Überblick über Zäumungen, Gebisse und Materialien
Die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdekopf ist eines der sensibelsten Elemente im Reitsport. Die Wahl der richtigen Zäumung und des passenden Gebisses entscheidet maßgeblich darüber, wie feinfühlig, präzise und vor allem schmerzfrei die Kommunikation zwischen Mensch und Tier funktioniert.
Für Einsteiger wirkt der Markt oft unübersichtlich: Von der klassischen Trense über scharfe Kandaren bis hin zu modernen, gebisslosen Alternativen ist die Auswahl riesig. Dieser Artikel gibt einen ersten Überblick über die wichtigsten Zäumungsarten und erklärt, wie die verschiedenen Materialien im Pferdemaul wirken.

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Julien Mussard / Unsplash QuelleDie wichtigsten Zäumungen im Vergleich
Bevor wir in zukünftigen Artikeln tief in die jeweiligen Modelle eintauchen, folgt hier die grundlegende Unterscheidung der vier wichtigsten Zäumungskategorien:
Trense (ganz Generell)
Der Begriff „Trense“ (oder Trensenzaum) bezeichnet das komplette Kopfstück aus Leder oder Synthetik, das dem Pferd angelegt wird. Es besteht aus dem Genickstück, den Backenstücken (die das Gebiss halten), dem Stirnriemen und meist einem Reithalfter (Nasenriemen). Die Trense ist der absolute Allrounder im Reitsport – von der Ausbildung junger Pferde bis hin zum Spring- und Freizeitreiten.
Wassertrense
Die Wassertrense ist die am häufigsten verwendete Gebissform innerhalb eines Zaums.
- Das Merkmal: Sie besitzt bewegliche, runde Ringe an den Außenseiten. Das Gebiss selbst kann einfach gebrochen (mit einem Gelenk in der Mitte) oder doppelt gebrochen (mit einem flachen Mittelstück) sein.
- Die Wirkung: Zügelhilfen werden direkt und ohne Hebelwirkung auf die Zunge und die Laden (die zahnfreie Kante des Unterkiefers) des Pferdes übertragen. Durch die beweglichen Ringe kann das Pferd das Gebiss im Maul leicht anheben, was den Druck minimiert.
Kandare
Die Kandare ist eine fortgeschrittene Zäumung, die vor allem in der höheren Dressur (ab Klasse L/M) oder im Westernreiten (Bit) genutzt wird.
- Das Merkmal: Ein Kandarenzaum kombiniert ein starres Stangengebiss mit seitlichen Metallanzügen (Hebeln) und einer Kinnkette sowie einem zusätzlichen, dünnen Unterlegtrensen-Gebiss. Der Reiter reitet hierbei mit zwei Zügelpaaren.
- Die Wirkung: Durch die Anzüge entsteht bei Zügelzug eine massive Hebelwirkung. Der Druck wird nicht nur im Maul, sondern auch auf das Genick und über die Kinnkette auf den Unterkiefer des Pferdes übertragen. Die Kandare gehört ausschließlich in sehr erfahrene, feinfühlige Reiterhände.
Gebisslose Halfter und Zäumungen (z.B. Sidepull, Hackamore)
Wie der Name sagt, kommt hierbei überhaupt kein Metall oder Kunststoff in das Innere des Pferdemauls.
- Das Merkmal: Die Zügel werden an Ringen befestigt, die direkt am Nasenriemen des Halfters sitzen.
- Die Wirkung: Die Signale werden über Druck auf den Nasenrücken, die Ganaschen oder das Genick übertragen. Sie eignen sich hervorragend für Pferde mit Zahnproblemen, empfindlichem Maul oder für das entspannte Freizeitreiten.
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Online-Werbung Reiten & PferdeMaterialkunde bei Pferdegebissen: Was bezwecken die Unterschiede?
Nicht nur die Form des Gebisses ist entscheidend, sondern auch das Material, auf dem das Pferd kaut. Die Wahl des Materials beeinflusst das Gewicht, die Temperatur im Maul und die Bereitschaft des Pferdes, das Gebiss anzunehmen (die Kautätigkeit).
Metall: Der haltbare Klassiker
Metallgebisse sind extrem langlebig, hygienisch und präzise. Allerdings gibt es feine Unterschiede in den Legierungen:
- Edelstahl: Sehr robust, rostfrei und geschmacksneutral. Nachteil: Edelstahl fühlt sich im Winter im Pferdemaul zunächst sehr kalt an und regt den Speichelfluss von Natur aus nicht besonders an.
- Kupfer / Messing-Legierungen (z. B. Aurigan, Sensogan, Sweet Copper): Diese modernen High-Tech-Metalle haben einen hohen Kupferanteil. Kupfer oxidiert im Pferdemaul ganz leicht durch den Speichel. Dieser süßliche Geschmack schmeckt den meisten Pferden hervorragend. Es regt die Kautätigkeit an, wodurch das Pferd den Unterkiefer entspannt und die Hilfen besser annimmt.
Kunststoff und Gummi: Fokus auf Weichheit
Kunststoff- und Gummigebisse werden häufig für sehr sensible Pferde, junge Remonten oder Pferde genutzt, die Metall im Maul ablehnen.
- Kunststoff (z. B. Apple Mouth, Nathe): Diese Gebisse sind oft flexibel und nehmen die Körperwärme des Pferdes extrem schnell an. Viele Modelle sind mit einem leichten Apfelgeschmack aromatisiert, um die Akzeptanz zu erhöhen. Sie gleiten sanft über die Zunge.
- Gummi: Sehr weich und dick. Achtung bei der Wirkung: Gummi hat im trockenen Pferdemaul einen sogenannten „Radiergummieffekt“. Wenn das Pferd zu wenig speichelt, kann Gummi auf der Zunge stumpf reiben und zu Verbrennungen führen. Zudem kauen manche Pferde Gummi- oder Kunststoffgebisse im Laufe der Zeit mit den Backenzähnen durch – eine regelmäßige Kontrolle ist hier Pflicht.
Leder: Die sanfte, natürliche Alternative
Ein echtes Nischenprodukt, das aber immer mehr Fans gewinnt. Ledergebisse bestehen aus einem Kern (meist aus Nylon oder einem dünnen Draht), der fest mit gegerbtem Leder ummantelt ist.
- Der Zweck: Leder saugt sich im Maul mit Speichel voll. Es wird dadurch extrem weich, biegsam und passt sich der Anatomie des Pferdemaulels perfekt an. Es bietet einen sehr natürlichen Geschmack und wird von fast allen Pferden extrem gerne getragen.
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