Leichter Sitz & Leichttraben mit dem Pferd



Entlastung im Trab: Schutz für den Pferderücken

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Vorweg: Leichttraben und der Leichte Sitz im Trab sind keine reinen Komfort-Techniken für den Reiter, sondern aktive Gesundheitspflege für das Pferd. Sie schenken der Wirbelsäule und der Muskulatur den nötigen Freiraum, um Kraft und Kondition aufzubauen. Weniger Beckenkontakt? So gleichst du den Kontrollverlust über elastische Waden- und Zügelhilfen perfekt aus. Wer lernt, den Verlust der Gewichtshilfen durch eine feinfühlige Hand und eine stabil rahmende Wade auszugleichen, schafft die perfekte Balance zwischen maximaler Schonung und feiner Kontrolle. Darum geht es auf dieser Seite, damit du mit einem Pferd nicht nur den leichten Trab machen kannst, sondern auch verstehst, was der Zweck der ganzen Sache ist und was das für dein Pferd bringt.

Gewidmet allen Pferdefans und Reitsport-Enthusiasten, wir stellen Informationen über Reiten, Reitsport, Ausrüstung und Reitmethoden zusammen, über die du hier mehr lernen kannst - und wir liefern auch Unterhaltung rund um Pferde-Themen. | Seite neu laden

Schwerelos im Zweitakt: Wie Leichttraben und Leichter Sitz das Pferd entlasten

Der Trab ist eine dynamische Gangart, die Pferd und Reiter gleichermaßen fordert. Die vertikalen Stoßkräfte, die im diagonalen Zweitakt entstehen, können ungefiltert zu einer echten Belastungsprobe für den Pferdekörper werden. Um dem entgegenzuwirken, greifen Reiter auf zwei bewährte Methoden zurück: das Leichttraben und den Leichten Sitz (Entlastungssitz) im Trab.

Beide Techniken haben ein klares Ziel: den Pferderücken frei von Druck zu halten. Doch was passiert dabei eigentlich genau im Pferdekörper, welche Skelett-Teile und Muskeln werden geschont – und wie gleicht man den unvermeidbaren Kontrollverlust aus?

Eine Reiterin mit einem grünen Oberteil und schwarzer Reithose ist mit ihrem hellbraunen Pferd beim Leichttraben zu sehen. Das Pferd bewegt sich im Bild von rechts nach links, wir sehen die Szene von der Seite. An diesem Bild ist auch gut zu erkennen, wie die Reiterin den leichten Sitz probiert und sehr weit aus dem Sattel herausgehoben ist. Im Hintergrund an den Reitplatz anschließend ist eine Wiese und danach erscheinen einige Gebäude am Horizont.

Anatomie der Entlastung: Was passiert im Pferdekörper?

Wenn der Reiter im Leichten Sitz verweilt oder beim Leichttraben kontrolliert aufsteht, verändert sich die Biomechanik des Pferdes drastisch. Statt die Stoßkraft des Reitergewichts bei jedem Tritt abzufangen, wird der Pferdekörper punktuell und großflächig entlastet.

Die Wirbelsäule und die Dornfortsätze

Die Brust- und Lendenwirbelsäule des Pferdes ist nicht für das Tragen von statischen Lasten im tiefen Sitz gemacht. Beim Aussitzen drückt das Reitergewicht genau auf den Bereich, in dem die Dornfortsätze (die knöchernen Ausläufer der Wirbel) am empfindlichsten sind.

Die Auswirkung: Durch das Entlasten wird verhindert, dass die Wirbel blockieren oder im schlimmsten Fall aufeinanderstoßen (Kissing Spines). Die Wirbelsäule kann im Trab frei nach oben und unten schwingen.

Der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi)

Dieser paarige Muskel verläuft links und rechts entlang der Wirbelsäule. Entgegen der häufigen Annahme ist er kein reiner Tragmuskel, sondern ein Bewegungsmuskel, der für den Vortrieb und das Biegen zuständig ist.

Die Auswirkung: Ist der Rückenmuskel durch ein plump einsitzendes Reitergewicht dauerhaft komprimiert, verkrampft er. Das Pferd hält den Atem an und drückt den Rücken weg. Im Leichten Sitz oder beim Leichttraben bekommt dieser Muskel die nötige Durchblutung, kann elastisch kontrahiert werden und das Pferd beginnt, den Rücken „herzugeben“ und den Hals vertrauensvoll nach vorne-unten zu dehnen (Vorwärts-Abwärts-Tendenz).

Das Nacken-Rückenband-System und die Bauchmuskeln

Pferde tragen das Reitergewicht biomechanisch über eine Art „Brückenkonstruktion“. Wenn der Rücken entlastet wird, wird die Bauchmuskulatur aktiviert. Sie zieht das Becken des Pferdes nach vorne-oben. Gleichzeitig spannt sich das Nacken-Rückenband, das vom Hinterhauptbein bis zum Kreuzbein verläuft.

Die Auswirkung: Diese Muskel-Band-Kette hebt den Pferderücken wie eine Hängebrücke an. Das Entlasten ermöglicht dem Pferd überhaupt erst, diese Brücke stabil und schmerzfrei zu halten.

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Nachteile: Der Preis der Entlastung

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Der größte Nachteil beim Leichttraben und insbesondere beim Leichten Sitz im Trab ist der Verlust an feinster Einwirkung.

Kontrollverlust ausgleichen: Modifizierte Hilfengebung

Um diesen Nachteil auszugleichen und das Pferd auch ohne tiefen Einsitz kontrolliert und formiert zu halten, müssen Schenkel- und Zügelhilfen angepasst werden.

Der feste Knieschluss ist tabu: Balance über die Wade

Viele Reiter neigen im Leichten Sitz dazu, sich mit den Knien am Sattel festzuklemmen. Das blockiert das Pferd in der Schulter.

Die Schenkelhilfe: Der Halt wird stattdessen über ein tief federndes Sprunggelenk und eine konstant anliegende, sanft umfassende Wade gesichert. Da du keine Gewichtshilfen über die Knochen geben kannst, wird die Wade zum primären Kommunikationsmittel. Sie treibt das Pferd sanft an den Zügel heran und rahmt es seitlich ein, damit es nicht schwankt.

Elastische Zügelhilfen aus dem Unterarm

Da sich dein Oberkörper im Leichten Sitz leicht nach vorne neigt oder sich beim Leichttraben auf und ab bewegt, besteht die Gefahr, dass die Reiterhand die Bewegung mitmacht und im Pferdemaul riegelt.

Die Zügelhilfe: Das Ellbogengelenk muss wie ein Stoßdämpfer funktionieren. Trotz deiner Körperbewegung muss die Verbindung zum Pferdemaul absolut ruhig und konstant bleiben. Da du das Pferd nicht „erfetten“ (mit dem Kreuz bremsen) kannst, erfolgen Paraden zum Einfangen des Tempos über feine, aufeinanderfolgende Impulse aus den Fingern und dem Handgelenk, niemals durch ein statisches Ziehen.

Die Stimme als Brücke

Wenn die feinen Hilfen des Beckens fehlen, ist die Stimme ein hervorragendes Werkzeug im Entlastungssitz. Ein tiefes, gedehntes „Schooo-ooh“ kann ein eiliges Pferd im Trab oft besser beruhigen und bremsen als ein Zügelzug, der ohne Kreuzhilfe ins Leere läuft.

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