Reithose: Funktionelles Textil für maximalen Halt im Sattel
Wer schone einmal in einer normalen Jeans oder Jogginghose aufs Pferd gestiegen ist, merkt schnell: Das ist nicht nur unbequem, sondern schmerzhaft. Die dicken Nähte an der Innenseite der Oberschenkel scheuern die Haut wund, und der glatte Stoff rutscht auf dem Sattelleder unkontrolliert hin und her.
Die Reithose ist das funktionelle Herzstück der Reiterbekleidung. Sie muss hochelastisch sein, darf keine reibenden Nähte an den Kontaktpunkten zum Sattel besitzen und sorgt durch ihren speziellen Besatz für die nötige Haftung. Von der klassischen Vollbesatzhose bis zur modernen Reitleggings hat sich in den letzten Jahren eine enorme Vielfalt auf dem Markt entwickelt.
Reithosen-Material: Elastisch und robust
Moderne Reithosen müssen extremen Belastungen standhalten. Sie werden gedehnt, reiben permanent am Leder, kommen mit Pferdeschweiß, Schmutz und Haaren in Kontakt und müssen unzählige Male gewaschen werden.
Heute kommen vor allem High-Tech-Mischgewebe zum Einsatz:
- Polyamid (Nylon) und Polyester: Sorgen für die extreme Reißfestigkeit und Formbeständigkeit der Hose. Sie machen das Gewebe strapazierfähig und schmutzabweisend.
- Elastan (Spandex): Der wichtigste Zusatz. Erst durch einen hohen Elastan-Anteil (meist zwischen 5 % und 15 %) wird die Hose im Vier-Wege-Stretch elastisch genug, um jede Bewegung beim Aufsteigen, im leichten Sitz oder beim Aussitzen mitzumachen.
- Baumwolle-Mix: Viele klassische Modelle nutzen einen Baumwollanteil für ein besonders hautfreundliches, natürliches Tragegefühl, weichen im Sportbereich jedoch immer mehr den reinen Funktionsfasern (Mikrofasern) aus, da diese schneller trocknen und atmungsaktiver sind.
- Softshell: Für den Winter gibt es spezielle Reithosen mit einer Softshell-Außenseite (wind- und wasserabweisend) und einer wärmenden Fleece-Innenseite.

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R. Vidmar (echonet)Die Wissenschaft des Besatzes: Grip, Leder & Co.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal bei Reithosen ist der Besatz – also das Material an den Stellen, die direkt am Sattel anliegen. Hier entscheidet sich, wie viel Haftung der Reiter hat.
Besatz-Arten nach Material
- Der klassische Kunstlederbesatz (Alcantara / Synthetikleder): Jahrzehntelang der unangefochtene Standard. Hierbei werden strapazierfähige Stoffbahnen aus lederähnlichem Material auf die Hose genäht.
- Eigenschaften: Er bietet einen soliden, gleichmäßigen Halt und macht die Hose an den beanspruchten Stellen extrem langlebig. Allerdings schränken diese festen Stoffbahnen die Dehnbarkeit der Hose ein wenig ein und sind im Sommer recht warm.
- Der moderne Grip-Besatz (Silikon-Grip): Der absolute Trend der letzten Jahre. Hierbei wird flüssiges Silikon in Form von Mustern (z. B. kleinen Punkten, Waben oder Markenlogos) direkt auf den elastischen Hosenstoff aufgedruckt.
- Eigenschaften: Unschlagbarer Halt. Silikon „klebt“ quasi am Sattelleder, was vielen Reitern enorme Sicherheit gibt. Da kein schweres Zusatzmaterial vernäht werden muss, bleibt die Hose federleicht, maximal elastisch und hochatmungsaktiv. Nachteil: Bei sehr empfindlichen Pferden oder Sätteln kann ein zu starker Grip zu Quietschgeräuschen oder Abrieb am Sattel führen.
- Echtlederbesatz: Kommt heute fast nur noch bei extrem hochwertigen Maßanfertigungen oder im traditionellen Jagdreiten vor. Er ist extrem langlebig, wird aber beim Waschen ohne Spezialwaschmittel schnell steif.
Besatz-Formen: Vollbesatz vs. Kniebesatz
- Vollbesatz (Fullseat): Der Besatz reicht vom Gesäß über die Oberschenkelinnenseite hinab bis zum Wadeansatz. Er bettet den Reiter fest im Sattel ein und ist besonders in der Dressur beliebt, wo ein absolut ruhiger, tief einsitzender Sitz gefordert ist.
- Kniebesatz (Kneepatch): Der Besatz befindet sich ausschließlich an der Innenseite der Knie. Das Gesäß bleibt frei. Diese Form ist der Standard im Springreiten. Da der Reiter hier oft im leichten Sitz steht, braucht er keinen Halt am Gesäß, benötigt aber maximale Freiheit, um die Hüfte und das Becken über dem Sprung flexibel zu bewegen.

