Das Aussitzen im Trab: Grundlagen, Hilfen und Auswirkungen auf das Pferd
Der Trab ist eine schwungvolle Gangart im Zweitakt, die Reiterinnen und Reiter vor eine koordinative Herausforderung stellt. Während beim Leichttraben der Schwung der Bewegung abgefangen wird, indem man bei jedem zweiten Schritt aufsteht, bleibt man beim Aussitzen fest im Sattel sitzen. Richtig ausgeführt, ermöglicht das Aussitzen eine feine und direkte Kommunikation mit dem Pferd. Doch es birgt auch Risiken für die Gesundheit des Tieres, wenn es fehlerhaft umgesetzt wird.
Hier ist ein umfassender Überblick darüber, worauf es ankommt und was sich auf dem Pferderücken abspielt.
Vorteile des Aussitzens
- Direkte Einwirkung: Der Reiter ist mit seinem Sitz (Gesäßknochen und Gewicht) maximal nah am Pferd. Dadurch können Gewichtshilfen und feine Beckenbewegungen ohne Verzögerung an das Pferd übertragen werden.
- Bessere Versammlung: Für fortgeschrittene Lektionen (wie Traversalen, Passagen oder Piaffen) ist das Aussitzen unerlässlich, da das Pferd durch die gezielte Gewichtshilfe vermehrt zum Untertreten der Hinterhand und zur Aufrichtung animiert werden kann.
- Unabhängiger Sitz: Das Meistern des Aussitzens beweist einen gut ausbalancierten, vom Zügel unabhängigen Sitz.
Nachteile des Aussitzens
- Erhöhte Belastung: Für den Pferderücken bedeutet das Aussitzen eine deutlich höhere punktuelle und kontinuierliche Belastung als das Leichttraben.
- Verletzungsgefahr bei Fehlern: Klemmt der Reiter oder verliert er den Rhythmus, beginnt er auf dem Pferderücken zu „bouncen“ (zu hopsen). Dies führt zu Verspannungen bei Mensch und Tier und kann langfristig zu Gesundheitsschäden führen.
- Ermüdung: Es ist physisch extrem anstrengend für den Reiter und erfordert eine hohe Kondition der Rumpfmuskulatur.

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Elisa Pitkänen / Unsplash QuelleKörperspannung: Das Geheimnis der "positiven Spannung"
Häufig wird Reitern gesagt, sie müssten sich „entspannen“, um auszusitzen. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Nötig ist eine positive Körperspannung (Tonus), keine Schlaffheit, aber auch keine Verkrampfung.
- Die tiefe Rumpfmuskulatur: Bauch- und Rückenmuskulatur des Reiters müssen aktiv sein, um den Oberkörper stabil und aufrecht zu halten.
- Die Hüfte als Stoßdämpfer: Während der Oberkörper stabil bleibt, muss die Hüfte vollkommen losgelassen und beweglich sein. Sie muss der dreidimensionalen Bewegung des Pferderückens (auf und ab, vor und zurück, seitliche Rotation) folgen.
- Keine blockierten Oberschenkel: Ein häufiger Fehler ist das Festklammern mit den Knien oder Oberschenkeln. Dadurch hebelt sich der Reiter selbst aus dem Sattel. Die Beine müssen lang und locker herabhängen.
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Online-Werbung Reiten & PferdeKorrekte Hilfengebung beim Aussitzen
Die Hilfen im ausgesessenen Trab basieren auf dem Prinzip des „Treibens in die Bewegung hinein“:
- Gewichtshilfe: Das Gewicht wird gleichmäßig auf beide Gesäßknochen verteilt. Der Reiter lässt sich tief in den Sattel hineinsinken (wie ein nasser Sandsack, aber mit aufrechter Wirbelsäule).
- Schenkelhilfe: Die Schenkel liegen locker am Pferdebauch an. Sie treiben im Rhythmus des Trabs – und zwar immer dann, wenn der jeweilige innere oder äußere Pferdehinterfuß abfußt. Das geschieht fast automatisch durch die Atembewegung des Pferdekörpers, darf aber nicht in ein rhythmisches „Klopfen“ ausarten.
- Zügelhilfe: Die Hand bleibt ruhig und unabhängig von den Bewegungen des Oberkörpers. Sie hält eine elastische Verbindung zum Pferdemaul, um den durch den Sitz erzeugten Schwung aufzufangen und in eine weiche Anlehnung umzuwandeln.
Physische Sicht des Pferdes: Was spürt das Tier?
Um zu verstehen, was das Pferd spürt, muss man sich die Biomechanik vor Augen führen. Im Trab schwingt der Pferderücken bei jedem Schritt nach oben und sackt in der Schwebephase wieder leicht ab.
Das spürt das Pferd beim Aussitzen
Bei einem guten Reiter spürt das Pferd einen gleichmäßigen, mitschwingenden Druck. Es nimmt die Gewichtsverlagerungen des Reiters als sanfte Impulse wahr. Reitet der Reiter jedoch gegen die Bewegung, fühlt sich das für das Pferd an wie harte, unregelmäßige Schläge auf die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur.
Wo entstehen Probleme für das Pferd?
- Rückenmuskulatur (M. longissimus dorsi): Wird das Pferd im Rücken blockiert, verkrampft sich dieser lange Muskel. Das Pferd drückt den Rücken weg (Karpfenrücken oder Senkrücken) und geht „unter dem Reiter weg“.
- Atrophie (Muskelschwund): Dauerhaft falsches Aussitzen führt dazu, dass die Muskeln links und rechts der Wirbelsäule verkümmern, anstatt sich aufzubauen, da sie schlecht durchblutet werden.
- Wirbelsäule und Gelenke: Die Stoßbelastungen bei blockiertem Sitz gehen direkt auf die Bandscheiben und die Wirbelgelenke des Pferdes (Gefahr von Kissing Spines). Auch die Hanken (Hüft-, Knie- und Sprunggelenke) werden überlastet, wenn das Pferd nicht mehr reell über den Rücken läuft.
- Mentale Folgen: Pferde reagieren auf den permanenten Schmerz im Rücken oft mit Widersetzlichkeit (Steigen, Buckeln), Triebigkeit oder stumpfen ab.
4 Tipps: Worauf muss man beim Reiten achten?
Ein paar Tipps für Reiterinnen und Reiter, die das Aussitzen beim Trab erlernen wollen. Neben der Tatsache, dass du zuerst die Basis beim Trab beherrschen solltest, geht es auch darum auf das Pferd zu hören. Merk dir diese Tipps jedenfalls!
- Erst die Basis, dann das Aussitzen: Aussitzen darf man erst, wenn man im Leichttraben die Balance und den Takt sicher beherrscht und das Pferd gelernt hat, den Rücken herzugeben (Losgelassenheit).
- Kurze Reprisen wählen: Sitzen Sie anfangs nur wenige Tritte (z. B. an der langen Seite) aus. Sobald Sie merken, dass Sie verkrampfen oder das Pferd den Takt verliert, parieren Sie durch oder traben Sie wieder leicht.
- Auf das Pferd hören: Wenn das Pferd im ausgesessenen Trab den Kopf hochreißt, den Takt verliert oder mit dem Schweif schlägt, ist das ein klares Zeichen, dass der Reitersitz blockiert.
- Sitzschulung an der Longe: Wer Probleme hat, den Rhythmus zu finden, profitiert enorm von Sitzschulungen an der Longe (ohne Zügel), um sich ganz auf die eigene Hüftbewegung konzentrieren zu können.
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