Der Weg zum perfekten Reitstiefel: Richtig Maß nehmen
Einen passenden Lederreitstiefel zu finden, gleicht oft der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Da jeder Mensch eine völlig individuelle Kombination aus Schuhgröße, Wadenumfang und Beinlänge besitzt, gleicht ein guter Stiefel von der Stange heute fast einer Maßanfertigung. Sitzt der Stiefel zu locker, rutscht er und bietet keinen Halt; ist er zu eng, schnürt er das Blut ab; ist er zu lang, drückt er schmerzhaft in die Kniekehle.
Damit der Stiefelkauf im Fachgeschäft oder beim Online-Sattler zum Erfolg wird, müssen Sie vorab präzise Maß nehmen und die technischen Details wie Reißverschlüsse, Schnürungen und Druckknöpfe genau unter die Lupe nehmen.
Vermessung: Wo und wie wird am Bein gemessen?
Um Ihre Stiefelmaße zu ermitteln, benötigen Sie ein flexibles Schneider-Maßband, Ihre normale Reithose und die Socken, die Sie üblicherweise im Stall tragen.
Die goldene Regel: Miss niemals ganz allein und übrigens auch nicht in der Früh. Bitte immer eine zweite Person um Hilfe, alleine geht es einfach nicht. Warum? Ganz einfach: Wer sich beim Abmessen bücken muss, spannt Muskelpartien an, die im Stehen anders gelagert sind und verfälscht daher die Abmessung. Außerdem sind die Beine am Nachmittag und Abend - und ehrlich gesagt, reiten wir zu dieser Zeit wohl häufiger als in der Früh - anders.
Wenn keine zweite Person verfügbar ist, kann man versuchen die Abmessungen im Sitzen zu machen, damit haben wir schon ganz gute Erfahrungen gemacht, denn das angewinkelte Bein ist ohnehin keine untypische Haltung beim Reiten und man muss dabei nicht ganz so weit hinunter in die Beuge. Besser funktioniert es aber im Stehen mit Hilfe einer zweiten Person.
Notwendige Werte für die Hersteller-Tabellen
Schuhgröße (Fussgröße)
Das ist die einfachste Komponente. Man gibt einfach die eigene normale Schuhgröße an, die auch sonst für Sportschuhe oder Abendgarderobe geeignet ist. Wer im Winter mit dicken Socken (Lammfell ist ein Tipp!) reiten möchte, sollte zur Nummer plus eins addieren.
Wadenbreite (Umfang)
- Wie wird gemessen? Stellen Sie sich aufrecht hin, die Füße stehen flach auf dem Boden, das Gewicht ist gleichmäßig verteilt. Die Hilfsperson führt das Maßband nun horizontal um die breiteste Stelle Ihrer Wadenmuskulatur.
- Worauf achten? Das Maßband muss eng anliegen, darf das Fleisch aber nicht einschnüren. Messen Sie unbedingt beide Beine, da bei fast allen Menschen eine Wade etwas kräftiger ist als die andere. Orientieren Sie sich beim Kauf immer am größeren Wert.
Stiefelhöhe (Schaftlänge)
- Wie wird gemessen? Setzen Sie sich auf einen Stuhl, sodass Ihre Oberschenkel und Unterschenkel einen exakten 90-Grad-Winkel bilden. Die Füße stehen flach auf dem Boden. Gemessen wird nun an der Rückseite des Beins: Vom Boden (Ferse) gerade hoch bis exakt in die Kniekehle.
- Die Setz-Sonderregel (+2 cm): Leder ist ein Naturmaterial. Im Laufe der ersten Wochen des Tragens bekommt der Stiefel im Knöchelbereich Gehfalten. Dadurch „setzt“ sich der Stiefel – er rutscht um etwa 1,5 bis 2 Zentimeter nach unten. Rechnen Sie daher auf Ihr gemessenes Höhenmaß pauschal 2 Zentimeter hinzu! Wenn der Stiefel im Laden also nicht unangenehm in der Kniekehle zwickt, ist er für die Zukunft zu kurz.
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Online-Werbung Reiten & PferdeDetails im Check: Reißverschluss, Schnürung und Knöpfe
Moderne Reitstiefel sind hochkomplexe Konstruktionen. Die verschiedenen Verschlüsse und Applikationen haben massiven Einfluss auf den Komfort und die Haltbarkeit.
