Der Reithelm: Lebensretter mit Stil
Ein einziger unbedachter Moment, ein plötzlicher Erschrecken des Pferdes oder ein Stolpern im Gelände: Im Reitsport gehört der Sturz zum Risiko dazu. Da der Kopf des Reiters dabei der verletzlichste Punkt ist, gehört der Reithelm zur absoluten Grundausstattung – ganz egal, ob im Profiparcours oder beim gemütlichen Freizeitritt.
Moderne Reithelme sind längst keine klobigen Ungetüme mehr, sondern hochentwickelte High-Tech-Produkte, die maximale Sicherheit mit Leichtigkeit, Belüftung und modernem Design verbinden.

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R. Vidmar (echonet)Der Sicherheitsaspekt: Warum eine Reitkappe unverzichtbar ist
Pferde sind Fluchttiere, die aus dem Stand auf enorme Geschwindigkeiten beschleunigen oder unvorhersehbare Haken schlagen können. Ein Sturz aus einer Höhe von rund 1,50 bis 2 Metern (Rückenhöhe plus Oberkörper des Reiters) auf harten Hallenboden oder steinigen Waldboden kann ohne Schutz fatale Folgen haben.
Ein moderner Reithelm schützt das Gehirn und die Schädeldecke durch zwei Hauptmechanismen:
- Die Außenschale verteilt die punktuelle Wucht des Aufpralls (z. B. durch einen Pferdehuf oder einen Stein) auf eine größere Fläche.
- Die Innenschale (meist aus expandiertem Polystyrol, EPS) komprimiert sich beim Aufprall gezielt. Sie wirkt wie die Knautschzone beim Auto und schluckt die gefährliche Bewegungsenergie, bevor sie das Gehirn erreicht.
Wichtig zu wissen: In der EU müssen Reithelme strengen Sicherheitsnormen entsprechen (aktuell erkennbar an der Zertifizierung VG1 01.040 2014-12). Achten Sie beim Kauf zwingend auf dieses CE-Zeichen. Viele moderne Helme verfügen zudem über das MIPS-System (Multi-Directional Impact Protection System), eine bewegliche Innenschale, die gefährliche Rotationskräfte bei einem schrägen Aufprall minimiert.
Materialbeschaffenheit und Helmarten
Reithelme lassen sich grob in zwei Materialkonstruktionen unterteilen:
Hartschalen-Helme (Hardshell)
Hierbei wird eine extrem robuste, dicke Außenschale (oft aus spritzgegossenem Kunststoff oder Carbon) mit der EPS-Innenschale verklebt.
- Vorteile: Extrem widerstandsfähig gegen Durchstiche und Kratzer. Sie sind der klassische Fels in der Brandung.
- Nachteile: Meist etwas schwerer und oft weniger filigran belüftet.
In-Mold-Helme
Bei diesem Verfahren werden Außen- und Innenschale unter hohem Druck und Hitze direkt miteinander verschmolzen.
- Vorteile: Diese Helme sind federleicht und ermöglichen durch die Konstruktion riesige, aerodynamische Belüftungsschlitze – perfekt für heiße Sommertage.
- Nachteile: Die dünnere Außenschale verkratzt etwas leichter.
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Online-Werbung Reiten & PferdeHaltbarkeit: Wann muss der Helm ausgetauscht werden?
Ein Reithelm hat kein unbegrenztes Leben. Es gibt zwei goldene Regeln für den Austausch:
- Nach jedem Sturz: Auch wenn der Helm von außen unbeschädigt aussieht – die Innenschale kann Mikrorisse haben oder bereits komprimiert sein. Bei einem zweiten Sturz bietet sie keinerlei Schutz mehr. Der Helm hat seinen Job einmalig erledigt und muss sofort ersetzt werden.
- Nach 3 bis 5 Jahren: Selbst ohne Sturz altern die Kunststoffe und die EPS-Innenschale durch UV-Strahlung, Schweiß und Temperaturschwankungen. Das Material wird spröde und verliert seine Elastizität. Nach spätestens fünf Jahren regelmäßiger Nutzung gehört ein neuer Helm auf den Kopf.
