Wettbewerb, bei dem es rein um die Höhe geht. Eine verbleibende Mauer wird von Runde zu Runde höher gebaut – oft bis über 2,20 Meter –, bis nur noch ein fehlerfreies Pferd übrig ist.
- Nationenpreis & Großer Preis: Die prestigeträchtigsten internationalen Formate, bei denen Nationalteams (Nationenpreis) oder die weltbesten Einzelreiter (Großer Preis) um Weltranglistenpunkte und hohe Preisgelder reiten.
Technik im Parcours: Leichter Sitz
Um dem Pferd das Überwinden der schweren Last zu erleichtern, nutzt der Reiter den sogenannten leichten Sitz (auch Entlastungssitz genannt). Dabei werden die Steigbügel deutlich kürzer geschnallt als in der Dressur. Der Reiter bringt sein Gesäß leicht aus dem Sattel und beugt den Oberkörper nach vorne.
In der Flugphase geht der Reiter mit den Händen weit nach vorne am Pferdehals entlang. Dies nennt man „Zügel vorgeben“. Es ist essenziell, damit das Pferd seinen Hals als Balancierstange nutzen und den Rücken aufwölben kann, ohne durch Zug im Maul gestört zu werden.
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Online-Werbung Reiten & PferdeAusrüstung: Besonderheiten für den Parcours
Beim Springreiten unterscheidet sich das Equipment in einigen entscheidenden Details von anderen Disziplinen, um den extremen biomechanischen Belastungen gerecht zu werden. Wir möchten hier kurz auf die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände beim Springreiten eingehen. Die größten Unterschiede ergeben sich sicher bei Sattel, also beim Springsattel, und bei der Springgerte, die ganz anders aussieht als eine Dressurgerte.
Springsattel
Im Vergleich zum Dressursattel hat der Springsattel eine flachere Sitzfläche und nach vorne geschnittene Sattelblätter. Er verfügt über ausgeprägte Polster (Pauschen) vor und hinter dem Knie des Reiters. Dies gibt den Beinen bei den kurzen Steigbügeln und den enormen Fliehkräften bei Landung und Wendung sicheren Halt.
Springgerte
Eine Springgerte ist deutlich kürzer als eine Dressurgerte (meist 50 bis 75 cm) und verfügt am Ende über eine breite Lederklatsche. Sie wird am Hals oder an der Schulter des Pferdes eingesetzt. Da der Reiter im Parcours beide Hände fest an den Zügeln braucht, darf die Gerte nicht lang sein, um sich nicht im Zügelwerk zu verfangen.
Martingal und Vorderzeug
Ein Vorderzeug verhindert, dass der Sattel beim steilen Bergaufsprung nach hinten rutscht. Oft ist daran ein Martingal befestigt: Zwei Ringe, durch die die Zügel laufen. Reißt das Pferd im Parcours den Kopf abrupt nach oben (etwa vor Schreck), verhindert das Martingal, dass die Zügeleinwirkung abbricht, und schützt den Reiter vor dem Aufprall des Pferdekopfes im Gesicht.
Sport im Kreuzfeuer: Kritik aus Sicht des Tierschutzes
Die Belastung im Springsport ist immens – vor allem für die Sehnen, Gelenke und die Wirbelsäule des Pferdes bei der Landung. Neben den natürlichen Verschleißrisiken steht der Sport jedoch wegen menschengemachter Methoden massiv in der Kritik.
"Barren" & "Touchieren"
Die größte Kontroverse im Springreiten dreht sich um das sogenannte Barren. Dabei wird dem Pferd im Moment des Sprungs eine Stange gegen die Beine geschlagen, damit es Schmerzen verspürt und beim nächsten Mal die Beine noch höher zieht.
- Der Status: Das klassische, schmerzhafte Barren ist strengstens verboten und gilt als Tierquälerei. Erlaubt ist unter strengen Regeln das „Touchieren“ – das vorsichtige Berühren der Beine mit einer leichten Holzstange im Training. Tierschützer kritisieren jedoch, dass die Grenzen in der Realität fließend sind und illegale Trainingsmethoden in abgelegenen Hallen kaum zu kontrollieren sind.
Gamaschen-Manipulation (Grip- und Sensibilisierungssalben)
Um Pferde dazu zu bringen, die Beine vorsichtiger einzuziehen, gab es in der Vergangenheit Fälle, bei denen die Innenseiten der Gamaschen mit chemischen Substanzen präpariert wurden, die die Haut an den Pferdebeinen extrem schmerzempfindlich machten. Schon die leichteste Berührung einer Stange tat dem Tier dann weh. Internationale Verbände führen heute nach den Prüfungen strenge Gamaschenkontrollen und Thermografie-Scans der Pferdebeine durch, um solche Manipulationen aufzudecken.
Zu hoher psychischer Druck
Kritisiert wird auch der enorme Stress, dem Pferde ausgesetzt sind, wenn sie durch ungeduldige Reiter mit Sporen und Gerten über Hindernisse gezwungen werden, vor denen sie Angst haben. Verweigert ein Pferd aus Unsicherheit, wird dies im Spitzensport noch zu oft als „Ungehorsam“ statt als Überforderung interpretiert.
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