Der große Insektenschutz-Vergleich fürs Pferd
Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, fliegen Mücken, Gnitzen, Bremsen und Zecken Großangriffe auf unsere Pferde. Der Markt für Insektensprays ist riesig, doch die Flut an Produkten verwirrt: Während die einen auf pure Chemie schwören, setzen andere auf die Kraft der Natur.
Damit du im Dschungel der Insektenschutzmittel den Durchblick behältst, haben wir die vier wichtigsten synthetischen Wirkstoffe sowie die beliebtesten pflanzlichen Alternativen unter die Lupe genommen. Wie wirken sie, was leisten sie und wie verträglich sind sie für die sensible Pferdehaut?
Synthetische Wirkstoffe im Vergleich
Synthetische Wirkstoffe basieren meist auf sogenannten Repellents (Abwehrmitteln), die das Orientierungssystem der Insekten stören, oder auf Insektiziden, die Schädlinge abtöten.
Icaridin (Der moderne Standard)
- Wirkungsweise: Icaridin legt sich als unsichtbarer, fast geruchloser Gasfilm über das Fell. Es blockiert die Geruchsrezeptoren der Insekten. Diese können die natürlichen Lockstoffe des Pferdes (wie Kohlendioxid und Schweiß) nicht mehr wahrnehmen – das Pferd wird quasi unsichtbar.
- Leistung: Extrem stark und zuverlässig gegen Bremsen, Stechmücken und Zecken. Hält im Ruhemodus (Weide) bis zu 6–8 Stunden, verfliegt bei starkem Schwitzen beim Reiten aber schneller.
- Hautverträglichkeit: Hervorragend. Icaridin gilt als einer der hautfreundlichsten Stoffe überhaupt, zieht kaum in die Haut ein und löst fast nie Allergien aus. Ein riesiger Pluspunkt: Es greift im Gegensatz zu DEET Kunststoffe und Leder nicht an.
DEET (Diethyltoluamid – Das Kraftpaket)
- Wirkungsweise: Funktioniert ähnlich wie Icaridin als Repellent, indem es die Duftrezeptoren der Insekten blockiert, riecht jedoch deutlich strenger.
- Leistung: Der absolute Goldstandard im tropischen Mückenschutz beim Menschen, der auch Pferden extremen Schutz vor aggressiven Bremsen und Mücken bietet. Die Wirkung hält oft über viele Stunden an.
- Hautverträglichkeit: Gut, sollte aber bei Pferden mit Ekzem oder Wunden vorsichtig dosiert werden, da es in geringen Mengen über die Haut resorbiert wird. Großer Nachteil: DEET ist ein Lösungsmittel. Es greift Kunststoffe, synthetische Stoffe und die Lackierung von Sätteln oder Trensen an und kann diese dauerhaft beschädigen.
R3535 (Ethylbutylacetylaminopropionat – Der Sanfte)
- Wirkungsweise: Dieser Wirkstoff ist strukturell einer natürlichen Aminosäure (Beta-Alanin) nachempfunden. Er wirkt rein abwehrend als Duftbarriere.
- Leistung: Bietet einen soliden, zuverlässigen Schutz vor Mücken, Fliegen und Zecken, schwächelt jedoch manchmal bei extrem aggressivem Bremsenbefall an schwülen Hochsommertagen.
- Hautverträglichkeit: Maximal verträglich. IR3535 wird sogar in Insektenschutzmitteln für Babys eingesetzt. Es ist extrem sanft zur Pferdehaut, brennt nicht und eignet sich perfekt für sensible Pferde, Fohlen oder den Kopfbereich (aufgetragen mit einem Schwamm).
Permethrin / Pyrethroide (Die Keule)
- Wirkungsweise: Hierbei handelt es sich um kein Repellent, sondern um ein Insektizid (Nervengift). Landet ein Insekt auf dem Pferd, nimmt es den Wirkstoff über die Beine auf und stirbt ab ("Knock-Down-Effekt"). Bekannt ist dieser Stoff vor allem aus medizinischen Lotionen (z. B. Wellcare).
- Leistung: Unschlagbar lang anhaltend (oft mehrere Tage bis Wochen, da es regenfest im Fell haftet). Es reduziert die Insektenpopulation am Pferd radikal.
- Hautverträglichkeit: Kann bei sensiblen Pferden zu Hautirritationen, Haarausfall oder Juckreiz führen. Da es sich um ein starkes Gift handelt, gelten strenge Anwendungsvorschriften. Wichtig für Katzenbesitzer: Permethrin ist für Katzen hochgradig giftig und kann für sie tödlich sein, wenn sie mit dem behandelten Pferd in Kontakt kommen!
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Online-Werbung Reiten & PferdePflanzliche Alternativen, Öle und Extrakte
Viele Reiter möchten auf Chemie verzichten und greifen zu biologischen Mitteln. Die Wirkung basiert hier fast immer darauf, den Eigengeruch des Pferdes durch eine extreme, pflanzliche Duftnote so zu überlagern, dass Insekten abgeschreckt werden.