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Luka Vovk / Unsplash QuelleDigitale Plakatwand

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Die Passform und der Schnitt von Reithosen haben sich im Laufe der Jahrzehnte drastisch verändert – angepasst an den Komfort der Reiter und die Evolution der Reitstiefel.
Klassische Stiefelreithose mit engem Beinabschluss
Der zeitlose Allrounder. Diese Hose sitzt knackig eng am gesamten Bein.
- Die Beinform-Entwicklung: Früher endete diese Hose knapp über dem Knöchel mit einem dicken Klettverschluss. Dieser drückte in engen Reitstiefeln oft schmerzhaft auf den Knochen. Moderne Stiefelreithosen haben diesen Klettverschluss komplett verbannt. Sie besitzen heute einen elastischen Beinabschluss aus dünnem Mesh- oder Stretchmaterial (Socken-Optik). Man gleitet damit spielend leicht und ohne Druckstellen in den Stiefel.
Jodhpurreithose - Unten ausgestellt
Die Jodhpurhose ist die traditionelle Hose für Freizeitreiter, Wanderreiter und Islandpferdereiter.
- Die Beinform: Im Gegensatz zur Stiefelreithose ist sie ab dem Knie gerade oder im Bootcut-Style leicht ausgestellt geschnitten. Sie wird über kurzen Stiefeletten getragen. Damit das Hosenbein beim Reiten nicht nach oben rutscht, besitzt sie am Saum einen elastischen Gummi-Steg, der unter die Sohle der Stiefelette gezogen wird. Sie wird fast immer mit Vollbesatz gefertigt und bietet maximalen Komfort, wenn man im Stall auch viel laufen muss.
Reitleggings ("Riding Tights")
Natürlich muss bei einem aktuellen Trend auch ein Anglizismus her - also, der neueste Schrei bei den Reithosen sind die "Riding Tights", zu deutsch "Reitleggings". Es ist die jüngste und revolutionärste Entwicklung auf dem Markt. Die Reitleggings funktioniert wie eine Sport- oder Yoga-Leggings, ist jedoch mit einem Grip-Besatz ausgestattet.
- Die Beinform: Ultra-eng, hochelastisch und figurbetont. Sie verzichtet komplett auf feste Knöpfe, Reißverschlüsse oder Gürtelschlaufen und besitzt stattdessen einen breiten, komfortablen Elastikbund (High-Waist). Sie bietet den höchsten Tragekomfort im Sommer und hat das Bild des modernen Freizeitreiters komplett verändert. Meist verfügt sie über praktische seitliche Handytaschen am Oberschenkel.
Klassische Farben: Die Turnierreithose
Kein eigenes Modell bezüglich der Form, sondern eine funktionelle Sonderform für den Wettkampf.
- Die Merkmale: Sie ist rein weiß oder cremefarben. Die größte Herausforderung bei Turniershosen ist die Blickdichte. Da die Hosen weiß sind, verwenden Hersteller hier meist etwas dickere, blickdichte Funktionsstoffe, damit sich die Unterwäsche nicht abzeichnet. Auch der Besatz (ob Leder oder Grip) ist hierbei in der Regel komplett weiß.
Was du nun wissen soltest?
Die perfekte Reithose richtet sich nach deinen Vorlieben und deiner Disziplin. Springreiter greifen meist zur Kniebesatzhose, Dressurreiter lieben den stabilen Vollbesatz. Ob du dich dabei für die klassische, feste Stiefelreithose oder die ultra-bequeme Reitleggings entscheidest, bleibt deinem Komfortgefühl überlassen – Hauptsache, die Nähte bleiben aus dem Spiel und der Halt im Sattel stimmt!
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