Galopp: Vom feinen Dreitakt zum kraftvollen Sprunglauf
Unter allen Gangarten des Pferdes löst der Galopp bei Reitern wohl das größte Freiheitsgefühl aus. Er ist die natürliche Fluchtgangart des Pferdes, geprägt von Dynamik, Raumgriff und purer Kraft. Doch im Vergleich zum energiesparenden Trab oder dem ruhigen Schritt stellt der Galopp völlig andere Ansprüche an die Biomechanik des Pferdes und die Koordination des Reiters.
Biomechanik des Galopps: Abfolge der Schritte
Im Gegensatz zum Zweitakt des Trabs oder dem Viertakt des Schritts ist der Galopp ein asymmetrischer Dreitakt. Da das Pferd asymmetrisch fußt, unterscheidet man immer zwischen Rechtsgalopp und Linksgalopp – je nachdem, welche Körperhälfte weiter nach vorne greift. In Kurven reitet man im Normalfall immer in dem Galopp, der zur Hand (Richtung) passt, um das Gleichgewicht nicht zu gefährden.
Am Beispiel des Rechtsgalopps sieht die exakte Schrittfolge wie folgt aus:
- Erster Takt: Das Pferd fußt mit dem äußeren Hinterbein ab (hinten links).
- Zweiter Takt: Das innere Hinterbein und das äußere Vorderbein fußen gleichzeitig ab (hinten rechts und vorne links).
- Dritter Takt: Das innere Vorderbein fußt ab (vorne rechts). Dies ist das sogenannte „Führbein“, das am weitesten nach vorne ausgreift.
- Die Schwebephase: Das Pferd stößt sich komplett ab. Für einen Moment befinden sich alle vier Hufe in der Luft, bevor der Zyklus mit dem linken Hinterbein wieder von vorne beginnt.

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Mathew Schwartz / Unsplash QuelleWas macht den Galopp für das Pferd so besonders?
Für das Pferd unterscheidet sich der Galopp grundlegend von den anderen Gangarten:
- Die Koppelung von Atmung und Bewegung: Das Pferd hat im Galopp eine faszinierende anatomische Besonderheit: Die Atmung ist strikt an den Bewegungstakt gekoppelt. In der Phase, in der sich die Vorderbeine nach hinten stemmen und die Eingeweide nach vorne drücken, wird die Luft aus der Lunge gepresst (Ausatmung). In der Schwebephase, wenn der Körper gestreckt ist, strömt automatisch Luft ein (Einatmung). Ein Pferd nimmt im Galopp also pro Galoppsprung exakt einen Atemzug.
- Die psychologische Komponente: Da der Galopp die evolutionäre Fluchtgangart ist, erhöht sich dabei automatisch der Adrenalin- und Erregungslevel des Pferdes. Ein junges oder nervöses Pferd gerät im Galopp schneller in Stress als im Trab, weshalb das kontrollierte Galoppieren ein hohes Maß an Vertrauen und Durchlässigkeit erfordert.
Geschwindigkeit und Ausdauer: Wie schnell und wie weit?
Der Galopp ist auf Schnelligkeit ausgelegt, verbraucht aber enorm viel Energie.
- Das Tempo: Ein normales Freizeitpferd bewegt sich im Arbeitsgalopp mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 bis 30 km/h. Im Rennsport (Englisches Vollblut) werden auf kurzen Distanzen Spitzenwerte von 60 bis über 70 km/h erreicht.
- Die Ausdauer: Pferde sind hervorragende Ausdauersportler, aber der maximale Galopp ist ein Sprint. Ein untrainiertes Pferd ermüdet im Galopp bereits nach wenigen Minuten. Gut trainierte Distanz- oder Vielseitigkeitspferde können im moderaten, gleichmäßigen Galopp (Cangalopp) Strecken von mehreren Kilometern am Stück bewältigen, benötigen danach jedoch eine längere Erholungsphase im Schritt, um den Puls zu senken und die Muskelübersäuerung abzubauen.
Erleben kann man diese Fähigkeit theoretisch beim Ausreiten, aber dazu ist man auch auf ein Gebiet angewiesen, das solche Galppstrecken zulässt. Reiterinnen und Reiter, die Reiturlaub in sehr dünn besiedelten Regionen gemacht haben, können oft davon berichten. In dicht besiedelten Gebieten oder in Regionen in denen es viel Verkehr gibt, bleibt man von dieser Erfahrung oft ausgeschlossen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeKorrekte reiterlichen Hilfen zum Angaloppieren
Das Angaloppieren ist eine der komplexesten Koordinationsaufgaben für Reitschüler, da mehrere Hilfen auf den Bruchteil einer Sekunde genau zusammenwirken müssen. Um beispielsweise aus einem versammelten Trab oder einem fleißigen Schritt in den Rechtsgalopp anzuspringen, gibt der Reiter folgende Hilfen:
- Die Vorbereitung (Halbe Parade): Der Reiter erhöht kurz die Körperspannung und macht das Pferd aufmerksam. Das Pferd wird leicht nach rechts (innen) gestellt.
- Die Gewichtshilfe: Der Reiter verlagert sein Gewicht vermehrt auf den inneren (rechten) Gesäßknochen. Dadurch wird die äußere Schulter des Pferdes entlastet, damit sie frei nach vorne durchspringen kann.
- Die Schenkelhilfe (Das entscheidende Signal):
- Der innere (rechte) Schenkel liegt treibend direkt am Sattelgurt, um den Vorwärtsimpuls zu geben.
- Der äußere (linke) Schenkel wird etwa eine Handbreit hinter den Gurt gelegt. Dies ist das eigentliche Startsignal: Er verhindert, dass die Hinterhand nach außen ausbricht, und fordert das äußere Hinterbein auf, den ersten Takt des Galopps einzuleiten.
- Die Zügelhilfe: Der innere Zügel gibt in der Millisekunde des Angaloppierens minimal nach, um dem Pferd den Raum für den ersten Sprung zu öffnen.
Im Galopp selbst muss die Hüfte des Reiters flexibel die ausgeprägte Schaukelbewegung des Pferderückens abfedern, während die Hände ruhig stehen bleiben und eine weiche, konstante Verbindung zum Pferdemaul halten.
Linksgalopp? Ist wohl relativ einfach zu erraten, in der Anleitung jeweils das Wort "Rechts" durch "Links" ersetzen und umgekehrt das Wort "Links" durch "Rechts". Dann sollte es auch mit dem Linksgalopp klappen.
Kurzfassung rund um das Thema Galopp beim Reiten
Der Galopp vereint Kraft, Rhythmus und Eleganz. Für das Pferd bedeutet er maximale körperliche Anstrengung und Konzentration, für den Reiter fordert er eine feine Balance und exakt getaktete Hilfen. Wer lernt, die Schaukelbewegung im Sattel entspannt mitzugehen, erlebt das unvergleichliche Gefühl, mit dem Partner Pferd über den Boden zu fliegen.
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