Leichttraben vs. Aussitzen: Das ewige Dilemma im Trab
Der Trab ist für Reiterinnen und Reiter die sportlichste aller Gangarten. Da das Pferd sich in einem schwungvollen diagonalen Zweitakt bewegt, erzeugt jeder Tritt eine vertikale Stoßkraft. Um sich im Sattel mit dieser Bewegung zu arrangieren, stehen zwei klassische Techniken im Vordergrund: das Leichttraben und das Aussitzen.
Doch wie funktionieren beide Varianten fehlerfrei, wo liegen ihre Stärken und Schwächen – und gibt es eigentlich noch Alternativen?
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Elisa Pitkänen / Unsplash QuelleLeichttraben: Entlastung im Rhythmus
Beim Leichttraben fängt der Reiter nicht jeden Stoß im Sattel ab, sondern lässt sich bei jedem zweiten Hufschlag sanft aus dem Sattel nach oben federn. Wenn das andere diagonale Beinpaar auffußt, setzt man sich kontrolliert wieder hin.
Wie man den leichten Sitz richtig macht?
Der häufigste Fehler ist ein aktives, zu hohes Aufstehen aus den Steigbügeln („Aufstehen und Hinsetzen“). Richtig ist: Die Bewegung kommt aus dem Pferderücken. Der Schwung des Pferdes hebelt das Becken des Reiters leicht nach vorne-oben heraus. Der Reiter fängt diese Bewegung elastisch in den Knie- und Fußgelenken ab und lässt sich weich wieder in den tiefsten Punkt des Sattels gleiten. Wichtig ist zudem das Reiten auf dem richtigen Fuß: In Kurven steht man auf, wenn das äußere Vorderbein nach vorne greift.
Vor- und Nachteile beim Leichttraben
- Vorteile: Es schont den Pferderücken enorm, weshalb es die Methode der Wahl beim Warmreiten, für junge Pferde oder auf langen Strecken ist. Auch für den Reiter ist es deutlich weniger anstrengend und hilft, den eigenen Rhythmus zu finden.
- Nachteile: Da der Reiter die Hälfte der Zeit keinen direkten Gesäßkontakt zum Sattel hat, sind präzise Gewichts- und Kreuzhilfen (z. B. für schwierige Dressurlektionen) beim Leichttraben kaum möglich.
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Online-Werbung Reiten & PferdeAussitzen: Die maximale Verbindung
Beim Aussitzen bleibt das Gesäß des Reiters ununterbrochen tief im Sattel. Der Reiter „schluckt“ die Bewegung des Pferdes mit seinem eigenen Körper.
Wie Aussitzen richtig funktioniert?
Wer beim Aussitzen blockiert, fängt an zu kippeln und prellt dem Pferd in den Rücken. Das Geheimnis liegt in einer völlig losgelassenen Hüfte. Die Mittelpositur (Becken und unterer Rücken) muss elastisch der Vor-ZURÜCK-Auf-Ab-Bewegung des Pferderückens folgen, während der Oberkörper ruhig und aufrecht bleibt. Die Oberschenkel dürfen das Pferd nicht krampfhaft klammern, und die Absätze müssen locker nach unten federn.
Vor- und Nachteile beim Aussitzen
- Vorteile: Maximale Einwirkung. Nur wer fest und tief sitzt, kann feinste Gewichts- und Kreuzhilfen geben, das Pferd versammeln und anspruchsvolle Lektionen wie Traversalen oder die Piaffe einleiten.
- Nachteile: Es erfordert extrem viel Kraft, Koordination und Kondition vom Reiter. Sitzt der Reiter verkrampft aus, blockiert er den Pferderücken, was zu Verspannungen und langfristig zu gesundheitlichen Schäden beim Pferd führen kann.
Gibt es noch andere Methoden im Trab?
Neben den beiden klassischen Varianten gibt es im Reitsport noch zwei weitere, sehr etablierte Methoden, um den Trab zu reiten:
Der Entlastungssitz (Leichter Sitz im Trab)
Hauptsächlich aus dem Spring- und Geländereiten bekannt, wird diese Methode auch im Trab genutzt – besonders beim Reiten im Gelände oder beim Training auf der Rennbahn.
- So funktioniert es: Der Reiter nimmt das Gesäß komplett aus dem Sattel (etwas tiefer als beim Springen) und verlagert sein Gewicht komplett in die Steigbügel. Der Oberkörper neigt sich leicht nach vorne, die Hände gehen ein Stück Richtung Pferdehals mit.
- Der Zweck: Der Pferderücken wird zu 100 % von Reitergewicht befreit. Das Pferd kann sich völlig frei unter dem Reiter dehnen und vorwärtsmarschieren, ohne durch Gesäßdruck gestört zu werden.
Der „Remontensitz“ (Halbentlastungssitz)
Dies ist eine feine Zwischenstufe, die vor allem bei der Ausbildung junger Pferde (Remonten) eingesetzt wird.
- So funktioniert es: Der Reiter sitzt zwar im Sattel, entlastet aber die Hinterseite des Sattels, indem er den Oberkörper minimal (nur wenige Grad) vor die senkrechte Achse neigt und mehr Gewicht auf die Oberschenkel und Steigbügel verlagert.
- Der Zweck: Man behält mehr Verbindung zum Pferd als im reinen leichten Sitz, nimmt aber dennoch den Druck vom empfindlichen hinteren Teil des Pferderückens.
Resultat: Pauschale Antworten zum Trab gibt es nicht!
Es gibt kein pauschales „Besser“ oder „Schlechter“ zwischen Leichttraben und Aussitzen. Ein guter Reiter beherrscht beide Techniken und setzt sie taktisch klug ein: Leichttraben zur Entspannung, zum Aufwärmen und zur Schonung; Aussitzen und Entlastungssitz für die gezielte Arbeit, Versammlung und Geländephasen.
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