Citriodiol / Eucalyptus Citriodora Öl
- Wirkung & Leistung: Gewonnen aus dem Zitroneneukalyptus, ist dies der wirksamste natürliche Insektenschutz. In Studien hält gutes Citriodiol oft mit synthetischen Stoffen wie Icaridin mithalten und wehrt Bremsen sowie Mücken für ca. 2 bis 4 Stunden erfolgreich ab.
- Hautverträglichkeit: Gut, kann aber in seltenen Fällen bei sehr empfindlicher Haut Augenreizungen verursachen, wenn es zu nah am Gesicht aufgetragen wird.
Teebaumöl, Nelkenöl und Neemöl
- Wirkung & Leistung: Diese ätherischen Öle riechen für Insekten (und oft auch für Menschen) extrem intensiv und unangenehm. Sie bieten einen kurzzeitigen, aber oft effektiven Schutz von 1 bis 2 Stunden, besonders beim Ausritt. Neemöl verhindert zudem die Eiablage von Parasiten.
- Hautverträglichkeit:Vorsicht vor dem Natur-Mythos! Ätherische Öle, allen voran reines Teebaumöl, besitzen ein enorm hohes Allergiepotenzial. Unverdünnt oder bei starker Sonneneinstrahlung können sie phototoxische Reaktionen (schwere Verbrennungen), Hautrötungen, Schuppenbildung und massiven Juckreiz auslösen. Sie sollten niemals unverdünnt auf die Pferdehaut aufgetragen werden.
Knoblauch (Als Futterzusatz)
- Wirkung & Leistung: Die Idee: Das Pferd frisst Knoblauch, scheidet die Schwefelverbindungen über die Haut aus und vertreibt Insekten. Wissenschaftliche Studien zeigen hierbei jedoch kaum eine messbare Wirkung auf Bremsen. Zudem verfliegt der Effekt komplett, sobald das Pferd schwitzt.
- Risiko: Knoblauch enthält Stoffe (N-Propyldisulfid), die bei Pferden in größeren Mengen die roten Blutkörperchen zerstören und zu einer Anämie (Blutarmut) führen können. Knoblauch sollte daher nur extrem sparsam oder gar nicht gefüttert werden.
Knoblauchspray (Äußerliche Anwendung auf dem Fell)
Neben der Fütterung nutzen viele Pferdebesitzer Knoblauch auch in flüssiger Form als Spray. Häufig werden dafür Knoblauchzehen ausgekocht, mit Wasser oder Essig vermischt und in Sprühflaschen abgefüllt.
- Wirkung & Leistung: Knoblauchspray ist ein reines Maskierungsmittel. Der extrem intensive, schwefelhaltige Eigengeruch des Knoblauchs soll den verlockenden Geruch des Pferdes (Schweiß und Kohlendioxid) übertönen. Gegen Fliegen und einige Mückenarten zeigt dieses Hausmittel durchaus einen kurzzeitigen Abschreckungseffekt. Gegen hungrige Bremsen im Hochsommer versagt der Schutz jedoch meist komplett, da Bremsen stark auf optische Reize (Bewegung, dunkle Flächen) und Körperwärme reagieren – da nützt auch der stärkste Knoblauchgeruch nichts. Zudem verfliegt die Wirkung extrem schnell, sobald das Pferd schwitzt oder es regnet.
- Hautverträglichkeit: Knoblauchsaft enthält scharfe, ätherische Komponenten. Bei unverdünnter Anwendung oder bei Pferden mit empfindlicher Haut (z. B. Schimmeln oder Ekzemern) kann Knoblauchspray Hautreizungen, Rötungen und starken Juckreiz auslösen. Besonders in Kombination mit praller Sonne kann die Haut chemisch gereizt werden.
- Der "Geruchs-Nachteil": Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Geruchsbelästigung. Der intensive Knoblauch-Essig-Geruch haftet extrem hartnäckig im Fell, an den Händen des Reiters und an der Ausrüstung. Zudem zieht der süßlich-scharfe Geruch in manchen Regionen ironischerweise andere Insektenarten (wie bestimmte Wespen- oder Fliegenarten) erst recht an.
Welcher Wirkstoff für welchen Zweck?
- Für das tägliche Training und die Weide ist Icaridin der ausgewogenste Allrounder: hochwirksam und absolut hautfreundlich.
- Für hochsensible Pferde und Ekzemer empfiehlt sich IR3535 oder ein gut formuliertes Produkt mit Citriodiol.
- Bei extremem Bremsendruck im dichten Wald leistet DEET die beste Arbeit, verlangt aber Vorsicht beim Sattelzeug.
- Gegen chronischen Parasitenbefall (z. B. bei Weidehaltung in Sumpfgebieten) bleibt oft nur der medizinische Weg über Permethrin.
- Ätherische Öle sind eine nette Ergänzung für kurze Ausritte, erfordern aber wegen des Allergierisikos einen achtsamen Umgang.
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