Reißverschluss (Der Schwachpunkt)
Er ist die komfortabelste Erfindung im Stiefelbau, aber auch das Teil, das am anfälligsten für Defekte ist.
- Die Position: Bei Springstiefeln sitzt er meist hinten, bei Dressurstiefeln oft vorne an der Innenseite. Achten Sie darauf, dass der Reißverschluss grobe, stabile Zähne (meist aus Kunststoff oder Messing) hat. Feine Reißverschlüsse gehen im Stall durch Sand und Schmutz sofort kaputt.
- Der Elastikeinsatz: Sehr empfehlenswert ist ein elastischer Stretch-Streifen direkt neben dem Reißverschluss. Er nimmt die Spannung vom Verschluss, wenn sich die Wade im Sommer ausdehnt, und verlängert die Lebensdauer des Reißverschlusses drastisch.
Ein Hausmittel bei der Pflege für den Reißverschluss ist übrigens der Bleistift. Es kann durchaus lohnend sein den Reißverschluss in geschlossenem Zustand einige Male mit einem Bleistift zu behandeln, denn das Graphit im Bleistift kann sich positiv auf den Reißverschluss auswirken. Danach dann immer mit dem Reißverschluss von ganz oben nach ganz unten und wieder retour - das ganze mehrmals wiederholen. So hat es auch bei uns mit neuen Reitstiefeln geklappt.
Schnürbänder (Die Flexibilitäts-Garanten)
Die Schnürung auf dem vorderen Spann (oft bei Springstiefeln zu finden) ist heute meist eine reine optische Täuschung – der Einstieg erfolgt dennoch über den Reißverschluss hinten.
- Die Funktion: Diese elastische Schnürung hat einen großen Vorteil: Sie sorgt dafür, dass der Stiefel im Knöchelbereich extrem flexibel bleibt. Wenn Sie den Fuß im Steigbügel stark anwinkeln (Absatz tief), gibt die Schnürung nach und verhindert, dass das Leder schmerzhaft in den Fußrücken einschneidet.
Druckknöpfe (Die Sicherheitsriegel)
Ein Reißverschluss am Stiefel neigt dazu, sich durch die Bewegung beim Reiten von alleine nach unten zu öffnen.
- Der Reißverschluss-Schutz: Achten Sie darauf, dass der Stiefel am oberen Ende (manchmal auch unten an der Ferse) über eine Lederlasche mit einem Druckknopf verfügt. Dieser Riegel fixiert den Schieber des Reißverschlusses bombenfest und schützt ihn gleichzeitig vor Schmutz und Scheuern am Sattelblatt. Die Druckknöpfe sollten stramm sitzen, sich aber ohne rohe Gewalt öffnen lassen.
Anprobe im Fachgeschäft: Der finale Test
Wenn die Maße ermittelt und ein Modell ausgewählt wurde, geht es an den Sitztest:
- Der Einstieg: Wenn Sie mit einer dünnen Plastiktüte oder einer speziellen Stiefelanziehhilfe leicht in den Stiefel schlüpfen können und der Reißverschluss sich nur unter leichtem, sanftem Zug schließen lässt, ist die Weite perfekt.
- Das Gefühl im Stehen: Der Stiefel sollte sich anfühlen wie eine feste Umarmung. Er darf nicht schlappen. Wenn Sie die Zehen bewegen können, ist der Fußteil richtig.
- Die Kniekehle im Laden: Wenn Sie aufrecht stehen, sollte der obere Rand des Stiefels die Kniekehle spürbar berühren oder sogar leicht hineindrücken (denken Sie an die 2 cm Setzwert!). Schützt ein Dressurbogen (die hohe Außenkante) das Knie, darf dieser die Kniescheibe bei der Bewegung nicht behindern.
Tipp für die ersten Tage: Um den Schmerz beim Einreiten (wenn sich der Stiefel setzt) zu minimieren, können Sie in den ersten zwei Wochen kleine Keilkissen aus Kork oder Schaumstoff unter die Ferse in den Stiefel legen. Dadurch kommt der Fuß höher, der Stiefel drückt nicht in die Kniekehle und sobald sich das Leder gesetzt hat, nehmen Sie die Keile einfach wieder heraus!
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