Schutz vor Plagegeistern: Ratgeber zum Fliegenschutz für Pferde
Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, beginnt für Pferde die ungemütliche Zeit der Insektenplage. Fliegen, Bremsen, Mücken und Kriebelmücken sind nicht nur extrem lästig und stressig für die Tiere, sondern können auch schmerzhafte Stiche, Allergien (wie das Sommerekzem) oder gefährliche Augenentzündungen hervorrufen.
Um dem Pferd den Koppelaufenthalt oder das Training so angenehm wie möglich zu machen, bietet der Markt eine Vielzahl an mechanischen Schutzmaßnahmen. Von Fliegenmasken über Decken bis hin zu Ohrenhauben – hier erfährst du, wie die verschiedenen Systeme wirken, wo ihre Nachteile liegen und worauf du beim Einsatz penibel achten musst.

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R. Vidmar (echonet)Fliegenmasken: Schutz für die sensiblen Augen und Ohren
Fliegenmasken bestehen meist aus einem stabilen, feinmaschigen Netzgewebe, das über den Pferdekopf gezogen und unter den Ganaschen mit Klettverschluss geschlossen wird. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen: nur für die Augen, mit integriertem Ohrenschutz oder sogar mit einer verlängerten Nase.
Wie Fliegenmasken wirken und was man beachten muß?
Fliegen lieben die Feuchtigkeit an den Augenwinkeln und den Nüstern der Pferde. Die Maske bildet eine unüberwindbare Barriere. Das feinmaschige Netz hält Insekten zuverlässig fern, während das Pferd dennoch problemlos hindurchsehen kann. Modelle mit UV-Schutz schützen zudem empfindliche, hellhäutige Pferde vor Sonnenbrand.
Nachteile und Risiken von Fliegenmasken
- Scheuerstellen: Sitzt die Maske zu eng oder sammelt sich Sand darunter, reibt das harte Netzgewebe schnell die Haare an den Augenbrauen, Jochenbeinen oder hinter den Ohren ab.
- Verletzungsgefahr durch Äste: Bleibt das Pferd im Gebüsch hängen, kann die Maske verrutschen. Schlimmstenfalls drückt das Netz dann direkt auf das Auge, statt es zu schützen.
- Eingeschränkte Sicht bei Dunkelheit: Bleiben die Masken über Nacht auf der Koppel, sehen Pferde bei Dämmerung deutlich schlechter.
Fliegendecken: Großflächiger Schutz für den Körper
Fliegendecken bestehen aus einem extrem leichten, atmungsaktiven und engmaschigen Netzstoff. Für besonders geplagte Pferde oder Ekzemer gibt es Modelle mit fest integriertem Halsteil, Bauchlatz und extra langem Schweiflätzchen. Ein moderner Trend sind Decken im Zebra-Look, da das Streifenmuster das Facettenauge von Bremsen verwirrt und sie seltener auf dem Pferd landen.
Funktionsweise der Fliegendecke
Die Decke verhindert mechanisch, dass stechende Insekten überhaupt an die Pferdehaut herankommen. Der Stoff ist so gewebt, dass der Rüssel einer Mücke oder Bremse nicht durch die Maschen dringen kann.
Nachteile und Risiken von Fliegendecken
- Hitzestau: Auch wenn die Decken als „hochgradig atmungsaktiv“ deklariert werden – an schwülen Hochsommertagen mit über 30 Grad schwitzen viele Pferde unter dem zusätzlichen Stoff. Schweiß zieht wiederum neue Insekten an.
- Verrutschen beim Wälzen: Legt sich das Pferd hin, wirken enorme Kräfte auf die Gurte. Sitzt die Decke nicht perfekt, rutscht sie in die Schieflage, schnürt die Schulter ein oder scheuert am Widerrist die Mähne ab.
Fliegenhauben (Fliegenohren): Der Schutz beim Reiten
Fliegenhauben bestehen meist aus einer Kombination aus gehäkeltem Stoff auf der Stirn und elastischem Stoff (wie Jersey) für die Ohren. Sie werden beim Reiten oder Fahren unter das Genickstück des Zaums gelegt.
