Die allererste Reitstunde: Aller Anfang beginnt am Boden
Der Tag der ersten Reitstunde ist für die meisten angehenden Reiterinnen und Reiter von einer Mischung aus riesiger Vorfreude und gespannter Nervosität geprägt. Viele stellen sich dabei vor, wie sie direkt in den Sattel schwingen und losreiten. Die Realität im Pferdesport sieht jedoch anders aus – und das aus gutem Grund: Reiten lernen beginnt immer am Boden, lange bevor der Fuß den Steigbügel berührt.
Hier erfährst du, wie der Ablauf deiner ersten Reitstunde aussieht, warum die Vorbereitung des Pferdes so wichtig ist und was es mit der geheimnisvollen „Longe“ auf sich hat.

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R. Vidmar (echonet)Pferd putzen ist der erste wichtige Schritt
In einer guten Reitschule steht das Pferd vor dem Reiten noch nicht fertig gesattelt in der Stallgasse. Stattdessen wirst du gemeinsam mit deinem Reitlehrer oder einer Betreuungsperson das Pferd putzen. Das hat zwei entscheidende Gründe:
- Beziehungsaufbau und Sicherheit: Pferde sind sensible Lebewesen. Das Putzen ist die perfekte Gelegenheit, um sich gegenseitig kennenzulernen. Du lernst, wie du dich sicher um das Pferd herum bewegst (z. B. dass man niemals dicht hinter das Pferd tritt, ohne mit ihm zu sprechen) und wie du seine Körpersprache (z. B. Ohren anlegen oder entspanntes Kauen) deutest.
- Gesundheitscheck: Beim Putzen wird das Fell von grobem Schmutz, Sand und Schweißresten befreit. Das ist keine reine Kosmetik: Bleibt Sand unter dem Sattel oder dem Gurt zurück, führt das beim Reiten zu schmerzhaften Scheuerstellen – ähnlich wie ein Stein im eigenen Wanderschuh.
Was du beim Putzen von Pferden lernst?
- Der Umgang mit den Bürsten: Du lernst, wann man den groben Striegel (für den Schlamm) und wann die weiche Kardätsche (für den Staub) benutzt.
- Hufe auskratzen: Eine der wichtigsten Lektionen überhaupt. Du lernst, wie du das Pferdebein sanft anhebst und den Huf mit dem Hufkratzer von Mist und Steinen befreist. Dabei sparst du den empfindlichen, weichen Strahl in der Mitte des Hufes sorgfältig aus.
Das „Anziehen“: Richtig Aufsatteln und Aufzäumen
Ist das Pferd sauber, folgt das gemeinsame Fertigmachen für die Stunde. Auch hier schaust du nicht nur zu, sondern lernst die Grundlagen der Ausrüstung:
- Das Aufsatteln: Zuerst wird die Satteldecke (Schabracke) auf den Pferderücken gelegt, danach folgt der Sattel. Du lernst, wie man den Sattel sanft auflegt, statt ihn auf den Rücken zu werfen, und wie man ihn exakt so platziert, dass die Schulter des Pferdes frei rotieren kann. Der Sattelgurt wird zunächst ganz locker geschlossen, damit das Pferd keine Beklemmungen bekommt.
- Das Aufzäumen: Die Trense (das Zaumzeug) erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Du lernst, wie man den Kehlriemen und den Nasenriemen öffnet, das Gebissstück vorsichtig ins Pferdemaul gleiten lässt – ohne gegen die Zähne zu schlagen – und das Genickstück sanft über die Ohren streift.
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Online-Werbung Reiten & PferdeWas ist eine Longe und wie läuft der Unterricht ab?
Nachdem das Pferd fertig vorbereitet ist, geht es endlich in die Reitbahn. In der allerersten Stunde wirst du fast immer an der Longe unterrichtet.
Was ist eine Longe? Eine Longe ist eine etwa 8 Meter lange, weiche Leine. Der Reitlehrer befestigt das eine Ende am Zaumzeug des Pferdes und hält das andere Ende in der Hand. Er steht in der Mitte der Bahn, während das Pferd auf einer großen Kreisbahn (dem sogenannten Zirkel) um ihn herumläuft.
Warum wird an der Longe unterrichtet?
Als Anfänger ist man mit der Gleichzeitigkeit der Aufgaben schlicht überfordert: Man muss das Gleichgewicht halten, das Pferd lenken, das Tempo bestimmen und auf den eigenen Körper achten.
Geniere dich nicht, denn "Longe"-Unterricht ist keine Aussage darüber, dass jemand etwas nicht kann. Der Unterricht an der Longe wird auch von Profis in Anspruch genommen, denn das ist der Bereich wo die Korrekturen von sich in der Alltagsreiterei einschleichenden Fehlern, durchgeführt werden. Es ist also keine Seltenheit, wenn man gute Reiterinnen und Reiter an der Longe sieht, es ist etwas, was eigentlich laufend wiederholt werden sollte.
An der Longe nimmt dir der Reitlehrer die Verantwortung für das Pferd komplett ab. Er steuert das Tempo (Schritt und meistens auch schon die ersten Meter Trab) und die Richtung über seine Stimme und eine lange Peitsche (die nur als optisches Signal dient).
Das passiert in deiner ersten Longenstunde
- Die Hände bleiben frei: Du hältst in der ersten Stunde meist noch keine Zügel. Stattdessen hältst du dich an einem speziellen Haltegurt am Sattel fest.
- Fokus auf die Balance: Du machst gymnastische Übungen im Sattel. Zum Beispiel die Arme kreisen lassen, die Fußspitzen kreisen lassen oder sich weit nach vorne und hinten legen. Das nimmt dir die Angst und zeigt dir, wie sich der Pferdekörper unter dir bewegt.
- Das Bewegungsgefühl: Du lernst das Gefühl kennen, wie der Pferderücken dich im Schritt sanft mitschwingen lässt und wie sich die Fliehkraft in den Kurven anfühlt. Wenn du dich sicher genug fühlst, lässt der Lehrer das Pferd für ein paar Runden antraben, damit du den Unterschied zwischen den Gangarten spürst.
Fazit der ersten Stunde
Nach etwa 30 Minuten auf dem Pferd (Longenunterricht ist durch die intensive Konzentration anstrengend!) wird abgesattelt. Die Longestunde dauert bei allen Reiterhöfen und Reitschulen, die wir gefragt haben, ungefähr diesen Zeitraum. Das fällt dir auch sicher schon auf, wenn du die Preisliste für den Reitunterricht einmal näher betrachtet hast. Eine Einzelstunde an der Longe (also 1 Reiter bzw. Reiterin + 1 Pferd + 1 Reitlehrer oder Reitlehrerin) wird selten länger als 30 Minuten, maximal 35 Minuten haben wir vereinzelt gesehen, dauern.
Du versorgst dein Pferd, bringst es zurück in die Box oder auf die Koppel und darfst ihm ein verdientes Leckerli geben.
Die wichtigste Erkenntnis deiner ersten Stunde wird sein: Reiten ist ein Teamsport. Wer den Respekt und die Pflege am Boden lernt, legt das perfekte Fundament, um später ein feinfühliger und sicherer Reiter im Sattel zu werden.
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