Punktgenau in den Dreitakt: Richtig angaloppieren
Das Angaloppieren gehört zu den schönsten Momenten im Sattel, stellt Reiterinnen und Reiter jedoch regelmäßig vor eine koordinative Herausforderung. Damit das Pferd nicht einfach hektisch losrennt, sondern harmonisch und rund in den Galopp „einspringt“, müssen die Hilfen präzise aufeinander abgestimmt sein.
Ob aus dem Trab, dem Schritt oder sogar direkt aus dem Halt – hier erfährst du, wie das Angaloppieren aus jeder Situation gelingt, welche Bahnpunkte dir dabei helfen und wo der Unterschied zwischen Rechts- und Linksgalopp liegt.
Grundlegende Hilfen: Das Zusammenspiel der Signale
Egal aus welcher Gangart du angaloppierst, die grundlegende Hilfengebung bleibt gleich. Da der Galopp eine asymmetrische Gangart ist, unterscheidet man zwischen Rechts- und Linksgalopp. Das Pferd wird immer in die Richtung angaloppiert, in die man gerade reitet (innere Seite).
Am Beispiel für den Rechtsgalopp setzen sich die Hilfen wie folgt zusammen:
- Die Vorbereitung (Halbe Parade): Du erhöhst kurz deine Körperspannung, machst dich im Kreuz fest und nimmst die Zügel minimal an. Das Pferd wird leicht nach rechts (innen) gestellt, sodass du das innere Auge schimmern siehst. Das signalisiert dem Pferd: Achtung, es kommt gleich etwas Neues.
- Die Gewichtshilfe: Du verlagerst dein Gewicht vermehrt auf deinen inneren (rechten) Gesäßknochen. Dadurch hältst du den Weg für die äußere Pferdeschulter frei, die beim ersten Sprung weit nach vorne durchgreifen muss.
- Die Schenkelhilfe (Das eigentliche Kommando):
- Der innere (rechte) Schenkel liegt treibend direkt am Sattelgurt. Er sorgt für den nötigen Vorwärtsdrang und die Biegung.
- Der äußere (linke) Schenkel wird etwa eine Handbreit hinter den Sattelgurt gelegt. Dies ist das entscheidende Signal: Er begrenzt die Hinterhand und fordert das äußere Hinterbein auf, den ersten Galoppsprung einzuleiten.
- Die Zügelhilfe: In der Millisekunde, in der das Pferd anspringt, gibt die innere Hand minimal nach, um der Bewegung den Raum zu öffnen.
Der Unterschied zum Linksgalopp: Für den Linksgalopp wird alles exakt spiegelbildlich ausgeführt. Du stellst das Pferd nach links, belastest den linken Gesäßknochen, der linke Schenkel liegt am Gurt und der rechte Schenkel treibt eine Handbreit dahinter.
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Elisa Pitkänen / Unsplash QuelleAngaloppieren aus verschiedenen Situationen
Je nach Ausbildungsstand von Reiter und Pferd unterscheidet sich der Schwierigkeitsgrad beim Wechsel in den Galopp.
Angaloppieren aus dem Trab - Klassiker für Einsteiger
Dies ist die Standardmethode für Anfänger, da der Trab bereits Schwung mitbringt.
- Der Ablauf: Aus einem kontrollierten, fließenden Arbeitstrab heraus (am besten im Aussitzen) gibst du die Galopphilfe.
- Zu beachten: Das größte Problem hierbei ist das „Hineineilen“. Viele Pferde werden einfach nur unkontrolliert schneller im Trab, statt anzuspringen. Tipp: Wenn das Pferd nicht sofort anspringt, pariere es lieber wieder in einen ruhigen Trab durch und versuche es erneut, statt dem Galopp hinterherzurennen.
Angaloppieren aus dem Schritt - Fortgeschrittene Reiterinnen und Reiter
Das Angaloppieren aus dem Schritt erfordert mehr Konzentration, ist aber für den Pferderücken deutlich schonender und fördert die Durchlässigkeit.
- Der Ablauf: Du reitest einen versammelten, fleißigen Schritt. Die Hilfen müssen hier sehr präzise und prompt kommen, da kein Schwung aus der Bewegung genutzt werden kann.
- Zu beachten: Das Pferd darf vor dem Angaloppieren keinen einzigen Trabtritt machen. Es muss die Kraft direkt aus der Hinterhand für den Sprung nutzen. Das erfordert ein sensibles Timing der treibenden Hilfen.
Angaloppieren aus dem Stillstand / Halt - Die Königsdisziplin
Direkt aus dem Stehen anzugaloppieren, erfordert eine hohe Versammlung des Pferdes und feinstes Reiterkönnen.
- Der Ablauf: Das Pferd steht geschlossen und aufmerksam. Der Reiter baut über minimale Impulse im Sattel Körperspannung beim Pferd auf (wie eine zusammengedrückte Sprungfeder) und gibt dann die Galopphilfe.
- Zu beachten: Diese Lektion setzt voraus, dass das Pferd die Hilfen bereits perfekt versteht und prompt reagiert. Es erfordert viel Kraft in der Pferde-Hinterhand. Passiert die Hilfe zu grob, neigen Pferde dazu, nach vorne zu stürmen oder sich zu widersetzen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeAngaloppieren in der Reitbahn - wo?
In einer typischen Reitbahn (20 x 40 oder 20 x 60 Meter) gibt es Stellen, an denen die Geometrie des Raumes die natürliche Bewegung des Pferdes unterstützt. Nutze diese Punkte, um dir das Angaloppieren zu erleichtern:
Ecke nach der kurzen Seite (Der beste Punkt)
Wenn du die kurze Seite der Bahn entlangreitest und in die nächste Ecke einbiegst, ist das Pferd durch die Kurve automatisch korrekt gebogen und die Hinterhand wird leicht nach innen begrenzt.
- Wann reiten: Gib die Galopphilfe exakt in dem Moment, in dem das Pferd aus der Ecke herauskommt und auf die lange Seite abwendet. Die Bande an der langen Seite gibt dem Pferd zusätzliche optische Orientierung und verhindert ein Ausbrechen.
Beim Abwenden auf den Zirkel
Der Zirkel ist eine große Kreisbahn in der Halle. Da das Pferd auf einer Kreisbahn ohnehin auf der inneren Hand läuft und gebogen ist, fällt ihm das Anspringen im richtigen Galopp hier besonders leicht.
- Wann reiten: Der ideale Punkt ist an den sogenannten Zirkelpunkten oder direkt beim Abwenden von der Mittellinie auf die Kreisbahn.
Aus einer Kehrtvolte oder „Aus der Ecke kehrt“
Hierbei reitest du eine enge Schleife, bei der du die Hand (die Richtung) wechselst.
- Wann reiten: Wenn du die Hand wechselst, muss das Pferd sich im Körper umstellen. Reitest du beispielsweise eine Kehrtvolte von der linken auf die rechte Hand, gibst du die Hilfe für den Rechtsgalopp genau in dem Moment, in dem du die neue Hufschlaglinie im neuen Richtungsinn erreichst. Der Richtungswechsel nimmt das Pferd elegant mit in den neuen Rhythmus.
Richtiges Angaloppieren ist nicht einfach
Richtiges Angaloppieren ist keine Frage von Kraft, sondern von Sitzkomfort, Timing und Balance. Wenn du die Ecken der Reitbahn clever nutzt, dein Gewicht korrekt verlagerst und den äußeren Schenkel präzise zurücklegst, wird der Übergang in den Galopp zu einem fließenden, harmonischen Erlebnis für dich und dein Pferd.
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