Punktgenau zum Zweitakt: Richtig Antraben aus allen Situationen
Der Übergang in den Trab gehört zu den am häufigsten gerittenen Lektionen im Reitsport. Doch obwohl das Antraben wie eine einfache Grundübung wirkt, trennt sich genau hier oft die Spreu vom Weizen: Stürmt das Pferd kopflos los, wechselt es unbalanciert die Gangart oder federt es harmonisch aus dem Hinterbein in einen schwungvollen Zweitakt?
Keine einfache Sache um ehrlich zu sein. Das richtige Antraben ist noch am leichtesten aus dem Schritt zu lernen, was aber, wenn ihr aktuell gar nicht im Schritt unterwegs seid? Wie ist es aus anderen Gangarten oder Situationen zu meistern? Grundlegende Hilfen sind hier ein echter Lösungsansatz.
Damit der Wechsel in den Trab gelingt, muss die Hilfe exakt auf die Ausgangssituation abgestimmt sein. Hier erfährst du, wie das Antraben aus dem Schritt, dem Galopp und sogar direkt aus dem Stand funktioniert.
Grundlegende reiterliche Hilfen zum Antraben
Egal, in welcher Gangart du dich davor befindest – das finale Signal zum Antraben setzt sich immer aus dem Zusammenspiel dreier Hilfen zusammen:
- Die halbe Parade (Aufmerksamkeit): Ein kurzes Schließen der Reiterhand bei gleichzeitigem Anspannen der Kreuzmuskulatur signalisiert dem Pferd: Achtung, es kommt ein neues Kommando.
- Die treibende Hilfe (Impuls): Beide Waden des Reiters geben gleichzeitig einen kurzen, präzisen Impuls am Pferdebauch ab.
- Das Nachgeben (Freigabe): In der Millisekunde, in der das Pferd den ersten Trabtritt ansetzt, muss die Reiterhand elastisch nach vorne nachgeben, um die Bewegung nach vorne zuzulassen.
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Elisa Pitkänen / Unsplash QuelleAntraben aus den verschiedenen Gangarten
Der Schwierigkeitsgrad und der Fokus der Hilfengebung ändern sich drastisch, je nachdem, was du und dein Pferd direkt vor dem Übergang tut.
Klassiker: Aus dem Schritt in den Trab
Dies ist der Standardübergang, den jeder Reitschüler als Erstes lernt.
- Der Ablauf: Du reitest einen fleißigen, geregelten Mittelschritt. Nach einer halben Parade gibst du den beidseitigen Schenkelimpuls. Da der Schritt keinen Schwung hat, muss das Pferd die Energie für den Trab neu erzeugen.
- Darauf musst du achten: Viele Reiter neigen dazu, im Schritt permanent zu treiben. Das stumpft das Pferd ab. Die Folge: Beim Antraben „schlurft“ das Pferd kraftlos in die neue Gangart. Tipp: Der Schritt vor dem Antraben muss konzentriert und marschierend sein. Das Pferd darf nicht erst schneller im Schritt werden, sondern muss direkt mit dem ersten Tritt traben.
Bremse auf Messers Schneide: Aus dem Galopp in den Trab
Der Übergang vom Galopp in den Trab (Durchparieren) ist biomechanisch anspruchsvoll. Hier wechselst du von einer schnellen, asymmetrischen Gangart in eine langsamere, symmetrische.
- Der Ablauf: Während des Galopps machst du dich im Sattel schwer, nimmst die Schaukelbewegung mit der Hüfte bewusst zurück und gibst eine Reihe halber Paraden am Zügel. Sobald das Pferd auf den Trabrhythmus anspricht, fängst du die Bewegung im Leichttraben oder Aussitzen weich ab.
- Darauf musst du achten: Das größte Risiko ist, dass das Pferd nach dem Galopp in den Trab „hineinfällt“ – sich also auf den Zügel legt, die Balance verliert und im Trab flach und eilig nach vorne rennt. Tipp: Reite den Galopp bis zum allerletzten Sprung vorwärts und versammelt. Stell dir vor, du willst das Pferd in den Trab hineintreffen, statt es einfach nur mit dem Zügel herunterzubremsen.
Kraftübung: Aus dem Stand (Halt) direkt in den Trab
Ist es überhaupt möglich, ein Pferd aus dem kompletten Stillstand direkt in den Trab wechseln zu lassen? Ja, absolut. Es ist sogar eine hervorragende Übung, um die Hinterhand des Pferdes zu kräftigen und seine Aufmerksamkeit zu testen.
- Der Ablauf: Das Pferd steht geschlossen auf allen vier Beinen und kaut zufrieden auf dem Gebiss. Der Reiter baut durch minimale Körperspannung eine innere Dynamik im Pferd auf (wie eine gespannte Feder). Dann folgt ein prompter, energischer Schenkelimpuls bei gleichzeitigem, feinfühligem Nachgeben der Hand.
- Darauf musst du achten: Dieser Übergang erfordert ein hohes Maß an Kraft und Ausbildung. Ein junges oder untrainiertes Pferd wird hierbei oft erst einen halben Schritttun, um Schwung zu holen. Das ist anfangs völlig okay. Das Ziel ist jedoch das direkte, synchrone Abfußen eines diagonalen Beinpaars aus dem Stand. Kommt die Hilfe zu grob, reißt das Pferd den Kopf hoch; kommt sie zu schwach, schleicht es im Schritt an.
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Online-Werbung Reiten & PferdeLeichttraben oder Aussitzen beim Übergang?
Wenn du aus dem Schritt oder dem Stand antrabst, solltest du dich in den ersten Sekunden für das Leichttraben entscheiden, sofern du kein fortgeschrittenes Dressurprogramm reitest. Das Entlasten des Rückens macht es dem Pferd deutlich leichter, den Schwung aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken nach vorne durchzulassen. Sobald das Pferd einen taktmäßigen, zufriedenen Arbeitstrab gefunden hat, kannst du bei Bedarf geschmeidig zum Aussitzen übergehen.
Eine Frage der Kommunikation: Pferd & Reiter
Jeder Wechsel in den Trab ist ein Test für die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Wer lernt, die halbe Parade exakt zu timen und den Schenkelimpuls genau im richtigen Moment der Bereitschaft zu geben, wird belohnt: mit einem butterweichen, schwungvollen Übergang, der sich anfühlt wie das sanfte Schalten in den nächsten Gang.
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