Trab: Der schwungvolle Zweitakt und seine Facetten unter dem Sattel und im Sulky
Unter den Gangarten des Pferdes nimmt der Trab eine ganz besondere Stellung ein. Er ist die ökonomischste Fortgebungsart des Pferdes, bei der es mittlere Geschwindigkeiten über sehr lange Strecken ermüdungsarm durchhalten kann. Für Reiterinnen und Reiter ist der Trab die Gangart, in der die meiste gymnastizierende Arbeit stattfindet – und für den Pferderennsport ist er die Grundlage einer faszinierenden Disziplin.
Biomechanik des Trabs: Die Abfolge der Schritte
Der Trab ist als diagonaler Zweitakt definiert. Das bedeutet, dass sich die Beine des Pferdes in diagonalen Paaren gleichzeitig vorwärtsbewegen. Zwischen den einzelnen Tritten gibt es einen Moment, in dem das Pferd völlig in der Luft schwebt.
Die genaue Fußfolge läuft wie folgt ab:
- Erster Takt: Das diagonale Beinpaar hinten links und vorne rechts fußt gleichzeitig ab und landet synchron auf dem Boden.
- Die Schwebephase: Das Pferd stößt sich vom Boden ab. Für einen kurzen Moment sind alle vier Hufe in der Luft.
- Zweiter Takt: Das andere diagonale Beinpaar hinten rechts und vorne links fußt gleichzeitig ab und landet auf dem Boden.
- Die Schwebephase: Es folgt die nächste Flugphase, bevor der Zyklus von vorne beginnt.
Da es sich um einen exakten Zweitakt handelt, hört man beim Traben auf hartem Boden ein rhythmisches „Klipp-Klapp, Klipp-Klapp“.

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Oscar Scannell / Unsplash QuelleUnterschiedliche Varianten vom Trab
Je nach Ausbildungsstand des Pferdes und dem gewünschten Raumgriff unterscheidet man in der klassischen Reitlehre verschiedene Tempovarianten, die sich durch die Schrittlänge und die Dehnung des Pferdekörpers auszeichnen:
- Arbeitstrab: Die Grundvariante. Das Pferd geht im Gleichgewicht, der Schwung ist natürlich und die Hinterhufe fußen mindestens in die Spuren der Vorderhufe (oder kurz dahinter). Ideal für die tägliche Gymnastizierung.
- Arbeitstrab – Tritte verlängern: Hierbei wird das Pferd aufgefordert, aus dem Arbeitstrab heraus mit den Hufen weiter nach vorne zu greifen, ohne dabei einfach nur hektisch schneller zu werden.
- Mitteltrab: Das Pferd zeigt einen deutlich vermehrten Raumgriff. Die Schritte werden länger, der Rahmen des Pferdes dehnt sich aus, und die Hinterbeine fußen deutlich über die Abdrücke der Vorderbeine hinaus.
- Starkerr Trab: Die maximale Steigerung des Raumgriffs. Das Pferd entwickelt enormen Schub aus der Hinterhand und „fliegt“ regelrecht über den Boden, wobei die Vorderbeine weit nach vorne herausgeworfen werden.
- Versammelter Trab: Die Schritte werden kürzer, aber dafür erhabener und ausdrucksstärker. Das Pferd nimmt mehr Gewicht mit der Hinterhand auf (beugt die Hinkengelenke mehr), wodurch die Vorhand leicht und frei wird.

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Honey Badger GD / Pexels QuelleDigitale Plakatwand

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Online-Werbung Reiten & PferdeKorrekte reiterliche Hilfen: Antraben
Um ein Pferd harmonisch aus dem Schritt in den Trab zu überführen, bedarf es einer feinen Abstimmung der Reiterhilfen. Es reicht nicht, einfach mit den Absätzen zu treiben. Der Vorgang setzt sich aus folgenden Signalen zusammen:
- Die Aufmerksamkeit fordern (Halbe Parade): Der Reiter macht sich im Kreuz kurz fest (Körperspannung erhöhen) und gibt minimale Impulse am Zügel, um dem Pferd zu signalisieren: „Achtung, es kommt gleich ein neues Kommando.“
- Die treibende Hilfe: Beide Waden des Reiters geben gleichzeitig einen kurzen, präzisen Impuls am Pferdebauch ab.
- Das Nachgeben der Hand: In der Millisekunde, in der das Pferd antreten will, muss die Reiterhand minimal nach vorne nachgeben (die Zügelverbindung bleibt weich bestehen), damit das Pferd in die Bewegung hineinfließen kann.
Leichttraben vs. Aussitzen
Sobald das Pferd trabt, hat der Reiter zwei Möglichkeiten:
- Beim Leichttraben lässt sich der Reiter bei jedem zweiten Hufschlag (immer wenn ein bestimmtes diagonales Beinpaar vorgreift) sanft aus dem Sattel nach oben federn und setzt sich beim nächsten Hufschlag wieder weich ein. Das schont den Pferderücken und die Kräfte des Reiters.
- Beim Aussitzen bleibt der Reiter fest und tief im Sattel sitzen. Dies erfordert eine extrem lockere Hüfte, die die Stoßkraft des Zweitakts flexibel abfedert. Das Aussitzen wird vor allem für die Erteilung präziserer Hilfen bei fortgeschrittenen Lektionen genutzt.
Trab im Rennsport: Traber und der Sulky
Der Trab ist nicht nur im Viereck zu Hause, sondern bildet das Herzstück einer der ältesten Pferderennsportdisziplinen: den Trabrennen. Hierbei werden spezielle Pferderassen – die sogenannten Traber (wie der Amerikanische oder Französische Traber) – darauf gezüchtet, im Trab extreme Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h zu erreichen.
Das Gespann: Der Sulky
Bei diesen Rennen reitet der Mensch in der Regel nicht auf dem Pferd (obwohl es mit dem „Monté“ auch Trabreiten gibt), sondern sitzt in einem Sulky. Ein Sulky ist ein extrem leichter, zweirädriger einachsiger Pferdewagen, der direkt hinter dem Pferd eingespannt ist. Der Fahrer (auch Catchdriver genannt) sitzt tief zwischen den Rädern und lenkt das Pferd über lange Leinen.
Die sportliche Herausforderung
Die faszinierende Schwierigkeit beim Trabrennen liegt im Reglement: Die Pferde dürfen unter keinen Umständen in den Galopp fallen. Der Galopp ist für ein Pferd von Natur aus die schnellere Gangart bei Flucht oder Erschöpfung. Bricht ein Traber während des Rennens in den Galopp aus, muss der Fahrer das Pferd sofort wieder parieren (in den Trab bringen) und verliert wertvolle Meter. Dauert die Galoppade zu lange oder passiert sie auf den letzten Metern vor dem Ziel, führt dies zur sofortigen Disqualifikation („Dis. G.“ – Disqualifiziert wegen Galopp).
Um die Pferde in dieser extremen, unnatürlich schnellen Trabfrequenz zu stabilisieren, wird im Rennsport mit ausgefeiltem Beschlag (Gewichte an den Hufen) und speziellem Zaumzeug gearbeitet. Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus purem Vorwärtsdrang des Pferdes und der feinen Hand des Fahrers, der die Balance auf Messers Schneide halten muss.
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