Gebissscheiben: Der kleine Gummischutz mit großer Wirkung im Pferdemaul
Sie sind klein, bunt oder klassisch schwarz, bestehen meist aus elastischem Gummi oder Kunststoff und werden oft als bloßes Zubehör abgetan: Gebissscheiben (auch bekannt als Gebissringe oder Gummischeiben). Doch dieses unscheinbare Zubehörteil erfüllt am Pferdezaum eine wichtige Schutzfunktion und kann den Komfort für das Pferd erheblich steigern.
Wie Gebissscheiben genau wirken, bei welchen Zäumungen ihr Einsatz wirklich sinnvoll ist und wo auch Nachteile liegen können, erfährst du in diesem Ratgeber.
Nutzen: Was bringen Gebissscheiben?
Gebissscheiben werden links und rechts über das Mundstück geschoben und sitzen direkt zwischen dem Pferdemaul (den Mundwinkeln) und den äußeren Metallringen des Gebisses. Sie erfüllen primär drei Aufgaben:
- Schutz vor Einquetschen (Klemmschutz): Das ist ihr Haupteinsatzzweck. Bei Gebissen mit beweglichen Ringen kann es passieren, dass die empfindliche Haut der Mundwinkel in die Bohrung des Mundstücks hineingezogen und schmerzhaft eingeklemmt wird. Die Scheibe bildet hier eine mechanische Barriere.
- Verhindern des Durchziehens: Reagiert ein Pferd in einer brenzligen Situation nicht oder zieht der Reiter in einer engen Wendung zu stark an einem einzelnen Zügel, kann das gesamte Gebiss quer durch das Maul gezogen werden. Die Scheibe liegt flach an der Außenseite der Wange an und verhindert dieses Durchrutschen effektiv.
- Stabilisierung und Zentrierung: Sie halten das Gebiss ruhig und mittig im Pferdemaul. Das gibt dem Pferd mehr Konstanz und macht die Zügelhilfen für das Tier klarer und verständlicher.

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Melike B / Pexels QuelleAnwendung: Bei welchen Trensen und Kandaren sind sie sinnvoll?
Nicht jedes Gebiss benötigt oder verträgt Gebissscheiben. Hier gibt es klare Unterschiede:
Fälle in denen Gebissschreiben sinnvoll sind
- Der klassischen Wassertrense: Da die Ringe hier frei durch das Mundstück laufen, ist das Risiko von eingezwickter Haut am höchsten. Hier sind Gebissscheiben der perfekte Problemlöser.
- Aufziehtrensen oder 3-Ring-Trensen: Auch bei diesen Modellen haben die Ringe oft viel Spiel, wodurch Reibung und Druck an den Mundwinkeln entstehen können.
Wann Gebissschreiben eher überflüssig sind
- Olivenkopf-, D-Ring- oder Schenkeltrensen: Bei diesen Modellen ist der Übergang vom Mundstück zum Ring fest verschweißt oder anatomisch so geschlossen, dass die Ringe nicht gleiten. Ein Einquetschen ist hier konstruktionsbedingt fast unmöglich. Scheiben schaden hier zwar meist nicht, bieten aber kaum funktionalen Mehrwert.
Ungeeignet / Nicht sinnvoll
- Der Kandare: Bei einer klassischen Dressurkandare haben Gebissscheiben nichts zu suchen. Die Kandare besitzt starre Anzüge (Ober- und Unterbäume), die extrem präzise am Pferdekopf liegen müssen. Gummischeiben würden hier die feine Mechanik blockieren, die Oberbäume nach außen drücken und das zusätzliche Unterlegtrensen-Gebiss behindern. Zudem ist im Dressursport auf Kandare der Einsatz von Gebissscheiben laut Leistungsprüfungsordnung (LPO) auf Turnieren in der Regel verboten.
Nachteile und Risiken von Gebissscheiben
Obwohl sie als Schutz dienen, bringen Gebissscheiben bei falscher Anwendung auch Nachteile mit sich:
- Verengung des Gebisses: Eine Gebissscheibe hat eine gewisse Materialdicke (meist zwischen 0,5 und 1 cm pro Seite). Wenn du Scheiben auf ein Gebiss ziehst, das dem Pferd ohnehin schon haargenau passt, wird das Gebiss dadurch zu schmal. Die Scheiben drücken dann permanent schmerzhaft gegen die Außenseite der Mundwinkel und erzeugen extremen Druck.
- Reibung bei ungenügendem Speichelfluss: Genau wie Gummigebisse können auch Gummischeiben im trockenen Zustand auf der Pferdehaut bremsen und scheuern (Radiergummi-Effekt).
- Grobere Hilfengebung: Durch die feste Begrenzung an den Wangen wird die Zügelhilfe etwas großflächiger übertragen. Was bei jungen Pferden als Führungshilfe gewünscht ist, kann bei sehr fein ausgebildeten Pferden die Präzision der Hilfen leicht schwammig machen.
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Damit die Gebissscheiben dem Pferd helfen und nicht schaden, solltest du diese Praxistipps beachten:
- Das Gebiss eine Nummer größer wählen: Wenn du planst, dein Pferd dauerhaft mit Gebissscheiben auf einer Wassertrense zu reiten, kaufe das Gebiss 0,5 bis 1 Zentimeter breiter als normal. Nur so gleichst du den Platz aus, den das Gummi links und rechts einnimmt.
- Die Dehnbarkeit nutzen beim Aufziehen: Das Aufziehen von engen Gummischeiben über große Gebissringe kann frustrierend sein. Der Trick: Lege die Scheiben vorher für einige Minuten in kochend heißes Wasser. Das Gummi wird dadurch extrem elastisch. Wenn du nun zwei Schlaufen aus Paketband oder zwei Hufkratzer durch das Loch fädelst, kannst du die Scheibe mit etwas Kraft spielend leicht über den Ring ziehen.
- Auf Sauberkeit achten: Unter den Scheiben sammeln sich gerne Futterreste, Speichel und Haare. Nimm die Scheiben beim Reinigen des Zaums regelmäßig leicht beiseite (oder schiebe sie auf die Mitte des Gebisses), um den Bereich gründlich mit warmem Wasser von verkrusteten Resten zu befreien. Trockener Schmutz unter dem Gummi wirkt wie Schmirgelpapier!
- Turnierregeln prüfen: Wenn du Turniere reitest, wirf vor dem Start immer einen Blick in das aktuelle Regelwerk (z. B. LPO). Während Gebissscheiben im Springen und in der Vielseitigkeit meist völlig problemlos erlaubt sind, gelten in reinen Dressurprüfungen oft strenge Einschränkungen bezüglich Farbe, Form oder der generellen Erlaubnis.
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