Der Weg zum guten Reiter: Wie hochwertiger Reitunterricht aufgebaut ist
Reiten ist ein faszinierender Sport, aber auch einer der anspruchsvollsten. Da wir unseren Sport mit einem Lebewesen ausüben, trägt der Reiter eine hohe Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit von Mensch und Tier. Ein strukturierter, professioneller Reitunterricht ist daher das Fundament für jeden, der fest und feinfühlig im Sattel sitzen möchte.
Doch wie erkennt man eine gute Reitschule, welche Qualifikationen sollte das Lehrpersonal mitbringen und wie sieht der rote Faden von der ersten Stunde bis zum fortgeschrittenen Reiten aus?

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R. Vidmar (echonet)Die Qualifikation: Welche Ausbildung sollte ein Reitlehrer haben?
In vielen Ländern ist der Begriff „Reitlehrer“ rechtlich nicht geschützt. Theoretisch darf sich jeder so nennen und Unterricht anbieten. Umso wichtiger ist es, auf offizielle Qualifikationen der nationalen Dachverbände (wie der FN in Deutschland oder dem OEPS in Österreich) zu achten.
Ein guter Trainer sollte mindestens eine der folgenden staatlich anerkannten oder verbandsgeprüften Ausbildungen vorweisen können:
- Trainer C / B / A (Breitensport oder Leistungssport): Dies sind die klassischen, stufenweise aufgebauten Trainerlizenzen des Verbandes. Ein Trainer C besitzt das Basiswissen für den Einstieg, während ein Trainer A die höchste Amateurlizenz für anspruchsvollen Unterricht hält.
- Pferdewirt (Fachrichtung Klassische Reitausbildung): Dies ist ein staatlicher Ausbildungsberuf. Wer diesen Titel trägt, hat eine dreijährige, harte Profi-Ausbildung absolviert und verfügt über tiefgehendes Wissen in Pferdepflege, Medizin, Biomechanik und Reitlehre.
- Pferdewirtschaftsmeister / Pferdewirt mit Schwerpunkt Trainer: Die höchste Stufe der professionellen Reiterausbildung.
Wichtig im Alltag: Neben den Lizenzen auf dem Papier zeichnet sich ein guter Reitlehrer durch Geduld, Empathie und ein geschultes Auge aus. Er schreit seine Schüler nicht an, erklärt das Warum hinter einer Hilfe und stellt das Wohl der Schulpferde immer an oberste Stelle.
Die erste Phase: Der Einstieg an der Longe
Niemand wird in der ersten Stunde in eine Gruppe geworfen und muss das Pferd sofort alleine lenken. Der klassische und sicherste Aufbau des Unterrichts beginnt im Einzelunterricht an der Longe.
- Was in den ersten Stunden passiert: Das Pferd läuft an einer langen Leine (Longe) im Kreis um den Reitlehrer. Der Lehrer kontrolliert Tempo und Richtung. Der Reitschüler hält noch keine Zügel, sondern meist einen Haltegurt.
- Das Lernziel: Der Fokus liegt zu 100 % auf dem Sitz und der Balance. Durch gymnastische Übungen (Arme kreisen, ohne Steigbügel reiten) lernt der Anfänger, locker mit der Bewegung des Pferdes mitzuschwingen, ohne Angst zu haben oder sich am Zügel festzuhalten. Auch das Putzen, Satteln und Trensen am Boden gehört in dieser Phase zwingend dazu.
Die zweite Phase: Die Abteilungs- und Gruppenstunden
Sobald der Reiter im Schritt und Trab ausbalanciert sitzt, die Grundlagen des Galopps kennengelernt hat und die ersten „Hilfen“ (Gewichts-, Schenkel- und Zügelzeichen) versteht, wechselt er in den Abteilungs- oder Gruppenunterricht.
- Was hier passiert: Mehrere Reiter (idealerweise nicht mehr als 4 bis 6) reiten gleichzeitig in der Bahn. In einer „Abteilung“ reiten die Pferde hintereinander her, was dem Anfänger die Lenkung erleichtert, da das Pferd dem Vordermann folgt. Später reiten alle „durcheinander“ (Gruppe), um Kollisionen selbstständig zu vermeiden.
- Das Lernziel: Hier lernt man das eigenständige Steuern des Pferdes. Wichtige Inhalte sind:
- Bahnfiguren: Das korrekte Reiten von Zirkeln, Volten oder Schlangenlinien.
- Bahnregeln: Wer hat Vorfahrt in der Reithalle? (z. B. "Linke Hand hat Vorfahrt").
- Bahnordnung: Den passenden Sicherheitsabstand zum Vordermann einhalten.
Die fortgeschrittene Phase: Feines Reiten und Spezialisierung
Wer die Grundlagen der Pferdekontrolle beherrscht, für den fängt das eigentliche Reiten oft erst an. In dieser Phase geht es weg vom bloßen „oben bleiben und lenken“ hin zur echten Gymnastizierung des Pferdes.
- Was zu einem späteren Zeitpunkt gelernt wird:
- Verfeinerung der Hilfen: Die Signale werden so minimal, dass sie für Außenstehende fast unsichtbar werden. Der Reiter lernt, das Pferd „über den Sitz“ zu reiten, statt über den Zügel.
- Komplexere Lektionen: Das Reiten von Übergängen (z. B. direkt vom Schritt in den Galopp), das korrekte Biegen und Stellen des Pferdes sowie erste Seitengänge (wie Schenkelweichen oder Schulterherein).
- Gefühl für den Takt: Der Reiter spürt genau, welcher Pferdehuf sich gerade vom Boden abhebt, und kann seine Hilfen auf den Bruchteil einer Sekunde exakt timen.
- Theorie und Horsemanship: Fortgeschrittene Reiter lernen immer mehr über die Anatomie des Pferdes. Sie verstehen, wie der Pferderücken arbeiten muss, um das Reitergewicht schadenfrei zu tragen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeWorauf sollte man bei der Wahl der Reitschule achten?
Guter Reitunterricht steht und fällt mit den Rahmenbedingungen. Achte bei der Besichtigung einer Reitschule auf folgende Punkte:
- Zustand der Schulpferde: Sind die Pferde gut genährt, haben sie glänzendes Fell und aufmerksam-freundliche Augen? Schulpferde, die stumpf, traurig oder aggressiv wirken, werden oft überfordert.
- Haltung der Tiere: Dürfen die Schulpferde regelmäßig zusammen auf die Koppel oder das Paddock, oder verbringen sie ihr Leben ausschließlich in dunklen Boxen und der Reithalle? Nur ein ausgeglichenes Pferd ist ein sicheres Lehrpferd.
- Passende Ausrüstung: Jedes Schulpferd braucht einen eigenen, passenden Sattel. Drückende Sättel führen zu Schmerzen und Abwehrverhalten des Pferdes.
- Sicherheit geht vor: Ein guter Reitlehrer besteht ab der ersten Minute auf einen passenden Reithelm und festes Schuhwerk mit Absatz (damit der Fuß nicht durch den Steigbügel rutscht).
Fazit: Reiten lernen ist ein lebenslanger Prozess. Ein qualifizierter Reitlehrer, der dich Schritt für Schritt von der Longe bis zum feinen, selbstständigen Reiten begleitet, ist der Schlüssel zu einem harmonischen und sicheren Hobby, das Mensch und Pferd gleichermaßen Freude bereitet.
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