Unterschiedliche Ausführungen für jede Disziplin
Reithelme unterscheiden sich heute auch optisch und funktional je nach Einsatzbereich:
- Der klassische Turnierschnitt: Oft mit edlem Samt-, Nubukleder- oder Glitzerbezug. Sie wirken elegant und sind meist traditionell dunkel (Schwarz, Dunkelblau) gehalten.
- Polo- / Vielseitigkeitshelme: Diese Modelle besitzen ein auffällig breites Visier (oft „Polo-Schirm“ genannt). Im Gelände schützt diese breite Krempe das Gesicht vor tiefhängenden Ästen und blendender Sonne.
- Freizeit- / Trailhelme: Extrem sportliche Optik, die stark an Fahrradhelme erinnert, mit maximaler Belüftung und oft matten, unempfindlichen Oberflächen.
Kann man andere Helme (z.B. Fahrrad- oder Skihelme) zum Reiten nutzen?
Ein klares Nein. Es ist eine gefährliche Fehlannahme, dass ein Fahrrad- oder Skihelm beim Reiten denselben Schutz bietet. Die Helme sind auf völlig unterschiedliche Sturzszenarien genormt:
- Fahrradhelme sind für Stürze in der Vorwärtsbewegung (vor allem auf den Asphalt) optimiert. Sie lassen den empfindlichen Hinterkopf oft weitgehend frei. Beim Reiten stürzt man jedoch häufig nach hinten oder zur Seite. Zudem schützt ein Fahrradhelm durch seine großen Öffnungen nicht vor dem spitzen Huf eines Pferdes.
- Skihelme sind für extreme Kälte und den Aufprall auf Schnee und Eis ausgelegt, bieten aber im Sommer im stickigen Pferdestall keinerlei Klimaregulierung und sind für die Reitnorm nicht getestet.
Richtigen Helm finden und Größe ermitteln
Ein Reithelm schützt nur dann optimal, wenn er perfekt auf dem Kopf sitzt. Er darf weder drücken noch bei Bewegung wackeln.
Schritt 1: Den Kopfumfang messen
Nehmen Sie ein flexibles Maßband und legen Sie es an der breitesten Stelle des Kopfes an – etwa einen Zentimeter oberhalb der Augenbrauen und der Ohren einmal horizontal um den Hinterkopf herum.
- Messen Sie beispielsweise 56 Zentimeter, ist Ihre Helmgröße die 56 (bzw. M bei verstellbaren Systemen).
Schritt 2: Der Anprobe- und Schütteltest im Fachgeschäft
Viele moderne Helme haben am Hinterkopf ein kleines Rädchen (Drehradsystem), mit dem sich der Helm millimetergenau an den Umfang anpassen lässt. Dennoch muss die Grundform (eher rund oder eher oval) zu Ihrer Kopfform passen.
- Der Positionstest: Der Helm muss waagerecht auf dem Kopf sitzen. Er darf nicht in den Nacken rutschen und die Stirn nicht komplett freilegen. Die Vorderkante sollte etwa ein bis zwei Fingerbreit über den Augenbrauen enden.
- Der Schütteltest: Setzen Sie den Helm auf und schließen Sie den Kinnriemen zunächst nicht. Beugen Sie sich nun leicht nach vorne und schütteln Sie sanft den Kopf. Wenn der Helm jetzt vom Kopf rutscht oder wackelt, ist er zu groß oder passt nicht zu Ihrer Kopfform. Ein perfekt sitzender Helm hält auch ohne geschlossenen Riemen allein durch die Passform am Kopf.
- Der Drucktest: Tragen Sie den Helm im Laden ruhig fünf bis zehn Minuten. Wenn Sie danach rote Druckstellen an der Stirn haben oder Kopfschmerzen spüren, ist der Helm zu eng.
Zusammengefasst - für den Reithelm gilt...
Niemals beim Reithelm sparen. Ein relativ sicherer Reithelm ist im Fachhandel irgendwo zwischen 80 und 150 Euro zu erstehen, das ist jene Preisklasse, die du auch Online findest. Der Reithelm ist deine Lebensversicherung und die Investition in den Reithelm rechnet sich an dem Tag, an dem du mit dem Pferd erstmals stürzt. "Mir passiert schon nichts" ist keine Aussage von guten Reitern. Wer noch nicht vom Pferd gefallen ist, ist gar noch nicht Reiterin oder Reiter geworden.
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