Wirkung von Fliegenhauben
Sie schützen gezielt die empfindlichen Innenseiten der Pferdeohren vor Kriebelmücken. Das verhindert, dass das Pferd beim Reiten genervt mit dem Kopf schlägt (Headshaking), was die Konzentration und Sicherheit im Sattel massiv erhöht.
Nachteile einer Fliegenhaube beim Reiten
Auch beim Einsatz von Fliegenhauben gibt es Nachteile beim Reiten, die eine Reiterin und ein Reiter zumindest wissen und verstehen sollte. Denn konkret hat das auch Auswirkungen auf die Reiterei,
- Geräuschdämpfung: Manche Hauben (besonders sogenannte „Soundless-Hauben“ mit dickerer Fütterung) dämpfen die Umgebungsgeräusche. Was bei schreckhaften Pferden ein Vorteil sein kann, irritiert andere Pferde, da sie ihre Umwelt akustisch nicht mehr richtig wahrnehmen. Das kann auch dazu führen, dass ein plötzlicher visueller Reiz, der zuvor nicht akustisch wahrgenommen wurde, noch mehr erschreckend ist.
- Überhitzung der Ohren: Ist das Material nicht atmungsaktiv genug, schwitzen die Ohren stark, was wiederum Juckreiz auslöst.
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Online-Werbung Reiten & PferdeStört der Fliegenschutz das Pferd?
Die klare Antwort lautet: Anfangs ja, langfristig überwiegt der Nutzen.
Für ein Fluchttier ist es kontraintuitiv, sich die Sicht (durch eine Maske) oder das Tastgefühl der Haut (durch eine Decke) einschränken zu lassen. Manche Pferde reagieren beim ersten Aufsetzen einer Maske panisch, schütteln den Kopf oder versuchen, das Ding an den Beinen abzustreifen.
Die Wahrheit dazu ist: Probiere es einfach in einer sicheren Umgebung aus. Wenn du feststellst, dass es dein Pferd extrem irritiert, kannst du überlegen die Maske oder die Decke wieder wegzugeben. Die meisten Pferde reagieren aber auf diese Maßnahmen sehr gelassen. Sie verstehen zwar nicht, was es ist, aber sie nehmen es einfach zur Kenntnis.
Die meisten Pferde lernen jedoch extrem schnell, dass die Maske oder Decke Erleichterung bringt. Sie stehen spürbar ruhiger auf der Koppel und dösen, anstatt permanent mit dem Schweif zu schlagen und gestresst über die Weide zu rennen.
Checkliste für Reiterinnen und Reiter: Darauf musst du achten!
Damit der Fliegenschutz nicht zur Qual wird, solltest du folgende Kernpunkte beachten:
- Der Abstands-Check an den Augen: Das Netz einer Fliegenmaske darf niemals die Wimpern oder gar den Augapfel des Pferdes berühren. Es muss durch Abnäher oder eingearbeitete Bügel wie eine Kuppel über den Augen stehen. Berührt es das Auge, drohen schmerzhafte Bindehautentzündungen oder Hornhautschäden!
- Tägliche Kontrolle ist Pflicht: Eine Fliegenmaske oder -decke darf niemals tagelang unkontrolliert auf dem Pferd verbleiben. Nimm sie mindestens einmal täglich ab, um zu prüfen, ob sich darunter Dreck gesammelt hat, ob Scheuerstellen entstehen oder sich Zecken eingenistet haben.
- Hygiene ernst nehmen: Fliegenmasken verkrusten schnell durch Augensekret und Koppelstaub. Wasche sie regelmäßig per Hand oder im Schonwaschgang der Waschmaschine aus. Schmutzige Masken ziehen Bakterien an und bewirken das Gegenteil von Augenschutz.
- Die richtige Passform bei Decken: Die Decke darf an der Brust nicht spannen und am Widerrist keinen Druck ausüben. Teste die Passform, indem du das Pferd den Kopf zum Grasboden senken lässt – spannt sich der Stoff im Schulterbereich nun extrem an, ist die Decke zu klein oder falsch geschnitten.
Mechanischer Fliegenschutz ist in den heißen Monaten ein Segen für unsere Pferde. Wer auf die perfekte Passform achtet, die Ausrüstung täglich kontrolliert und sauber hält, schenkt seinem Vierbeiner eine stressfreie und entspannte Sommersaison.
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